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Hat die Bank Händler im Griff? Derivate-Alarm bei Deutscher Bank

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Händler machen Deutsche-Bank-Chef John Cryan (links) mal wieder Ärger. Auch der Aufsichtsrat um Paul Achleitner ist alarmiert.

picture alliance / Boris Roessle

Geldwäsche in Russland, Devisenhandel, frisierte Bilanzen: Die Deutsche Bank muss ihre Risikokontrollen verschärfen. Doch nun weckt ein mögliches Millionenloch aus Derivate-Deals neue Zweifel, ob sie die Trader an die Kandarre gelegt hat.

Die Deutsche Bank könnte bei Finanzwetten auf die US-Inflation laut Insidern bis zu 60 Millionen Dollar verlieren, berichtet die Finanzagentur "Bloomberg". Die Bank hat die Derivate-Deals offenbar nicht auf eigene Rechnung abgeschlossen, sondern um Geschäfte von Kunden abzusichern. Derzeit wird aber geprüft, ob einzelne Händler bei den Geschäften ihre Risikolimits überschritten haben, sagte eine mit der Sache vertraute Person. Anzeichen für kriminelles Verhalten gebe es bislang nicht. Auch der Aufsichtsrat soll sich bereits mit den Geschäften befasst haben.

"Wenn es stimmt, dass ein einzelnes Geschäft bei der Deutschen Bank so einen Verlust verursachen kann, wäre das ein klarer Rückschlag für die Anstrengungen von Deutsche-Bank-Chef John Cryan, die Kontrollen zu verbessern", sagte NordLB-Analyst Michael Seufert. "Er hat versprochen, solches Kontrollversagen zu beenden." Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab.

Nach einer Reihe von Skandalen muss die Deutsche Bank ihre internen Risikokontrollen straffen. Ihre Händler waren in der Vergangenheit immer wieder wegen dubioser Geschäfte ins Visier der Justiz geraten. Eine lange Kette von Skandalen geht auf laxe Kontrollen von Händlern und Mitarbeitern zurück. Angesichts der neuen Derivate-Deals ist fraglich, ob die Anstrengungen ausreichen.

Erst im April verdonnerte die US-Notenbank Fed das Geldhaus wegen "unsolider Geschäftspraktiken" im Devisen- und Eigenhandel zu einer Strafe von rund 157 Millionen Dollar. Die Bank habe nicht bemerkt, dass ihre Händler sich über Chatrooms mit der Konkurrenz über ihre Positionen ausgetauscht hätten, hieß es zur Begründung. Zudem habe sie gegen die Volcker-Regel verstoßen, laut der Geschäfte auf eigene und fremde Rechnung strikt voneinander getrennt laufen müssen. Die internen Kontrollprozesse hätten nicht ausgereicht, um unerlaubte Trades im Eigenhandel aufzuspüren.

Geldwäsche für Putin-Vertraute in Moskau

Noch schwerer wiegen für die Deutsche Bank die Nachwehen des Geldwäsche-Skandals in Russland. Die britische und die New Yorker Finanzaufsicht verdonnerten das Geldhaus deswegen im Januar zu rund 600 Millionen Euro Strafe. Auch die US-Notenbank brummte dem Institut wegen der Affäre schließlich eine Geldbuße von 41 Millionen Dollar auf.

Die Deutsche Bank hatte zwielichtigen russischen Kunden zwischen 2011 und 2015 geholfen, rund 10 Milliarden Dollar über London und New York ins Ausland zu schleusen und so heimlich westliche Sanktionen gegen Russland zu umgehen. Über "Spiegelgeschäfte" wurden dabei in Moskau russische Aktien in Rubel gekauft und kurz darauf zum gleichen Preis in London wieder verkauft, oft sogar mit Verlust. Die Geschäfte hatten keinen wirtschaftlichen Sinn - außer Rubel in Dollar zu verwandeln. Das Geld floss auf Offshore-Konten in Zypern und den Britischen Jungferninseln. Unter den Auftraggebern der Doppelbuchungen sollen ein Verwandter von Wladimir Putin und die Oligarchen Arkadi und Boris Rotenberg gewesen sein, Milliardäre und engste Vertraute des russischen Präsidenten.

Im Zuge der Affäre monierten die Aufseher "ernsthafte Compliance-Verstöße" bei der Bank. Orchestriert wurde die Geldwäsche von einem Team korrupter Händler in Moskau, das "ohne effektive Überwachung oder Compliance-Prüfung in London" agierte. Die Deutsche Bank und ihre Händler verdienten gut an den Provisionen, die bei den sogenannten Mirror-Trades anfielen. Einer soll zudem Bestechungsgelder von fast vier Millionen Dollar kassiert haben.

Die mangelnde Kontrolle von Mitarbeitern kostete die Bank 2015 auch an anderer Stelle. Die US-Börsenaufsicht SEC einigte sich mit dem Institut auf einen Ablass von 55 Millionen Dollar, weil das Geldhaus in der Hochphase der Finanzkrise Risiken aus Kreditderivaten kleingerechnet und so seine Bilanzen geschönt hatte. Ins Rollen gebracht hatten den Skandal schon 2010 Whistleblower wie der Risikomanager Eric Ben-Artzi. Bald dürfte klar sein, ob die Kontrolleure bei den Finanzwetten auf die US-Inflation genauso wachsam waren.

Quelle: n-tv.de

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