Wirtschaft

Kinderboni, Wohngeld, Kurzarbeit Corona-Hilfe wirkt Ungleichheit entgegen

Ein Verweis auf die Maskenpflicht auf der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild

Dem IW zufolge sollte die Bundesregierung auch in den kommenden Monaten Bürger und Firmen unterstützen.

(Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild)

Der Staat versucht mit milliardenschweren Hilfen, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern. Dem IW Köln zufolge führen die Maßnahmen dazu, dass die Ungleichheit bei den Einkommen nicht zunimmt.

Die Corona-Pandemie und der Lockdown im Frühjahr haben bislang nicht dazu geführt, dass die Einkommens-Ungleichheit in Deutschland zugenommen hat. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Ohne die Hilfen des Staates sähe die Situation demnach allerdings anders aus.

Die Forscher untersuchten dabei zunächst das genannte Markteinkommen der Haushalte. Dazu zählen die Erwerbseinkommen aus abhängiger und selbstständiger Arbeit, aber auch Kapitaleinkommen und der Nettomietvorteil bei selbst genutzten Immobilien. Dieses sei pro Person und Monat im Schnitt um durchschnittlich 107 Euro gesunken, wie es in der Studie heißt. Das sogenannte verfügbare Einkommen - also jenes nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben, ergänzt um staatliche Transfers - hat sich dagegen im Schnitt lediglich um zwölf Euro reduziert.

Die Haushalte in den beiden niedrigsten Einkommenszehnteln haben demnach in der Krise sogar etwas mehr Geld zur Verfügung als im Vorjahr. Das liege zum einen an den Anti-Krisen-Maßnahmen der Politik wie beispielsweise dem einmalig ausgezahlten Kinderbonus oder der Erhöhung des Steuerfreibetrags für Alleinerziehende. Aber auch sozialpolitische Änderungen, die bereits zum vergangenen Jahreswechsel wirksam wurden, stützen die Haushalte: Die Regelsätze zur Grundsicherung seien höher, mehr Menschen erhielten Wohngeld, beim Kinderzuschlag gebe es mehr Leistungen. Auch das Kurzarbeitergeld habe dazu beigetragen, dass sich die Ungleichheit bei den verfügbaren Einkommen trotz Pandemie und erstem Lockdown nicht erhöht habe.

"Nicht nachlassen"

Das IW zieht zur Betrachtung den sogenannten Gini-Koeffizienten heran, die gebräuchlichste Maßeinheit für Einkommensungleichheit. Ein Gini-Koeffizient von 1,0 würde bedeuten, eine Person bekäme das gesamte Einkommen. 0,0 hieße, das Einkommen wäre vollkommen gleichmäßig verteilt.

Im Jahr 2020 lag der Koeffizient für die verfügbaren Einkommen nach Schätzungen der Studie bei 0,289. Zwei Jahre zuvor betrug er noch 0,293 - auch damit schneidet Deutschland relativ gut ab. Anders sieht es bei den Markteinkommen aus: Hier ist der Gini-Koeffizient von 0,511 im Jahr 2018 auf 0,525 im Jahr 2020 gestiegen. "Ohne die staatlichen Maßnahmen hätten wir eine größere Ungleichheit als vor der Krise", sagte Studienkoautor Maximilian Stockhausen. Entsprechend sinnvoll sei es, dass die Regierung auch in den nächsten Monaten nicht nachlasse, Firmen und Bürger zu unterstützen - so passgenau wie möglich, "um unnötige Schulden und Fehlanreize" zu vermeiden.

Quelle: ntv.de, jga

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