Wirtschaft

Debatte um Gas-Verteilung Chemieverband kritisiert Vorrang für Privathaushalte

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Ohne Chemie stehe Deutschland still, warnt der Präsident des Chemieindustrieverbands VCI, Kullmann.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei einem Gasmangel sind durch den Notfallplan der Regierung Privathaushalte besonders geschützt. Die Priorisierung stößt beim Verband der chemischen Industrie auf Kritik. Der Erhalt von Arbeitsplätzen sei wichtiger als die private Gasversorgung. Falle die Chemiebranche aus, dann drohe "eine schlimme Krise".

Die chemische Industrie stellt den Vorrang privater Haushalte bei der Zuteilung von Gas im Notfall infrage. Die Sicherung der Arbeitsplätze und damit das Einkommen sei für die Familien sehr wichtig und "steht für die Gesellschaft höher als die vollständige Sicherstellung der privaten Gasversorgung", sagte der Präsident des Verbandes der chemischen Industrie (VCI), Christian Kullmann, der "Süddeutschen Zeitung". "Was nützt es, wenn die Haushalte zwar weiter Gas bekämen, es aber nicht mehr bezahlen könnten?"

Die Bundesregierung hat wegen des Ukraine-Kriegs den Notfallplan Gas aktiviert und mittlerweile die Alarmstufe ausgerufen. Im Fall einer Mangellage entscheidet sie darüber, wer noch wie viel Gas bekommt. Privathaushalte sind dabei besonders geschützt. Immer wieder kommen aus der Wirtschaft Forderungen, die Priorisierung zu ändern.

Kullmann warnte vor einer tiefen Wirtschaftskrise: "Für den Fall eines vollständigen Gasembargos befürchte ich den Herzinfarkt der deutschen Wirtschaft, auch unserer Branche." Ohne Chemie stehe Deutschland still, denn chemische Produkte würden für 90 Prozent aller Produktionsprozesse benötigt. Die Folgen für die Beschäftigten wären gravierend, es drohe "eine schlimme Krise, auch gesellschaftlich und sozial".

Lob für Habeck, Kritik an Söder

Ausdrücklich lobte der VCI-Chef das Krisenmanagement von Wirtschaftsminister Robert Habeck. "Robert Habeck ist ein guter Wirtschaftsminister, ich bin beeindruckt", sagte Kullmann der Zeitung. Er sei "kein Schwadroneur und Ankündigungsweltmeister".

Harte Kritik übt Kullmann dagegen an Bayerns Ministerpräident Markus Söder. Es reiche nicht, nur Bäume zu umarmen, Bayern müsse auch Windräder bauen. Kullmann sagte zur Energiewende: "Wir müssen jetzt schnell Einspruchsrechte von Bürgern gegen solche Projekte mit der Axt einkürzen. Sonst wird es uns nicht gelingen, die regenerativen Energien wie geplant schnell auszubauen."

Quelle: ntv.de, mbu/AFP

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