Wirtschaft

Gewinnrückgang erwartet Corona-Krise trifft Allianz doppelt

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Die Corona-Krise trifft die Allianz als Versicherer und als Anleger.

(Foto: REUTERS)

Wegen der Corona-Krise sind die Finanzmärkte abgestürzt und viele verschiedene Schäden auszugleichen. Deshalb rechnet die Allianz mit dem ersten Gewinnrückgang seit neun Jahren. Zuvor war der Konzern für 2020 noch von einem Rekordjahr ausgegangen.

Die Allianz muss sich wegen der Coronakrise auf den ersten Gewinnrückgang seit neun Jahren gefasst machen. Europas größter Versicherer geht davon aus, dass sein operatives Ergebnis in diesem Jahr um mehr als eine halbe Milliarde Euro schrumpfen wird. Die anvisierten 11,5 bis 12,5 (Vorjahr: 11,9) Milliarden Euro seien "aus heutiger Sicht nicht mehr zu erreichen", räumte die Allianz ein. Die Krise trifft die Branche doppelt: Zum einen sind die Finanzmärkte auf Talfahrt, auf denen die Versicherer zu den wichtigsten Anlegern gehören. Zum anderen steigen die Schäden in vielen Sparten der Versicherungswirtschaft - von ausgefallenen Veranstaltungen bis zu Ausfällen von Lieferantenkrediten.

Schon nach drei Monaten fehlen der Allianz im Vergleich zum Vorjahr rund 700 Millionen Euro: Der operative Gewinn ging nach vorläufigen Zahlen auf 2,3 (3,0) Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich blieben 1,4 (2,0) Milliarden Euro. Den Bericht über das erste Quartal will der Münchner Konzern am 12. Mai vorlegen. Zuletzt hatte er operativ 2011 einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen, seither stieg das Ergebnis von 7,9 auf 11,9 Milliarden Euro. Beim Nettogewinn gab es 2017 eine kleine Delle.

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Vorstandschef Oliver Bäte hatte zuletzt angedeutet, dass 2020 wegen der Corona-Krise kein erneutes Rekordjahr werden würde. "Dieses Jahr wird nicht zum Lachen", hatte er dem Magazin "Der Spiegel" gesagt, aber die Gewinnprognose nicht in Zweifel gezogen. Inzwischen hat die Allianz aber alle Töchter und Landesgesellschaften noch einmal gebeten nachzurechnen, ob ihre Planungen angesichts der Pandemie noch gelten. Das Ergebnis ist die Gewinnwarnung. Eine neue Prognose gab die Allianz wegen der Unwägbarkeiten rund um die Pandemie und die drohende Rezession nicht ab.

Ausfälle, Schließungen, geplatzte Kredite

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Versicherungen gegen den Ausfall von Veranstaltungen oder Betriebsschließungen waren die ersten Schadenfälle, die viele Versicherer zu spüren bekamen - auch wenn im Einzelfall unklar ist, ob sie bei einer Pandemie einspringen müssen. Aber auch in der Kreditversicherung werden angesichts einer drohenden Pleitewelle steigende Ausfallraten erwartet - so stark, dass die Bundesregierung der Branche in Deutschland einen großen Teil der Zahlungen abnimmt, aber auch zwei Drittel der Prämien kassiert. Dafür nehmen der zur Allianz gehörende Marktführer Euler Hermes und andere Warenkreditversicherer Verluste in Kauf. Das Geschäft mit Reiseversicherungen dürfte nahezu brachliegen.

Nur in der Autoversicherung rechnet die Branche mit weniger Schäden, weil der Verkehr während der Ausgangsbeschränkungen stark zurückging. Die Allianz und andere Versicherer haben aber in Aussicht gestellt, dass sich das in niedrigeren Beiträgen niederschlagen werde. Geschlossene Autohäuser bedeuten auch ein schrumpfendes Neugeschäft. Schwieriger zu verkaufen sein dürften auch beratungsintensive Produkte wie Lebensversicherungen, wenn der Allianz-Vertreter nicht ins Haus kommen kann.

Quelle: ntv.de, kwe/rts