Wirtschaft

Fluggesellschaft in Not China steigt bei Norwegian Air ein

imago0089339855h.jpg

Norwegian Air kann nun mit Staatsgeldern rechnen.

(Foto: imago images / Christian Ohde)

Der Luftfahrtbranche ist in Zeiten der Corona-Krise praktisch das Geschäftsmodell zusammengebrochen. Reihenweise ringen die Unternehmen ums Überleben. Dem Billigflieger Norwegian Air greifen nun zwei Leasingfirmen unter die Arme.

Ein vom chinesischen Staat kontrollierter Leasingkonzern wird Großaktionär der angeschlagenen Billigfluglinie Norwegian Air Shuttle. BOC Aviation besitzt künftig einen Anteil von 12,67 Prozent an der Airline, wie diese mitteilte. Größter Anteilseigner wird demnach mit 15,9 Prozent die irische Leasinggesellschaft AerCap Holdings, die über Wandelanleihen zudem weitere 7,2 Prozent erworben hat.

Norwegian
Norwegian ,06

Die Beteiligung der Konzerne ist Teil des Anfang Mai beschlossenen Rettungsplans für Norwegian Air, der wiederum Voraussetzung für weitere staatliche Hilfe ist. Ein Teil der Schulden der Airline bei den Leasinggesellschaften wurden demnach in Aktien umgewandelt; zudem gab Norwegian neue Aktien aus.

Norwegian kann damit 2,7 Milliarden norwegische Kronen (knapp 250 Millionen Euro) Staatshilfe bekommen - zusätzlich zu 300 Millionen Kronen, die schon an die Airline gegangen sind. Vorstandschef Jacob Schram warnte dennoch, die kommenden Monate seien "eine Herausforderung" für die Branche. Er kündigte an, die Zahl der Flüge zu reduzieren und vor allem profitable Verbindungen zu bedienen. Norwegian war einer der ersten Billigflieger, die auch Langstrecken anboten.

Flotte am Boden

Durch die Reiseverbote in der Pandemie steht die Flotte von 150 Flugzeugen nahezu vollständig am Boden. Auch in den kommenden zwölf Monaten sollen nur sieben Flieger abheben. Erst 2022 sollen wieder 110 bis 120 Jets im Einsatz sein. Schram warnte, die kommenden Monate blieben angesichts der Unsicherheit für den Luftverkehr schwierig. "Norwegian muss weiterhin eng mit einer Reihe von Gläubigern zusammenarbeiten, da das Unternehmen derzeit nur begrenzte Einnahmen hat." Die Aktien stürzten auf ein neues Rekordtief von 1,50 Kronen ab.

Die Eigenkapitalquote der Fluggesellschaft steigt durch die Restrukturierung auf 17 Prozent von knapp fünf Prozent Ende 2019 und liegt damit über der staatlichen Mindestanforderung von acht Prozent. Norwegian habe sich mit der Transaktion etwas Luft verschafft, aber das grundlegende Problem einer zu großen Flotte und unprofitablen Billigflügen auf der Langstrecke bleibe, erklärte Daniel Röska, Branchenanalyst von Bernstein Research.

Norwegian müsste sich auf Verbindungen in Skandinavien beschränken. Doch die Airline werde wegen der Leasingverträge die Flotte nicht ausreichend verkleinern können. "In den kommenden Monaten besteht ein beachtliches Risiko, dass noch mehr Cash gebraucht wird."

Das Unternehmen BOC Aviation ging aus der 1993 gegründeten Singapore Aircraft Leasing Enterprise hervor, die nach eigenen Angaben Ende 2006 von der Bank of China übernommen wurde. BOC Aviation gehört über eine lange Kette verschiedener Eigentümer dem chinesischen Staat. AerCap Holdings wiederum gehört zu den größten Flugzeug-Leasingfirmen der Welt und besaß Ende März nach eigenen Angaben 1030 Maschinen. Mehr als 340 Maschinen waren zudem bestellt. Das Unternehmen unterhält Beziehungen zu mehr als 200 Firmen in 80 Ländern.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/AFP/dpa