Wirtschaft

"Man zerstört die Autoindustrie" Conti-Chefaufseher teilt gegen Politik aus

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Continental hatte Anfang September mitgeteilt, sein Sparprogramm zu verschärfen und ab 2023 jährlich über eine Milliarde Euro einsparen zu wollen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Abbau von Stellen, Umschulungen von Mitarbeitern und Verlagerungen von Jobs: Autozulieferer Continental stimmt einem verschärften Sparkurs zu. Chefaufseher Reitzle gibt der Politik daran eine Mitschuld, denn Hersteller und Kunden würden in die E-Mobilität getrieben und Verbrenner diffamiert.

Der Chefaufseher des Autozulieferers Continental hat der Politik eine Mitschuld am weitreichenden Stellenabbau des Konzerns vorgeworfen. "Man zerstört politisch die Autoindustrie, die ja noch 99 Prozent ihrer Wertschöpfung durch Autos mit Verbrennungsmotor generiert", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Reitzle dem Nachrichtenportal "The Pioneer". Hersteller und Kunden würden in die "noch nicht wirklich marktreife E-Mobilität" getrieben, der Verbrenner "diffamiert". "Ergebnis: Wir müssen Fabriken schließen und Arbeitsplätze abbauen", sagte Reitzle.

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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil wies die Kritik zurück. Die Autoindustrie, auch die Zulieferer, müssten sich vorhalten lassen, zu spät auf den Strukturwandel reagiert zu haben, sagte der SPD-Politiker in Hannover, wo Continental seinen Sitz hat. Die Probleme der Branche seien unbestritten, besonders kleine und mittlere Zulieferer seien in ihrer Existenz bedroht, stellte Weil fest. Dennoch sage er aus Überzeugung: "Wir müssen raus aus dem Verbrennermotor. Wir müssen rein in die Elektromobilität."

Continental ist der zweitgrößte Autozulieferer der Welt. Am Mittwoch hatte der Aufsichtsrat unter dem Druck der Branchenkrise und der Corona-Auswirkungen einem verschärften Sparkurs zugestimmt. Insgesamt will Conti weltweit 30.000 Stellen "verändern", davon 13.000 in Deutschland. Neben dem Wegfall von Stellen zählen auch Umschulungen von Mitarbeitern und Verlagerungen von Jobs dazu.

IG-Metall-Vize Christiane Benner warf dem Konzern vor, seiner gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht zu werden. "Ich hätte mir mehr Flexibilität des Vorstands und der Kapitalseite erwartet", sagte sie der "Rheinischen Post". Kritik am Unternehmen kam auch aus der SPD-Bundestagsfraktion. Die Entscheidung für den Stellenabbau bei Continental sei "ein Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten", erklärte Fraktionsvize Katja Mast. "So kann man mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht umgehen - auch nicht mitten in der Krise", kritisierte sie.

Quelle: ntv.de, jki/dpa