Wirtschaft

Eigene Küchen und Warenlager Delivery Hero will deutschen Markt aufrollen

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Foodpanda ist bislang vor allem in Asien aktiv.

(Foto: REUTERS)

Der inzwischen zum Dax-Mitglied aufgestiegene Lieferkonzern Delivery Hero will wieder auf dem deutschen Markt angreifen, aber nicht mit einem simplen Essenslieferdienst. Das Unternehmen will unter anderem eigene Restaurants gründen und ein Netzwerk von Warenlagern aufbauen. Die Konkurrenz ist hart.

Rund zwei Jahre nach dem Verkauf seines Deutschland-Geschäfts will der Online-Lieferdienst Delivery Hero hierzulande wieder Fuß fassen. Unter der Marke Foodpanda würden ab Juni zunächst in Berlin nicht nur Restaurant-Essen, sondern auch Lebensmittel und andere Supermarkt-Produkte ausgeliefert, kündigte das in mehr als 50 Ländern aktive Unternehmen an. "Wir haben Deutschland immer im Auge behalten und sehen enorme Möglichkeiten, das Kundenerlebnis zu verbessern", sagte Foodpanda-Chef Artur Schreiber. Nach dem offiziellen Start am 10. August werde das Angebot auf weitere Städte ausgeweitet.

Der Lieferando-Eigner Takeaway.com ließ den Angriff nicht unbeantwortet und gab am Morgen bekannt, sein Lieferangebot ebenfalls auf Lebensmittel aus Supermärkten auszuweiten. In der Zeit der Abwesenheit von Delivery Hero hat sich Takeaway.com in Deutschland als Branchenprimus etabliert. Von Januar bis März kletterte die Zahl der Bestellungen angesichts geschlossener Restaurants hierzulande um 77 Prozent auf 39,2 Millionen. Das Unternehmen spricht von zwölf Millionen Kunden in der Bundesrepublik, die nun in 50 Städten über eine Art "Super-App" auch Lebensmittel bestellen können.

Damit konkurrieren Delivery Hero und Lieferando nicht mehr nur wieder miteinander, sondern auch mit rasant wachsenden Liefer-Startups wie Gorillas oder Flink, die auf großen Finanzpolstern sitzen und ebenfalls vom Online-Bestellboom in der Corona-Krise profitieren. Mit Blick auf den Lieferando-Eigner aus den Niederlanden sagte Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg im Gespräch mit Reuters: "Wir gehen davon aus, ein Produkt anbieten zu können, mit dem wir die Nummer eins langfristig herausfordern können."

Unterbietungswettbewerb bei Lieferzeit

Vor allem bei der Lieferzeit sind Kunden zuletzt anspruchsvoller geworden, wozu unter anderem Gorillas beitrug, das erst im März bei Investoren 244 Millionen Euro eingesammelt hat und mit Lieferungen innerhalb von zehn Minuten wirbt. Das will Östberg toppen und stellt sieben Minuten in Aussicht. Um das hinzukriegen, will er auch in Deutschland sogenannte Dmarts - kleine Lagerhäuser in der Innenstadt - errichten. Rund um den Globus betreibt das 2011 gegründete Unternehmen, das seit vergangenem Sommer Dax-Mitglied ist, bereits ein Netz von inzwischen 600 Dmarts. Zudem will Delivery Hero Partnerschaften mit lokalen Geschäften eingehen, Außer-Haus-Restaurants eröffnen und erwägt auch Mitgliedschaften.

Angesichts der hohen Investitionen schreibt Delivery Hero trotz eines starken Umsatzwachstums und zahlreicher Neukunden in der Corona-Krise seit vielen Quartalen rote Zahlen. Daran dürfte sich durch den Deutschland-Start nichts ändern, auch wenn Östberg zunächst keine Angaben zu den Investitionen machen will: "Wir gehen davon aus, jahrelang keinen Gewinn in Deutschland zu erzielen. Wir rechnen mit einem 10- bis 15-jährigen Investitionszeitraum, um an die Spitze zu gelangen." Die Margen in dem Geschäft seien "hauchdünn". Takeaway.com hingegen setzt sich das Ziel, durch Synergien mit dem bestehenden Logistiknetzwerk das Lebensmittelgeschäft "gewinnneutral" zu bestreiten.

Am Aktienmarkt kamen die kapitalintensiven Ankündigungen nicht gut an. Beide Papiere fielen mehr als zwei Prozent und Delivery Hero war größter Dax-Verlierer. Östberg geht davon aus, dass die Konkurrenz über die Zeit schrumpft. "Es wird sicher Gewinner und Verlierer geben." In den ersten zwei oder drei Jahren werde es wenig Konsolidierung geben, aber danach werde es zu einer Welle kommen. In der Essenslieferbranche ist vor allem Just Eat Takeaway mit Übernahmen aufgefallen. Kurz vor Ausbruch der Corona-Krise hatten die Niederländer für 7,8 Milliarden Dollar den britischen Wettbewerber Just Eat übernommen und peilen nun die 7,3 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Grubhub in den USA an. Für das Deutschland-Geschäft hatten sie nur rund eine Milliarde Euro auf den Tisch legen müssen.

Quelle: ntv.de, mbo/rts

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