Wirtschaft

Zitterblicke an der Börse Deutsche Bank wechselt den Chef

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Neue Zeitrechnung bei der Deutschen Bank: John Cryan (l.) geht, Aufsichtsratschef Paul Achleitner gibt seinen Nachfolger bekannt.

(Foto: picture alliance / Boris Roessle)

Paukenschlag bei der Deutschen Bank: Konzernchef Cryan tritt mit sofortiger Wirkung von seinem Posten an der Spitze des Dax-Konzerns zurück. Der neue Mann heißt Christian Sewing. Nervös warten Analysten auf den Wochenauftakt an der Börse. Wie wird die Masse der Anleger reagieren?

Der Wechsel an der Spitze der Deutschen Bank kam unerwartet schnell: Am Morgen nach der Weichenstellung im Aufsichtsrat des größten privaten Kreditinstituts des Landes warten Börsianer angespannt auf die Reaktion an den Märkten. Die Stimmung dort könnte günstiger sein: Im späten Handel vor dem Wochenende war der Dow-Jones-Index unter die Marke von 24.000 Punkten gefallen.

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Die Entscheidung zum Chefwechsel bei der Deutschen Bank fiel am späten Sonntagabend: Hinter verschlossenen Türen im Aufsichtsrat hatte das Kontrollgremium unter der Leitung von Aufsichtsratschef Paul Achleitner die Ablösung des glücklosen Vorstandschefs mit sofortiger Wirkung beschlossen. Der bisher für das Privatkundengeschäft zuständige Vizechef Christian Sewing übernimmt den Posten von John Cryan. Der Führungswechsel ist eng mit den Bemühungen verbunden, das milliardenschwere Geldhaus neu auszurichten.

Scharfe Blicke auf den Aktienkurs

Ein wichtiger Grund für Cryans Abberufung war Branchenkennern zufolge die zögerliche Entwicklung der Deutschen Bank, erkennbar unter anderem auch am schwachen Aktienkurs. Der Börsenkurs der Deutschen Bank hat allein seit Jahresbeginn mehr als ein Viertel an Wert verloren. Gespannt warten die Investoren nun, wie der Markt bei Börseneröffnung die Personalie aufnimmt.

Zum Handelsschluss am Freitag war noch nicht absehbar, dass es am Montagmorgen einen neuen Vorstandsvorsitzenden geben wird. Bis zuletzt kursierten lediglich Gerüchte über eine mögliche Ablösung, die Cryan allerdings wiederholt als haltlos zurückgewiesen hatte.

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Hausgewächs: Christian Sewing ist seit 25 Jahren bei der Deutschen Bank.

(Foto: imago/Rainer Unkel)

Seit Sonntagabend ist klar: Der neue Chef der Deutschen Bank heißt Sewing. "Christian Sewing hat in seinen mehr als 25 Jahren bei der Deutschen Bank konstant bewiesen, dass er führungsstark ist und eine große Durchsetzungskraft hat", erklärte Aufsichtsratschef Achleitner nach der mehrstündigen Sitzung vom Sonntagabend.

"Endlich Wachstum"

Sewing müsse nun "neue Akzente setzen, damit die Bank endlich zu profitablem Wachstum zurückfindet", meinte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment. Er müsse nun dringend wieder Ruhe in die Bank bringen. Der 47-jährige Sewing verbrachte sein Berufsleben fast ausschließlich bei der Deutschen Bank. Sein Weg führte ihn von einer Banklehre bis in den Vorstand des Instituts, dem er seit 2015 angehört. Er leitete dort zusammen mit dem langjährigen Postbank-Chef Frank Strauß das Privat- und Firmenkundengeschäft. Dieses wird Strauß künftig alleine lenken.

Sewing war bislang einer von zwei Vizechefs. "Der Aufsichtsrat ist überzeugt, dass es ihm und seinem Team gelingen wird, die Deutsche Bank erfolgreich in eine neue Ära zu führen", wird Achleitner in der Mitteilung zum Wechsel zitiert. Rechtsvorstand Karl von Rohr und der Kapitalmarktvorstand Garth Ritchie rücken auf die Posten der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden vor.

Marcus Schenck bleibt außen vor

Ritchie wird zudem alleiniger Chef des Kapitalmarkt-Geschäfts. Dieses führt er bislang zusammen mit Marcus Schenck, dem aktuell zweiten Vizechef der Deutschen Bank. Schenck wird die Bank nun zur Hauptversammlung im Mai verlassen. Der bisherige Bankchef Cryan verlässt die Bank endgültig bereits Ende April.

Damit endet Cryans Amtszeit an der Spitze der Deutschen Bank nach nicht einmal drei Jahren. Auf dem Führungsposten des Dax-Konzerns hatte er zwar viele gefährliche Rechtsstreitigkeiten aus den Zeiten der Finanzkrise erledigen und das dünn gewordene Kapitalpolster kräftig aufstocken können. Es war ihm aber nicht gelungen, das schwächelnde Kapitalmarktgeschäft anzukurbeln - den einstigen Gewinnbringer. Drei Jahre in Folge schrieb die Bank tiefrote Zahlen.

Cryan war nur drei Jahre Chef

Aufsichtsratschef Achleitner ließ mitteilen, der Aufsichtsrat sei nach einer umfassenden Analyse zum Schluss gekommen, "dass es nun eine neue Umsetzungskraft in der Führung unserer Bank braucht". Achleitner hatte den als Sanierer geschätzten ehemaligen UBS-Finanzchef Cryan zur Deutschen Bank geholt.

Zuletzt galt das Verhältnis zwischen den beiden aber als zerrüttet. Vor Ostern hatte sich der Brite noch mit einer kämpferischen Botschaft an die Belegschaft gewandt und damit klargemacht, dass er bleiben will. Der Vertrag des Briten liefe regulär bis 2020. Investoren haben dem Briten oft vorgeworfen, er sei zwar ein Kostensparer, habe aber keine Vision, wie die Deutsche Bank wieder Geld verdienen könne.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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