Wirtschaft

Streit um Lufthansa-Rettung Bund geht wohl nicht auf Aktionär Thiele zu

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Finanzminister Scholz hatte Änderungen an dem Plan vergangene Woche ausgeschlossen und setzt jetzt auf Überzeugungskraft.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der mühsam ausgehandelte Lufthansa-Rettungsplan ist Hauptaktionär Thiele ein Dorn im Auge. Mit seinen Anteilen könnte der 79-Jährige alles zu Fall bringen. In einer Spitzenrunde erläutert die Bundesregierung dem Großaktionär erneut ihr Vorhaben. Eine Änderung des Pakets soll aber nicht in Aussicht sein.

Die Bundesregierung hat dem Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele offenbar keine Änderungen am staatlichen Rettungspaket für die Fluggesellschaft in Aussicht gestellt. "Die Bundesregierung hat das Hilfspaket erläutert", sagte ein Regierungsvertreter nach einem Gespräch, zu dem Thiele und Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr in Berlin mit Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier zusammengekommen waren. Details wurden nicht genannt. Thiele hatte sich kritisch zur staatlichen Beteiligung an der Lufthansa geäußert.

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Thiele begehrt vor allem wegen des Staatseinstiegs bei der Lufthansa mit 20 Prozent gegen den mühsam ausgehandelten Rettungsplan von bis zu neun Milliarden Euro Finanzhilfen auf. Der 79-Jährige hält inzwischen 15,52 Prozent und könnte mit seinen Anteilen den Plan auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag zu Fall bringen.

Finanzminister Scholz hatte Änderungen an dem Plan vergangene Woche ausgeschlossen und setzt jetzt auf Überzeugungskraft: Die Regierung habe mit der Lufthansa ein sehr gutes Paket ausgehandelt, das auch die Zustimmung der EU-Kommission finde, sagte er vor dem Gespräch mit Thiele bei einer Finanzkonferenz in Frankfurt, zu der er zugeschaltet war. "Ich glaube, über den Vorschlag zu diskutieren - was wir tun, um klarzumachen, worum es geht - könnte einen Konsens bringen", ergänzte er in seinem auf Englisch gehaltenen Redebeitrag. Die Lufthansa sei ein sehr erfolgreiches Unternehmen. Es müsse die Regierung möglich machen, dass es die kritische Lage durch die Corona-Pandemie überlebe. Die Unsicherheit über die Zukunft von Europas größter Airline ließ Lufthansa-Aktien am ersten Handelstag nach dem Dax-30-Abstieg um fast neun Prozent absacken.

Insolvenz wäre "Blamage für Deutschland"

Sollte der Rettungsplan scheitern, könnte die Lufthansa Spohr zufolge ein Schutzschirmverfahren beantragen - ein auf Sanierung ausgerichtetes Insolvenzverfahren. Dies sei mit großen Risiken verbunden, weil nur wenig Zeit für einen Neustart sei, warnte Ruxandra Haradau-Döser, Branchenexpertin vom Investmentberater Kepler Cheuvreux. "Ein Schutzschirmverfahren für die Lufthansa wäre für die Exportnation Deutschland eine große Blamage", sagte sie.

Lufthansa-Rivalen wie Air France, KLM oder Easyjet und US-Airlines wurden weitaus geräuschloser mit staatlich abgesicherten Krediten versorgt. Bei einem Schutzschirmverfahren bräuchte die Lufthansa umgehend mehrere Milliarden Euro Kredit, um den Flugbetrieb nicht einstellen zu müssen. Sie hätte dann drei Monate Zeit, um mit Geldgebern einen Sanierungsplan zu erstellen.

Lufthansa-Chef Spohr hatte in einem Brief an die rund 138.000 Mitarbeiter am Sonntag erklärt, oberstes Ziel sei, die Insolvenz zu vermeiden. Da das Unternehmen unter dem Schutzschirm alle Verträge - auch Arbeitsverträge - kündigen kann, würde sich der Druck auf die Gewerkschaften erhöhen. Spohr wollte mit der Vereinigung Cockpit (VC) für die Piloten, der Flugbegleitergewerkschaft UFO und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bis zum heutigen Montag ein Sparpaket aushandeln. Damit soll verhindert werden, dass die rechnerisch 22.000 überzähligen Vollzeitstellen gestrichen werden. Bis zum Mittag zeichnete sich noch keine Einigung bei den noch laufenden Verhandlungen mit VC und UFO ab.

Quelle: ntv.de, jki/rts