Wirtschaft

"Kein Geld für Rechts" Deutsche Firmen boykottieren Breitbart

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Unter dem ehemaligen Chefredakteur Steve Bannon wurde Breitbart laut Kritikern zu "Trumpbart".

(Foto: Screenshot/n-tv.de)

Kritiker bezeichnen das US-Nachrichtenportal Breitbart News als "Kloake der Altrechten" - andere feiern es als Medienorgan fernab des Mainstream. Fakt ist: Das Medium will auch in Deutschland Fuß fassen. Doch deutsche Werbetreibende gehen auf die Barrikaden.

Der US-amerikanischen Nachrichtenseite Breitbart News schlägt ein rauer Wind entgegen - nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern mittlerweile auch in Deutschland. Immer mehr große Werbekunden wenden sich von dem Portal ab, das mit fremden- und islamfeindlichen Inhalten in die Kritik geraten ist. Seitdem der Lebensmittelkonzern Kellogg's in den USA angekündigt hat, keine Anzeigen mehr bei Breitbart schalten zu wollen, folgen auch immer mehr deutsche Firmen - darunter laut dem britischen "Guardian" der Münchner Autobauer BMW, aber auch E.On, Beiersdorf mit der Marke Nivea und die Deutsche Bahn. Für Breitbart könnte das vielleicht nicht zu einer Existenzfrage, aber doch zu einem ernsthaften Problem werden. Denn auch die rechtskonservative Plattform finanziert sich in Teilen über Werbekunden - und holt nun bereits zum Gegenschlag aus.

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Der ehemalige Chefredakteur und neue Trump-Berater Steve Bannon.

(Foto: AP)

Im Fokus steht Breitbart vor allem, seit der künftige US-Präsident Donald Trump den ehemaligen Chefredakteur, Steven Bannon, erst zu seinem Wahlkampfmanager und dann zum Chefberater im Weißen Haus gemacht hat. Bannon gilt als ultrakonservativ, soll Kontakte zur rechtsextremen "Alt Right"-Bewegung unterhalten und antisemitische Ansichten vertreten. "Es ist eine Überraschung, dass Trump Bannon so öffentlich umarmt - ein Mann, der mitgeholfen hat, eine klassische konservative Webseite zu einer Kloake der Altrechten zu machen", schrieb Ex-Breitbart-Mitarbeiter Ben Shapiro über die Verbindung. Andererseits war Breitbart eine der wenigen Seiten, die sich sehr früh im Wahlkampf klar hinter Trump gestellt hatte.

Nachdem Bannon, wohl auch deshalb, in den Trump Tower berufen wurde, hat nun Alex Marlow die Leitung der Redaktion übernommen - und kündigte schon im September an, mit Breitbart auch nach Deutschland kommen zu wollen, "vor allem wegen der Migrationskrise". Es würden bereits Gespräche geführt mit Journalisten, die bereit seien, im kommenden Wahljahr 2017 gezielt über rechtskonservative Parteien zu berichten, schreibt der "Guardian". Der Hamburger Werber Philipp Ciba will dem Portal aber schon vorm Start den Wind aus den Segeln nehmen. Ciba hat über die gängigsten Social-Media-Kanäle Kontakt zu diversen Unternehmen aufgenommen, die Anzeigen bei Breitbart veröffentlicht hatten - wohlgemerkt ohne ihr Wissen. Doch wie geht das?

Breitbart auf der Blacklist

In der Regel beauftragen diese Firmen externe Dienstleister, die selbstständig Werbeanzeigen auf verschiedenen Nachrichtenseiten integrieren. So kommt es vor, dass ein Unternehmen gar keinen Überblick darüber hat, auf welchen Seiten es für die eigenen Produkte wirbt. Ähnlich war es offenbar bei Ebay. In einer Erklärung an Ciba teilte der Konzern mit, man stehe für "Vielfalt, Toleranz und Gleichheit". "Daher haben wir mit unseren Partnern genau vereinbart, auf welchen Seiten wir werben. Diese Regeln beinhalten unter anderem, dass wir unsere Werbung nicht auf extremistischen Seiten platzieren. Leider haben unsere Mechanismen in diesem Fall nicht gegriffen."

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Breitbart ruft nun selbst zum Boykott von Kellogg's-Produkten auf.

(Foto: Screenshot/breitbart.com)

Dem Fachmagazin "W&V" sagte Ciba, er sei überrascht gewesen über die "schnelle und unbürokratische Einsicht" der von ihm kontaktierten Unternehmen. Viele haben Breitbart mittlerweile auf ihre "Blacklist" gesetzt - und damit künftig Werbung auf dem Portal unterbunden. Den Vorwurf, durch die Boykott-Aktion ein freies Medium anzugreifen, weist der Werbefachmann zurück. "Marken sind in der Regel keine öffentlichen Institutionen und können somit selbst evaluieren, in welchem Umfeld sie werben", so Ciba. "Das Recht auf freie Meinungsäußerung bleibt dabei natürlich unangetastet."

Kellogg's auf dem Kieker

Ob die Aktion Breitbart wirklich schadet, bleibt derweil ungewiss. Um sich nicht komplett von Anzeigenkunden abhängig zu machen, finanziert sich das Portal bereits seit Längerem auch über Merchandising - also T-Shirts, Kappen und Jacken mit dem Breitbart-Logo. Dennoch scheint der Boykott, zumindest im Falle von Kellogg's in den USA, einen wunden Punkt getroffen zu haben. Als Antwort auf die Entscheidung des Konzerns, "kein Geld für die Rechte" zu geben, ruft Breitbart seine Leser nun seinerseits zum Boykott von Kellogg's-Produkten auf. "Es ist ein schändlicher Akt der Feigheit für eine ikonische amerikanische Marke, Breitbart auf die Blacklist zu setzen, um stattdessen die totalitären Linken zu plakatieren", heißt es in einem Petitionsaufruf auf der Seite.

Doch weder Kellogg's noch die deutsche Werbeindustrie haben sich bisher davon beeindrucken lassen. Zuletzt hatte auch Gerald Hensel, Digital-Stratege bei der Werbeagentur Scholz & Friends, alle Werbetreibende in seinem privaten Blog dazu aufgerufen, "gemeinsam die Finanzierung von rechtsextremen Websites und Meinungsportalen wie Breitbart" zu stoppen. Er appellierte sogar an Vermieter, dem Medium keine Redaktionsräume zur Verfügung zu stellen. Zumindest Philipp Ciba hat er mit solchen Forderungen hinter sich gebracht: "Ich stehe derzeit in regem Austausch mit Herrn Hensel und unterstütze seine Bestrebungen ohne Vorbehalte."

Quelle: n-tv.de, jug

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