Wirtschaft

Keine Rache für den Emoji-Krieg? Darum saß Twitter nicht an Trumps Tisch

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Der künftige US-Präsident Donald Trump, Paypal-Gründer Peter Thiel, Apple-Chef Tim Cook, Oracle-Chefin Safra Catz und Tesla-Chef Elon Musk (von l.)

(Foto: REUTERS)

Ausgerechnet Trumps Lieblingsmedium Twitter war beim gestrigen Tech-Gipfel im Trump Tower in New York nicht eingeladen. Keine böse Absicht, sagt das Team des künftigen US-Präsidenten. Und nennt dafür einen sehr banalen Grund.

Das Treffen am Mittwoch im Trump Tower war ein Treffen der Superlative. Alle Chefs im Silicon-Valley von Rang und Namen waren nach New York gereist. Auf der Gästeliste von Donald Trump standen unter anderem Apple-Chef Tim Cook, Facebook-Managerin Sheryl Sandberg, Amazon-Gründer Jeff Bazos und Tesla-Chef Elon Musk. Es war die geballte US-amerikanische Wirtschaftsmacht mit einem gesammelten Marktwert der Firmen von satten drei Billionen Dollar. Doch einer fehlte: Twitter-Chef Jack Dorsey.

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Twitter-Chef Jack Dorsey hat keinen Platz gehabt.

(Foto: REUTERS)

Dass ausgerechnet Trump, der Twitter als Pressekanal für seine Übergangsregierung benutzt und über 17 Millionen Followers zählt, Twitter vergessen haben sollte, fiel auf. Die US-amerikanische Zeitung "Politico" hält es für keinen Zufall. Sie spekuliert, dass der Emoji-Krieg zwischen Trump und Twitter vielmehr der Grund hierfür gewesen sein könnte. Trump hätte Twitter demnach absichtlich übergangen.

Twitter und Trump hatten im Wahlkampf einen heftigen Streit um ein sogenanntes Emoji-Piktogramm, ein kleines Zusatzbildchen, das Trump gerne haben wollte, aber nicht von Twitter bekam. Trump soll standardmäßig zu seinem Anti-Clinton-Hashtag #CrockedHillary ein Bildchen mit einer Hand, die eine Tasche voll Geld hält, bestellt haben. Twitter war angeblich zunächst einverstanden. Es war immerhin auch eine lukrative Geschäftsbeziehung.

Das Trump-Team hatte vor dem Wahlkampf einen Fünf-Millionen-Dollar-Deal mit Twitter abgeschlossen. Die Beziehung endete abrupt, als das Trump-Team seine Meinung änderte und ein anderes Bildchen in Auftrag gab - eine Figur, die mit Geld wegrennt. Ab hier eskalierte der Streit. Nach langem Hin und her lehnte Twitter diesen Auftrag ab. Und mehr noch. Der Konzern verbot gleich beide Versionen. Angeblich war es eine direkte Anweisung Dorseys.

Genau für diese Abfuhr soll sich Trump nun laut "Politico" bei seinem Friedenstreffen mit der Techbranche gerächt haben. Weder Twitter noch Trumps Team hatten den Emoji-Krieg irgendwann offiziell kommentiert. Nur ein Mitarbeiter aus Trumps Wahlkampfteam, der Direktor der Netzwerbung und Spenden, hat Details verbreitet. Die Frage, ob der Emoji-Krieg wirklich eine Rolle bei den Einladungen gespielt hat, Twitter nicht einzuladen, bleibt offen.

Die Größe des Tisches entscheidet

Das Trump-Team weist solche politisch motivierten Spekulationen weit von sich. Dass Twitter-Chef Dorsey nicht eingeladen war, soll vielmehr einen ganz banalen Grund gehabt haben. "Der Konferenztisch war nicht groß genug", lautete die Erklärung eines Trump-Sprechers auf die Nachfrage von MSNBC. Es gäbe viele Unternehmen und "wenn Sie die Liste der Top-Tech-Firmen runtergehen, garantiere ich Ihnen, dass Sie auch noch andere finden, die nicht da waren".

Zumal Trump nicht nur mit Twitter über Kreuz liegt. Streit gab es auch schon mit Apple und Amazon. Weil Apple bei den FBI-Ermittlungen zum Anschlag in San Bernadino nicht bei der Entschlüsselung eines iPhones helfen wollte, hatte Trump im Wahlkampf zum Boykott von Apple aufgerufen. Amazon und Trump haben ebenfalls ihre Differenzen. Trump hatte im Wahlkampf die Kartellwächter aufgefordert, gegen Amazon.com vorzugehen. Trotzdem waren beide Chefs eingeladen. Sowohl Cook als auch Bezos bekamen ein Ticket für den Trump Tower.

Doch die Freude darüber, dass sie es alle an Trumps Tafel geschafft hatten, hielt sich bei den Tech-Bossen sichtlich in Grenzen. Im Wahlkampf hatte Trump der Branche klar den Kampf angesagt. Auch wenn viele der Tech-Bosse bisher noch keine unangenehme Begegnung mit dem neuen starken Mann der USA hatten, erwarte sie doch, dass die Zeiten deutlich ungemütlicher werden als mit Vorgänger Obama.

Das Treffen war als Friedensangebot gedacht. Ein Anfang ist gemacht. Die Runde will sich künftig vierteljährlich treffen, um sich weiter anzunähern. Als Zückerchen versprach der künftige Präsident, für alle immer erreichbar zu sein. "Sie rufen meine Leute an, Sie rufen mich an. Das macht keinen Unterschied. Wir haben keine formelle Befehlskette." Einer hat davon jedoch erst einmal nichts. Ob es geschickt ist, ein Medium zu ignorieren, das 67 Millionen US-Amerikaner nutzen und noch sehr hilfreich sein könnt, ist fraglich. Vielleicht ist der Tisch das nächste Mal größer.

Quelle: ntv.de

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