Wirtschaft
Die Deutsche Bank komme bei den nötigen Veränderungen "Schritt für Schritt voran", sagt Deutsche Bank-Chef Cryan.
Die Deutsche Bank komme bei den nötigen Veränderungen "Schritt für Schritt voran", sagt Deutsche Bank-Chef Cryan.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 28. März 2018

"Kein Dissens": Deutsche Bank-Chef Cryan will bleiben

Gerüchte über einen Führungswechsel bei Deutschlands größter Bank? Alle falsch, sagt Deutsche-Bank-Chef Cryan. Mit ganzer Kraft will er sich für die Bank einsetzen. Die Debatte platzt mitten in deren Sanierung - und bringt die Aktie weiter auf Talfahrt.

Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, hat Gerüchten über seine bevorstehende Ablösung widersprochen. Cryan wandte sich mit einer kämpferischen Botschaft an die Belegschaft. Darin versichert er, "dass ich mich weiterhin mit all meiner Kraft für die Bank einsetze und gemeinsam mit Ihnen den Weg weiter gehen möchte, den wir vor rund drei Jahren angetreten haben".

Video

Cryan wandte sich gegen Berichte, wonach es zwischen ihm und Aufsichtsratschef Paul Achleitner Differenzen über den Kurs gebe. "Wir müssen uns weiter darauf konzentrieren, unsere mit dem Aufsichtsrat abgestimmte Strategie umzusetzen. Hier gibt es keinen Dissens", schrieb der Brite. Cryans Vertrag läuft regulär bis 2020.

Vor kurzem waren Gerüchte hochgekocht, dass die Bank angesichts von drei Verlustjahren nacheinander bereits einen Nachfolger für Cryan suche. Die britische "Times" berichtet, der Europachef der US-Bank Goldman Sachs, Richard Gnodde, sei angesprochen worden, habe aber abgelehnt. Außerdem hätte die Bank die Chefs von Unicredit, Jean-Pierre Mustier, oder Standard Chartred, Bill Winters, in Erwägung gezogen.

Der SPD-Wirtschaftspolitiker Bernd Westphal nannte die Situation bei der Deutschen Bank "alles andere als positiv". Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion sagte: "Das Management der Deutschen Bank muss seinen Job machen, für den es bezahlt wird. Wer 2,3 Milliarden Euro Boni ausschüttet, muss auch liefern."

Führungsdebatte kommt zur Unzeit

Die Führungsdebatte kommt aus Sicht des Bankenexperten Hans-Peter Burghof zur Unzeit. Die Sanierung sei noch nicht abgeschlossen, sagte Burghof. Ein möglicher Cryan-Nachfolger müsste eigentlich die Mitarbeiter motivieren und ihnen eine Perspektive bieten. "Doch dazu sind im Moment noch zu viele Baustellen offen."

Cryan hatte in der Bank eine massive Umstrukturierung eingeleitet. Jüngster Schritt war der Börsengang der hauseigenen Vermögensverwaltung DWS. Außerdem hatte er zahlreiche internationale Rechtsstreitigkeiten geerbt, die zu Milliardenstrafen und Kompensationszahlungen führten. Cryan deutete an, dass es in den nächsten Monaten gute Nachrichten zur Integration der Postbank in das Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank geben werde.

Die Unsicherheit über die Entwicklung bei der Deutschen Bank spiegelt sich auch im Aktienkurs wider: Allein seit Jahresbeginn hat das Papier schon 30 Prozent an Wert verloren. Und auch am Mittwoch ging es abwärts.

Quelle: n-tv.de