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Atommüll auf dem Neckar Castor-Schiff nimmt erste Fuhre auf

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In Neckarwestheim sollen 15 Castoren aus Obrigheim zwischengelagert werden.

(Foto: picture alliance / Marijan Murat)

Erstmals werden in Deutschland hoch radioaktive Abfälle per Schiff transportiert - von Neckarwestheim geht es zum stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim und zurück. Atomkraftgegner kündigen Proteste an. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort.

Auf dem Neckar ist ein Transportschiff für den ersten Castor-Transport auf einem deutschen Fluss gestartet. Der Schubverband legte am Morgen um 5.20 Uhr in Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) in Richtung Atomkraftwerk Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) ab. Ein Hubschrauber sei im Einsatz, es gebe keine Einsatzkräfte auf dem Schiff - und keine Kenntnisse über mögliche Störungen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Göppingen.

Die Beförderung von zunächst drei Castor-Behältern per Schiff auf dem unteren Neckar ist heftig umstritten. Atomkraftgegner kündigten für den Vormittag eine Mahnwache in Gundelsheim an. Von Neckarwestheim soll das Schiff etwa 50 Kilometer zum stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim fahren. An diesem Dienstag ist dort die Verladung der drei Castor-Behälter mit Atommüll geplant. Bleibt es bei den Plänen, legt das Schiff mit ausgedienten Brennelementen an Bord nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch Richtung Neckarwestheim ab.

Erstmals soll so Atommüll in Deutschland auf einem Fluss transportiert werden. Für die Fahrt zum dortigen Zwischenlager sind bis zu 14 Stunden veranschlagt. Die Abladung der Behälter beginnt dann am Donnerstag. Insgesamt will der Energieversorger EnBW fünf Transporte mit je drei Castoren organisieren. Hunderte Beamte sichern den Einsatz. Atomkraftgegner haben Proteste angekündigt.

"Riskanteste Variante"

Der Transport wird von Booten der Wasserschutzpolizei begleitet, der Hubschrauber beobachtet die Lage aus der Luft. Kräfte aus anderen Bundesländern sind dem Vernehmen nach nicht vor Ort. Als mögliche kritische Punkte werden sechs Schleusen gesehen.

Eigentlich wäre für die Lagerung der 342 ausgedienten Brennelemente aus Obrigheim ein eigenes Zwischenlager nötig. Allerdings ist in Neckarwestheim noch Platz: Von den dortigen 151 Lagerstellen sollen nur 125 für Castor-Behälter verplant sein, der Rest ist demnach frei - etwa für die 15 Behälter mit Brennelementen aus Obrigheim. Atomkraft-Gegner kritisierten den Transport per Schiff als die "riskanteste Variante" - Polizei und EnBW argumentierten dagegen, dass eine Beförderung auf der Straße oder auf Schienen aufwendiger sei. Der Chef der Kernkraft GmbH von EnBW, Jörg Michels, nannte das Transportschiff sogar "praktisch unsinkbar".

Quelle: n-tv.de, jgu/dpa

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