Wirtschaft

Hoher Gewinn - viele Aufgaben Deutsche-Bank-Chef grummelt

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Gewinn verdreifacht - und noch immer etliche Baustellen. Die Deutsche Bank hat weiter viel Arbeit.

(Foto: picture alliance / dpa)

Auf den ersten Blick liefert neue Vorstandschef der Deutschen Bank hervorragende Zahlen. Doch von seinen Vorgängern hat John Cryan zahlreiche Aufgaben geerbt. Und die will der Brite nun humorlos angehen.

Die Deutsche Bank hat ihren Aufwärtstrend im Tagesgeschäft fortgesetzt. Ein Gewinnsprung im zweiten Quartal versüßt John Cryan den Start als Vorstandschef. Doch Euphorie soll gar nicht erst aufkommen: Die Bank müsse effizienter werden, sagte der Brite. Die Kosten seien "inakzeptabel" hoch. Alle Länder, Geschäftsfelder, Produkte und Geschäftsbeziehungen, die sich nicht rechneten, stehen auf dem Prüfstand. Der Weg soll weg von "verschwenderisch hohen Kosten" zu "attraktiven Erträgen für die Aktionäre" führen.

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Für den erst im Juli inthronisierten früheren UBS-Banker geht es darum, die Probleme der Vergangenheit in den Griff zu bekommen. Dazu zählen in erster Linie die vielen Prozesse. Auch in den Vorstandsetagen anderer europäischen Banken weht ein frischer Wind. Im Juli wurden neben der Deutschen Bank auch bei Credit Suisse und Barclays neue Vorstandschefs ernannt.

Gewinn verdreifacht

Im zweiten Jahresviertel per Ende Juni hat die Deutsche Bank den Nettogewinn von 237 Millionen auf 796 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Allerdings hatten Analysten mit 842 Millionen Euro etwas mehr erwartet. Der Gewinnsprung kam neben einem starken operativen Geschäft auch dank einer niedrigeren Steuerabgabe zustande. Im Vorjahr war die Steuerabgabe höher ausgefallen, weil die sehr hohen Rechtskosten nicht steuerabzugsfähig waren. Im zweiten Quartal betrugen die Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten 1,2 Milliarden Euro. Die Rückstellungen für Rechtsstreitereien betrugen zum Quartalsende 3,8 Milliarden Euro.

Im Investmentbanking stiegen die Erträge dank der hohen Marktschwankungen und günstigen Wechselkursentwicklungen um fast ein Viertel. Im Privatkundengeschäft trat die Bank mit einem Ertragsanstieg auf der Stelle. Im Global Transaction Banking verbuchte die Bank ein Ertragsplus von elf Prozent und in der Vermögensverwaltung von einem Viertel.

Die Leverage Ratio verbesserte sich um 20 Basispunkte auf 3,6 Prozent - ist damit aber noch ein gutes Stück von der Zielmarke bei 5 Prozent entfernt. Die Verschuldungsquote ist für Banken sehr wichtig geworden, da Regulierer hierauf ein besonderes Augenmerk haben. Je stärker eine Bank ihre Bilanz hebelt, um auf Pump Geschäfte zu machen, desto anfälliger ist sie für eine Schieflage. Das harte Kernkapital (CET1) verbesserte sich um 30 Basispunkte auf 11,4 Prozent und ist damit auf einem guten Niveau.

Markt nickt anerkennend

Im Vergleich zu den Wettbewerbern schneidet die Deutsche Bank gut ab. Die US-amerikanische Bank JP Morgan hatte den Gewinn dank Kostensenkungen und eines starken Übernahmegeschäfts leicht erhöht. Allerdings waren die Einnahmen im Handel gesunken. Die britische Barclays hatte die Erwartungen übertroffen.

Am Markt kamen die Zahlen gut an. Bei den Kosten für Rechtsstreitigkeiten war mit mehr als dem Doppelten gerechnet worden, sagte ein Händler. Die Gewinnqualität sei daher wesentlich höher als auf den ersten Blick ersichtlich. Händler lobten auch die erhöhte Eigenkapitalrendite und das angekündigte Sparprogramm. Die Aktie steigt zu Handelsbeginn um 3,1 Prozent.

Quelle: ntv.de, mbo/AFP/dpa/DJ