Wirtschaft

Cryan setzt die Axt an Der Kahlschlag ist erst der Anfang

Der neue Chef stutzt die Deutsche Bank zurecht. John Cryan bleibt keine andere Wahl. So radikal der Brite auch vorgeht, er hat noch viel zu tun.

Tausende Arbeitsplätze fallen weg, Filialen schließen, die Dividende wird gestrichen: Mangelnde Konsequenz muss sich Deutsche-Bank-Chef John Cryan wahrlich nicht vorwerfen lassen. Er entsorgt zudem personelle Altlasten, die für die zahlreichen Skandale und Affären verantwortlich sind. Es wurde allerhöchste Zeit.

Cryan gibt den Machiavelli und befolgt dessen Ratschlag, die nötigen Grausamkeiten am Anfang der Herrschaft zu begehen. Das ist bei der Deutschen Bank ein durchaus ambitioniertes Vorhaben, schließlich gibt es an sehr vielen Stellen dringenden Handlungsbedarf. Egal, wie konsequent Cryan auch aufräumt. Die Sünden der Vergangenheit werden ihn auch künftig heimsuchen.

Was nichts daran ändert: Es ist richtig, dass der Brite endlich angemessene Konsequenzen zieht. Viel zu lange hat sich Deutsche Bank davor gedrückt. Sie machte tatsächlich Anshu Jain zum Co-Chef und bewies damit zumindest einen feinen Sinn für Ironie. Der oberste Investmentbanker sollte die Skandale aufarbeiten, die Konsequenzen ziehen und den postulierten Kulturwandel umsetzen?

Diese Idee musste krachend scheitern. Jain hat die Bank mittlerweile verlassen, Co-Chef Jürgen Fitschen folgt nach einer Anstandsfrist im Mai kommenden Jahres. Derweil sorgt Cryan dafür, dass Top-Manager gehen, die das Desaster zu verantworten haben – zumeist Gefolgsleute Jains.

Sie haben Cryan ein schweres Erbe hinterlassen: Betrug mit Ramschhypotheken, Bilanztricks, Zinsskandal oder Devisenschummel – die Folgen kosten die Bank Milliarden. Ein nachhaltiges Geschäftsmodell sieht anders aus.

Nun holt Cryan zum Befreiungsschlag aus, der als veritabler Rundumschlag daherkommt. So radikal er die Bank auch zurechtstutzt, das kann alles nur der Anfang sein. Der Kulturwandel hat gerade erst begonnen. Oder wie es Cryan ausdrückt: "Wir wissen sehr genau, wohin wir wollen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind zahlreiche Strategien und Ziele verkündet wurden, aber selten wurden sie konsequent realisiert." Damit watschte er sowohl Jain als auch Fitschen ab und versprach: Ziel sei es, dass sich die Deutsche Bank auf ihre Tugenden besinne.

Das ist ein weiter Weg. An der Wall Street in New York gilt nicht etwa Goldman Sachs als Verkörperung des kompromisslosesten Wild-West-Bankings, sondern die Deutsche Bank. Und das will etwas heißen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.