Wirtschaft

Umwelthilfe sieht neue Belege Daimler droht erneut Ärger im Dieselskandal

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Es soll neue Belege für Tricksereien geben.

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

Der Dieselskandal beschäftigt Daimler schon länger. Bislang kann dem Autobauer laut Gerichten keine Täuschungsabsicht nachgewiesen werden, weshalb Klagen ohne Urteil enden. Doch nun gibt es womöglich neue Belege, die ein Kfz-Software-Experte liefert.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht neue Belege für eine Verstrickung des Autobauers Daimler in den Dieselskandal. In einem Gutachten dokumentiere der Kfz-Software-Experte Felix Domke im Auftrag der internationalen Anwaltskanzlei Milberg "insgesamt acht bisher unbekannte Abschalteinrichtungen in einer Mercedes-Benz E-Klasse mit Euro 6 Diesel", teilte die DUH mit. "Mit diesen nach Auffassung der Umwelthilfe eindeutig illegalen sogenannten "defeat devices" wird die wirksame Abgasreinigung durch den verbauten SCR-Katalysator reduziert." Dadurch lägen die Stickoxid-Emissionen auf der Straße deutlich über dem gesetzlich festgeschriebenen Grenzwert.

Ein Sprecher von Daimler teilte dagegen mit, die "beschriebenen Parametrierungen" seien bereits bekannt. "Aus unserer Sicht sind diese im Zusammenspiel und Gesamtkontext des hochkomplexen Emissionskontrollsystems nicht als unzulässige Abschalteinrichtungen zu bewerten." Die Deutsche Umwelthilfe wird das Gutachten, weitere Details und mögliche Folgen diesen Freitag bei einer Pressekonferenz vorstellen.

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Domke ist nach Angaben der DUH Software-Experte für Motorsteuerungen und war bereits als Sachverständiger für das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt tätig. "Die gefundenen Abschalteinrichtungen aktivieren sich in Fahrsituationen, die auf der Straße üblich sind", so Domke laut Mitteilung. "Bereits bei normaler Fahrweise verhindert so gut wie immer mindestens eine Abschalteinrichtung die Verbesserung der Emissionen aktiv - auch wenn es physikalisch oder zum Motorschutz gar nicht notwendig ist." DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch warf Daimler mit seiner Stammmarke Mercedes-Benz "Profitmaximierung zulasten der Umwelt und der Gesundheit der Stadtbewohner" vor.

Die Welle von Schadenersatzklagen von Dieselbesitzern gegen Daimler erreichte schon mit mehreren Verfahren den Bundesgerichtshof. Bisher ging keines mit einem Urteil gegen den Autobauer aus, weil die Existenz einer Abschalteinrichtung alleine keine sittenwidrige Schädigung sei. Es müsse der Nachweis einer gezielten Täuschungsabsicht hinzukommen. Die Anwaltskanzlei Milberg, die Kläger gegen Daimler in Großbritannien vertritt, sieht dagegen das Gutachten als Nachweis, dass Daimler die Kunden betrogen habe und diesen Schadensersatz zusteht, wie Gesellschafter Glenn Philipps erklärte.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/rts

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