Wirtschaft

Auftritt in Handschellen Carlos Ghosn beteuert seine Unschuld

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Blick in den Gerichtssaal kurz vor Beginn der Anhörung: Fotografen waren bei dem ersten öffentlichen Auftritt Ghosns seit seiner Verhaftung nicht zugelassen.

(Foto: REUTERS)

Ist die andauernde Inhaftierung des Renault-Chefs Ghosn tatsächlich verhältnismäßig? Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit seiner Festnahme weist der prominente Konzernlenker alle Anschuldigungen zurück - bewacht wie ein Schwerverbrecher.

Der in Japan in Untersuchungshaft sitzende frühere Verwaltungsratschef des Renault-Partners Nissan, Carlos Ghosn, ist erstmals seit seiner Festnahme vor Gericht erschienen. In einem dunklen Anzug ohne Krawatte betrat er am Dienstagmorgen (Ortszeit) den Gerichtssaal in Tokio.

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Carlos Ghosn vor Gericht: "Ich bin zu Unrecht angeklagt."

(Foto: REUTERS)

Bei seiner ersten Anhörung vor Gericht seit seiner Festnahme im November wies Ghosn alle Vorwürfe gegen ihn mit deutlichen Worten zurück. "Ich bin zu Unrecht angeklagt und ungerechterweise verhaftet worden", erklärte der prominente Automanager vor dem zuständigen Bezirksgericht in Tokio. Die Anschuldigungen gegen ihn seien allesamt unbegründet. Er habe - anders als von der Staatsanwaltschaft dargestellt - von Nissan nie Bezüge erhalten, die nicht auch öffentlich gemacht worden seien.

Ohne Schnürsenkel und Krawatte

Der 64-Jährige war am 19. November verhaftet worden und sitzt seitdem hinter Gittern. Die Behörden beschuldigen ihn, sein Einkommen über mehrere Jahre hinweg unvollständig angegeben zu haben. Ihm droht deswegen eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Der in Brasilien geborene Franzose mit libanesischen Wurzeln hat die Anhörung über seine Anwälte selbst beantragt.

Bei seinem Auftritt vor Gericht wirkte Ghosn deutlich von der Haft gezeichnet und sichtlich schlanker. Der Mann, der einst den japanischen Autobauer Nissan vor der sicheren Pleite rettete, betrat den Gerichtssaal am Morgen in Plastiksandalen. Ghosn trug dazu zwar einen Anzug, aber keine Krawatte.

Zwei Bewacher an der Seite

Ghosn, der weiter Renault-Chef ist, wird von der japanischen Justiz behandelt wie ein potenziell gewalttätiger Schwerverbrecher: Zwei Bewacher nahmen seine Handfesseln ab und setzten sich neben ihn auf eine Bank vor seinen drei Anwälten.

Der Vorsitzende Richter Yuichi Tada erklärte, Ghosn müsse weiter in Untersuchungshaft bleiben, da Fluchtgefahr bestehe. Außerdem könnte er im Fall einer Freilassung Beweismittel vernichten. Das Unternehmen Nissan teilte mit, eine interne Untersuchung habe substanzielle und überzeugende Belege hervorgebracht, die ein Fehlverhalten von Ghosn zeigten.

Treibende Kraft der Auto-Allianz

Der Konzern hatte die Ermittlungen gegen den langjährigen Chef selbst ins Rollen gebracht. Ghosns Festnahme belastet die internationale Auto-Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi massiv. Ghosn war jahrelang die treibende Kraft hinter dem Auto-Bündnis. Während er nach seiner Verhaftung bei Nissan und Mitsubishi seiner Ämter enthoben wurde, muss er seinen Chefposten bei Renault bisher nur ruhen lassen.

Ghosns erster Auftritt vor Gericht seit seiner spektakulären Festnahme vor eineinhalb Monaten war von großem öffentlichem Interesse begleitet. Mehr als 1100 Menschen hatten sich in der Hoffnung, einen der 14 Zuschauersitze im Gerichtssaal zu ergattern, vor Beginn der Anhörung am Gericht in Tokio eingefunden.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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