Wirtschaft

Deutsche Bank im Krisenmodus Das Problem heißt Achleitner

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Cryan (l.) und Achleitner auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank im vergangenen Jahr.

(Foto: dpa)

Die Deutsche Bank ist der HSV der Finanzbranche. Immer wieder wird der ersehnte Neuanfang angekündigt. Und immer wieder folgt die bittere Enttäuschung. Und die Verantwortlichen? Werkeln munter weiter.

John Cryan muss gehen. Nach der Hälfte seiner Amtszeit ist offenbar entschieden, dass der Chef der Deutschen Bank seinen Job verliert und voraussichtlich durch Christian Sewing ersetzt wird. Damit ist Aufsichtsratschef Paul Achleitner grandios gescheitert. Konsequenterweise sollte er nun dringend seinen geordneten Rückzug in die Wege leiten.

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Sewing, der das Privatkundengeschäft verantwortet, ist keine schlechte Wahl. Ihm ist durchaus zuzutrauen, dass unter seiner Führung die Deutsche Bank gesundet. Doch mit Achleitner ist der dringend nötige Neuanfang ganz offensichtlich nicht möglich.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass er mit der Demontage Cryans und der Installation Sewings für die Wende sorgen will. Achleitner ist seit Sommer 2012 oberster Kontrolleur der Bank. Er hat Cryan geholt, er hat auch das krachend gescheiterte Duo Anshu Jain/Jürgen Fitschen mit zu verantworten. Während seiner Amtszeit ist der Aktienkurs der Bank um mehr als die Hälfte eingebrochen. Eine überzeugende Strategie? Fehlanzeige.

Dabei stellt sich die Frage, wieso Cryan eigentlich gehen muss. Er hat mit seiner nüchternen Art nach Kräften aufgeräumt und vor allen Dingen jede Menge teure Rechtsstreitigkeiten beendet, für die er nicht verantwortlich war. Doch kaum hatte er eine von seinen Vorgängern hinterlassene Altlast entsorgt, wurde eine neue Leiche im Keller entdeckt.

Ja, die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr den dritten Verlust in Folge erwirtschaftet. Ja, der Aktienkurs ist in seiner Amtszeit zusammengeschmolzen. Und ja, Grabenkämpfe und gegenseitige Schuldzuweisungen prägen das Bild. Wie muss es um die Bank bestellt sein, wenn IT-Chefin Kim Hammonds vom "dysfunktionalsten Unternehmen" spricht, in dem sie jemals gearbeitet habe? Und wenn Investmentbankern trotz mieser Performance Boni in Milliardenhöhe gezahlt werden, um sie zum Bleiben zu bewegen?

Damit nicht genug: Die Deutsche Bank hat außerdem nicht nur mit einem durch die zahllosen Skandale verursachten Image-, sondern auch mit einem Bedeutungsverlust zu kämpfen. Sewing, so er denn Cryan nachfolgt, steht vor einer gewaltigen Aufgabe, man kann ihm nur von Herzen gute Fahrt wünschen.

Der Bank fehlt eine klare Strategie

Doch bei aller berechtigten Kritik an Cryan: Es spricht wenig dafür, dass ein anderer Vorstandschef einen besseren Job gemacht hätte. Das Problem ist nicht etwa der Brite. Das Problem ist, dass der Deutschen Bank seit Jahren eine klare Strategie fehlt. Noch immer ist nicht entschieden, welche Rolle das Investmentbanking spielen soll, dem die Bank einen phänomenalen Aufstieg und einen spektakulären Absturz verdankt. In ihrer einstigen Paradedisziplin - dem Handel mit Anleihen und Devisen - läuft es überhaupt nicht rund.

Hinzu kommt, dass die Deutsche Bank auf dem Heimatmarkt immer unwichtiger wird. Im Privatkundengeschäft gibt es jede Menge Alternativen. Und die großen deutschen Konzerne wenden sich verstärkt an die Konkurrenz aus Frankreich und der Schweiz: Weder bei der Übernahme von Monsanto durch Bayer noch bei der Aufteilung von Innogy durch Eon und RWE spielte die Deutsche Bank eine Rolle. Das wäre früher undenkbar gewesen.

Mit anderen Worten: Das Geldhaus steckt knietief in der Krise. Der Rauswurf Cryans ändert daran nichts. Denn der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf.

Quelle: n-tv.de

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