Wirtschaft

Thomas Cooks Weg in den Ruin Der Niedergang des Reisedinos

imago90800741h.jpg

Thomas Cook hat nach 178 Jahren keine Antwort auf den aktuellen Wandel der Reisebranche.

(Foto: imago images / Rene Traut)

Nicht das erste Mal steht Thomas Cook am Abgrund. Doch diesmal ist wirklich Schluss. Der älteste Tourismuskonzern der Welt, der seit dem 19. Jahrhundert die Reiseindustrie vorantrieb, hat den Anschluss an die neuen Vorreiter der Branche verloren.

Am Ende ist es der britische Regierungschef, der das Aus von Thomas Cook, des ältesten Tourismuskonzerns der Welt besiegelt. Diesmal ist die Pleite des Unternehmens, das in seiner 178-jährigen Geschichte schon mehrfach am Abgrund stand, wohl endgültig. Mit 200 Millionen Pfund (226 Millionen Euro) aus dem Staatshaushalt hätte Boris Johnson einen Deal der Großaktionäre und Gläubiger zur Rettung von Thomas Cook sichern können. Doch der Premierminister lehnt ab, Thomas Cook stellt umgehend den Betrieb ein. Mehrere Hunderttausend Reisende sitzen an ihren Urlaubsorten fest. 9000 Angestellte allein in Großbritannien stehen vor der Arbeitslosigkeit.

Zwar hätte Johnson die Pleite kurzfristig abwenden können. Ob das den Reiseveranstalter langfristig hätte retten können, ist jedoch zweifelhaft. Denn die ungelösten Probleme bei Thomas Cook haben sich teils seit Jahrzehnten angestaut, und eine Lösung wäre auch mit frischem Geld nicht in Sicht. Da ist zunächst der riesige Schuldenberg, der großteils durch die Übernahme des britischen Konkurrenten MyTravel 2007 entstand.

Diese unter der Führung des damaligen deutschen Eigners KarstadtQuelle durchgeführte Fusion ging gründlich schief. Statt gigantischer Kosteneinsparungen durch Synergieeffekte türmten sich in den Folgejahren immer neue Schulden auf. 2011 konnte Thomas Cook noch einmal vor der Pleite gerettet werden, die Schuldenlast sank jedoch langfristig nicht. Britischen Medien zufolge zahlte der Konzern seit 2012 rund 1,2 Milliarden Pfund nur für Zinsen auf seinen Schuldenberg, etwa ein Viertel des gesamten Geschäfts diente zuletzt nur dem Schuldendienst.  "Wir müssen jedes Jahr drei Millionen Reisen verkaufen, allein bis wir die Zinslast bezahlt haben", sagte Thomas-Cook-Chef Peter Fankenhauser kürzlich.

Hedgefonds blockierten Rettung

Die Schuldenlast sollte durch den nun gescheiterten Deal gelindert werden. Der chinesische Großinvestor Fosun hätte bis zu 900 Millionen Pfund investieren und die Mehrheit an der Muttergesellschaft Thomas Cook übernehmen sollen. Banken hätten auf ihre Forderungen von rund 1,7 Milliarden Pfund verzichten sollen, viele Gläubiger sollten ganz leer ausgehen. Wie aber unter anderem der Finanznachrichtendienst "Bloomberg" berichtet, drohten diese Schuldenerleichtungen am Einspruch einiger Hedgefonds unter den Gläubigern zu scheitern. Denn die hatten die Thomas-Cook-Schulden in ihrem Besitz mit Credit Default Swaps abgesichert. Das sind Finanzpapiere ähnlich einer Versicherung gegen die Pleite eines Schuldners. Allerdings war bis zuletzt unklar, ob der mit Fosun und den Banken vereinbarte Deal formell eine Insolvenz laut den Bedingungen der Credit Default Swaps dargestellt und zu einer Auszahlung an die Hedgefonds geführt hätte. Einige Fonds blockierten offenbar den Rettungsplan und setzten lieber auf das komplette Aus des Unternehmens, damit sie nicht leer ausgehen. Weder Boris Johnson noch Großaktionär Fosun waren offenbar bereit, mehr Geld zuzuschießen, um das Risiko der Hedgefonds auszugleichen.

Zudem hätte der teure Rettungsplan wenig geholfen, das Geschäftsmodell von Thomas Cook zukunftsfähig zu machen. Der Reiseveranstalter hat es in den vergangenen Jahrzehnten nicht geschafft, eine Antwort auf die Konkurrenz durch Billigairlines und Internetanbieter zu finden. Obwohl jüngere Generationen ihre Reisen inzwischen nahezu ausschließlich im Internet buchen, betreibt Thomas Cook immer noch rund 500 teure Filialen in ganz Großbritannien. Plattformen wie booking.com, Airbnb und auch das deutsche Startup Getyourguide dringen immer weiter in das Kerngeschäft der klassischen Reiseveranstalter vor. Als reine Onlineanbieter mit einem Bruchteil an festen Kosten bieten die neuen Konkurrenten individuelle Reisebausteine und längst auch Rundumangebote vom Flug über Übernachtungen bis zu kompletten, geführten Abenteuerreisen.

Brexit und Klimawandel als Sargnägel

Seit den 1840- Jahren hatte Thomas Cook sein Geschäftsmodell mehrfach grundlegend geändert, von bescheidenen Anfängen mit Reisen zu Treffen der Abstinenzlerbewegung in England über die ersten internationalen Pauschalreisen zu Zielen in Europa und Übersee bis hin zum Organisator des modernen Massentourismus unter anderem mit eigenen Hotelketten und Fluglinien. Doch auf die Abwanderung der Kunden zu den Billigfliegern und Internetplattformen fand der Urvater der Reisekonzerne keine Antwort mehr.

Selbst die infolge dieser Entwicklung bereits schlechten Erwartungen ans Geschäft konnte Thomas Cook zuletzt nicht mehr erfüllen. Zwei neue Bedrohungen kamen hinzu: Der Klimawandel und der Brexit. 2018 ließen die Rekordtemperaturen in Großbritannien und ganz Mitteleuropa die Buchungen einbrechen. Denn je heißer das Wetter in der Heimat, desto weniger zieht es die Urlauber in die Sonne am Mittelmeer. Das bedeutet angesichts des Klimawandels langfristig nichts Gutes für das Kerngeschäft von Thomas Cook & Co. In den vergangenen Monaten hielt zudem das Hin und Her um den Brexit viele Briten davon ab, teure Urlaubsreisen ins Ausland zu buchen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema