Wirtschaft

Heftigste Krise seit 40 Jahren Chinas Wirtschaft wächst trotz Corona

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Chinas Exportwirtschaft profitiert nicht zuletzt von der großen Nachfrage nach Medizinprodukten in der Pandemie.

(Foto: imago images/VCG)

Als eine der ganz wenigen Volkswirtschaften wächst China auch im Krisenjahr 2020. Im Vergleich zu der rasanten Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte schwächelt die Konjunktur allerdings heftig. Für dieses Jahr prophezeien die Experten eine schnelle Erholung, sehen aber auch ein Risiko.

Die chinesische Wirtschaft ist 2020 wegen der Corona-Krise so langsam gewachsen wie seit über vier Jahrzehnten nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 2,3 Prozent zum Vorjahr zu, wie das Statistikamt mitteilte. Das ist das schlechteste Abschneiden seit 1976, das dem historischen Einbruch zu Jahresbeginn infolge des Corona-Ausbruchs geschuldet ist. 2019 hatte es noch zu einem Plus von rund sechs Prozent gereicht. Dennoch steht die Volksrepublik damit gut da, sind doch alle anderen großen Volkswirtschaften nach Prognose internationaler Organisationen wie der OECD geschrumpft. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft ist einer ersten Schätzung zufolge um 5 Prozent eingebrochen.

Zuletzt hatte sich die Konjunkturerholung in der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt belebt: Im vierten Quartal 2020 schaffte China ein überraschend kräftiges Wachstum von 6,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum, nachdem es im Sommerquartal nur zu 4,9 Prozent gereicht hatte. "Das sind sehr starke Zahlen", sagte Analyst Tommy Xie vom Finanzhaus OCBC in Singapur.

Vergangenes Jahr um diese Zeit begannen die chinesischen Behörden in und um Wuhan, eine große Anzahl von Fällen einer mysteriösen viralen Lungenentzündung zu melden. Nachdem Peking am 23. Januar vergangenen Jahres den beispiellosen Schritt unternommen hatte, Wuhan abzuriegeln, kamen die wirtschaftlichen Aktivitäten im ganzen Land für einen Großteil der folgenden Monate praktisch zum Stillstand, bis das Virus weitgehend verschwunden war. Anders als westliche Regierungen wie die der USA, die für ihre Konjunkturmaßnahmen auf die Senkung der Kreditzinsen und auf eine Finanzspritze für die Verbraucher setzte, konzentrierte sich Peking auf die Wiederinbetriebnahme von Fabriken, während die Zinsen relativ hoch geblieben waren.

Sorgen vor neuen Corona-Ausbrüchen

Chinas Fabriken begannen im April, die Fertigung wieder hochzufahren, gerade als ein Großteil der Produktionskapazitäten im Rest der Welt wegen der sich ausbreitenden Pandemie zum Erliegen kam. Dies ermöglichte China die Produktion und den Export großer Mengen an medizinischer Ausrüstung wie Gesichtsmasken sowie Laborausrüstung, Laptops und Computermonitore. Der Inlandskonsum blieb jedoch bis weit in den Sommer hinein schwach, da die chinesischen Verbraucher Angst vor einer neuen Covid-19-Welle hatten. Die Einzelhandelsumsätze erreichten erst im August wieder das Niveau von vor der Pandemie. Viele Volkswirte gehen davon aus, dass China im Jahr 2021 beim BIP ein Wachstum von 8 Prozent oder mehr zeigen wird.

Der Exportweltmeister profitiert derzeit von einer steigenden Nachfrage nach seinen Produkten. Das Land stellt viele Güter her, die in der Corona-Pandemie weltweit gefragt sind - etwa Medizinausrüstung wie Masken oder Laptops und Bildschirme für das Home Office. Auch die Binnennachfrage hat sich erholt, wozu die Regierung mit Konjunkturprogrammen beitrug. In diesem Jahr dürfte sich der Aufschwung erheblich verstärken: Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt China ein kräftiges Wachstum von 7,9 Prozent voraus. "Wir denken, dass die Aussichten für die nahe Zukunft gut bleiben", sagte Ökonom Julian Evans-Pritchard von Capital Economics. "Wir sehen noch viel Potenzial für den Konsum, da die Haushalte ihre im vergangenen Jahr angehäuften Ersparnisse abbauen werden."

Die Sorge vor einem Wiederaufflammen der Pandemie im Land hat zugenommen, nachdem kürzlich der stärkste Anstieg der Neuinfektionen an einem Tag seit mehr als zehn Monaten registriert wurde. Die Folgen für die Wirtschaft seien jedoch kontrollierbar, sagte der Chef des Statistikbüros, Ning Jizhe. Allerdings könne in einigen Regionen der Konsum unter den neuen Restriktionen leiden. Die Behörden haben im Januar mehr als 28 Millionen Menschen unter häusliche Quarantäne gestellt, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen. China habe die Erfahrung und die Fähigkeit, das Virus zu kontrollieren, sagte Ning.

Quelle: ntv.de, mbo/rts/DJ