Wirtschaft

Wenn die Konjunktur einbräche Bundesbank warnt vor Billig-Kredit-Ausfall

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Über die Hälfte der ausstehenden Bankkredite an private Haushalte und Unternehmen sind Wohnungsbaukredite.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Verwundbarkeit des deutschen Finanzsystem hat zugenommen, warnt die Deutsche Bundesbank. Niedrige Zinsen und die Vergabe zunehmend auch riskanterer Kredite stellen ein Risiko für das gesamte System dar.

Die Risiken für das deutsche Finanzsystem haben sich nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank weiter erhöht. Wie aus ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht hervorgeht, sieht die Bundesbank unter anderem das Risiko, dass Banken wegen des in den vergangenen Jahren guten Wirtschaftswachstums ihre Kreditrisiken unterschätzen, den Wert von Kreditsicherheiten überschätzen und wegen des Niedrigzinsumfelds Kredit an Kunden mit geringerer Bonität vergeben.

"Ein unerwarteter Konjunktureinbruch und abrupt steigende Risikoprämien könnten das deutsche Finanzsystem empfindlich treffen", erklärte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts der Notenbank in Frankfurt. Noch im vergangenen Jahr war ein langsam steigendes Zinsniveau erwartet worden. Doch die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Nullzinspolitik im Herbst nochmals zementiert. Zudem trüben Handelsstreitigkeiten und Brexit-Sorgen die Aussichten für die Wirtschaft ein.

"Die niedrigen Zinsen setzen die Zinsmarge der Institute zunehmend unter Druck, belasten deren Profitabilität und stellen so auch ein Risiko für die Finanzstabilität dar", ergänzte Joachim Wuermeling, der im Vorstand der Bundesbank für die Bankenaufsicht zuständig ist. Sorge bereitet den Experten der Bundesbank, dass Banken zunehmend auch riskantere Kredite vergeben. Die Nachfrage nach Krediten steigt, laut Bundesbank nehmen Kredite an den Privatsektor mit einem jährlichen nominalen Wachstum von derzeit knapp 5 Prozent so stark zu wie seit über 15 Jahren nicht mehr. Im Falle eines Konjunktureinbruchs könnten die Institute daher in höherem Maße von Wertberichtigungen und Kreditausfällen belastet werden.

Zu den Sektoren mit einem starken Wachstum gehört die Bauwirtschaft. Über die Hälfte aller ausstehenden Bankkredite an inländische private Haushalte und Unternehmen sind laut Bundesbank Wohnungsbaukredite. Außerdem machten Immobilien in Deutschland mit 80 Prozent einen wesentlichen Anteil des Anlagevermögens aus.

Die tendenziell steigenden Preise auf dem deutschen Immobilienmarkt beobachtet die Bundesbank weiterhin aufmerksam. Es bestehe die Gefahr, "dass Marktteilnehmer die vergangene Entwicklung zu optimistisch in die Zukunft fortschreiben und dabei die Werthaltigkeit von Sicherheiten überschätzen", sagte Buch. Nach Einschätzung der Bundesbank waren Wohnimmobilien in Deutschland in städtischen Gebieten im Jahr 2018 zwischen 15 und 30 Prozent überbewertet. Eine gefährliche Preisblase am deutschen Immobilienmarkt sieht die Bundesbank dennoch weiter nicht. "Wir sehen aktuell keine Hinweise darauf, dass wir eine kreditgetriebene Spekulationsdynamik an den Märkten haben", sagte Buch.

Quelle: ntv.de, ftü/dpa/DJ