Wirtschaft

US-Druck zeigt Wirkung Deutsch-iranischer Handel knickt ein

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Deutschland exportiert im Vergleich zum Vorjahr 52,6 Prozent weniger Güter in den Iran.

(Foto: dpa)

Jahrelang liegen die Wirtschaftsbeziehungen zum Iran brach. Nach dem Atomabkommen von 2015 entdecken deutsche Firmen den Markt für sich. Doch die neusten Drohungen aus den USA bringen die Unternehmen in eine brenzlige Lage.

Der Handel zwischen Deutschland und dem Iran ist drastisch eingebrochen. Die deutschen Exporte in den Iran seien im Januar und Februar gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 52,6 Prozent auf rund 223 Millionen Euro geschrumpft, berichtete die Funke Mediengruppe unter Berufung auf Berechnungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Die Importe aus dem Iran seien um 42,2 Prozent auf rund 41 Millionen Euro gesunken.

Bereits 2018 gingen demnach die Ausfuhren von Deutschland in den Iran im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf ein Gesamtvolumen von 2,71 Milliarden Euro zurück. Die USA hatten nach ihrem einseitigen Rückzug aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran im Mai 2018 Wirtschaftssanktionen gegen den Iran wieder eingeführt. Ausländischen Investoren drohte die US-Regierung. Sollten sie ihre Geschäfte im Iran nicht einstellen, soll ihnen der US-Markt verschlossen bleiben.

"Der Markt im Iran ist wegen der US-Sanktionen und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Land extrem schwierig", sagte die Geschäftsführerin der Außenhandelskammer im Iran, Dagmar von Bohnstein. Derzeit hätten noch rund 60 deutsche Firmen eine Vertretung im Iran. Das entspricht etwa der Hälfte im Vergleich zu der Zeit, als das Atomabkommen 2015 beschlossen wurde und Anfang 2016 in Kraft trat. Fast alle deutschen Unternehmen hätten ihr Personal vor Ort deutlich reduziert.

"Aber deutsche Firmen haben nach wir vor großes Interesse am iranischen Markt, der ein beträchtliches Potenzial bietet", fügte von Bohnstein hinzu. Insbesondere Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau, in der Chemie- und in der Nahrungsmittelindustrie sähen große Chancen. "Der Iran ist allerdings kein Markt für Anfänger. Wichtiger Erfolgsfaktor ist Beständigkeit und eine langfristige Ausrichtung der Geschäfte", sagte von Bohnstein.

Iran setzt Frist für Ausstieg

Der Iran droht damit, nach Ablauf einer 60-Tages-Frist den Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen einzuleiten. Grund ist, dass wegen US-Sanktionsdrohungen kaum noch ausländische Unternehmen mit dem Land Geschäfte machen wollen. Dem Iran war für den Verzicht auf sein Atomprogramm allerdings die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen versprochen worden.

Die US-Regierung fährt seit Längerem einen Kurs der Härte gegenüber der Führung in Teheran. Die USA hatten sich im vergangenen Jahr im Alleingang aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran zurückgezogen. Mit dem Ausstieg der Amerikaner ging einher, dass ausgesetzte Sanktionen seither schrittweise wieder in Kraft traten. Die USA wollen den Iran so zwingen, das Atomabkommen neu zu verhandeln.

Quelle: n-tv.de, lou/AFP/dpa

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