Wirtschaft

Ineos baut Defender-Konkurrent Britischer Milliardär kauft Smart-Werk

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Das französische Werk geht an einen britischen Milliardär.

(Foto: imago/Becker&Bredel)

Der deutsche Autobauer Daimler baut den Smart künftig in China. Im freigewordenen Werk in Frankreich baut fortan ein britischer Milliardär anstatt in Wales ein Auto, das dem britischen Land Rover Defender Konkurrenz machen soll. Der wird inzwischen von einem indischen Konzern in der Slowakei gefertigt.

Das Smart-Werk im französischen Hambach geht an den britischen Milliardär Jim Ratcliffe. Der Stuttgarter Autobauer Daimler besiegelte den Verkauf an Ratcliffes Ineos Automotive, die in Lothringen den Geländewagen Grenadier 4x4 bauen will, der dem Land Rover Defender Konkurrenz machen soll. Der gehört ebenso wie die Marke Jaguar inzwischen zur Indischen Tata-Gruppe.

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Für eine Übergangszeit von zwei Jahren soll in Hambach nahe der Grenze zum Saarland auch noch der zweisitzige Elektro-Smart montiert werden, den Daimler anschließend in China produzieren will, wie ein Sprecher sagte. 1300 der zuletzt 1600 Mitarbeiter bei Daimler und seinen Zulieferern in Hambach gehen den Weg zu dem neuen Eigentümer mit, rund 300 haben die Offerte von Ineos nicht angenommen.

Ratcliffe, der als einer der prominentesten Brexit-Befürworter bekannt wurde, gehört der Petrochemie Konzern Ineos. Dessen Tochter Ineos Automotive werde in den nächsten Wochen die Anteile am Smart France übernehmen, sobald die letzten Details geklärt seien, teilte Daimler mit. Damit sind die Hoffnungen in Wales zerstoben, wo Ratcliffe eigentlich die Produktion des Grenadier mit rund 500 Mitarbeitern aufnehmen wollte. Dort war ein Ford-Werk mit 1700 Mitarbeitern geschlossen worden. Ein neues Werk in Portugal sollte die Karosserie liefern.

"Hambach bot uns eine Gelegenheit, die wir uns nicht entgehen lassen konnten: ein modernes Automobil-Werk mit einer Weltklasse-Belegschaft zu kaufen", erklärte Ratcliffe den Sinneswandel. Die Nähe zu Deutschland sei wegen der Lieferketten und potenzieller Absatzmärkte ein Vorteil. Der Grenadier soll ab Ende nächstes Jahres in Hambach vom Band laufen. Bis dahin soll die Elektro-Smart-Produktion weiterlaufen und das Werk umgerüstet werden.

Zum Kaufpreis wollte sich Daimler nicht äußern. Zusätzliche Abschreibungen seien aber im vierten Quartal nicht zu erwarten. Das Ziel, die Beschäftigung am Standort zu sichern, sei erreicht worden, sagte Mercedes-Vorstand Jörg Burzer. Daimler hatte das Smart-Werk in Hambach 1997 eröffnet, es galt als Aushängeschild für die Autoproduktion. Bisher sind dort mehr als zwei Millionen Exemplare des Zweisitzers für die Stadt gebaut worden.

Quelle: ntv.de, jwu/rts