Wirtschaft

Konzernchef für "Solidarmodell" Deutsche Wohnen deckelt eigene Mieten

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Vom Buhmann zum sozialen Vorreiter? Die Deutsche Wohnen steht vor allem in Berlin bislang im Mittelpunkt der Empörung.

(Foto: imago images / Christian Mang)

Die Diskussion über Mietendeckel und drohende Enteignungen in Berlin schreckt die Immobilienunternehmen auf. Der im Zentrum der Kritik stehende Konzern Deutsche Wohnen legt nun ein Alternativkonzept vor und verspricht, mit gutem Beispiel voranzugehen.

In der Diskussion um die Begrenzung stark steigender Mieten geht der umstrittene Immobilienkonzern Deutsche Wohnen in die Offensive: Ab 1. Juli würden Mieterhöhungen so begrenzt, dass ein Haushalt maximal 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Nettokaltmiete aufwenden müsse, kündigte das Unternehmen auf seiner Internetseite an. Diese freiwillige Selbstverpflichtung gelte auch dann, wenn der Mietspiegel weitere Erhöhungen erlaube.

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Ferner will die Deutsche Wohnen eigenen Angaben zufolge jede vierte neu zu vermietende Wohnung an Mieter mit Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein vergeben. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller begrüßte die Entscheidung der Deutsche Wohnen. "Sie verpflichtet sich zu sinnvollen und konkreten Maßnahmen für eine verantwortungsvollere Mietenpolitik."

Gleichzeitig schlug Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn ein politisches Alternativkonzept zu dem vom Berliner Senat geplanten Mietendeckel vor. Dieser "bringt eher Chaos und sät Zwietracht", sagte Zahn dem "Tagesspiegel am Sonntag". Er glaube, dass es "noch andere Wege geben kann, die Mietentwicklung zu dämpfen". Zahn schlug vor, landesgesetzlich eine einkommensabhängige Mietsteigerung in einem "Solidarmodell" von Vermietern, Mietern und Politik zu verankern.

Deutsche Wohnen, der hinter dem Dax-Konzern Vonovia zweitgrößte Wohnungvermieter Deutschlands, steht seit Monaten im Zentrum des Streits über den angespannten Wohnungsmarkt in Berlin und anderen Metropolen. Die Initiative "Deutsche Wohnen &Co. enteignen hat gerade 77.000 Unterschriften gesammelt und dem Berliner Senat übergeben. Sie fordert unter anderem die Verstaatlichung aller Immobilienunternehmen mit mehr als 3000 Wohnungen. Zudem hat der rot-rot-grüne Senat am Dienstag angesichts der "Wohnungsnotlage" Eckpunkte beschlossen, wonach die Mieten in der Hauptstadt fünf Jahre lang eingefroren werden sollen. Der Beschluss betrifft 1,5 Millionen nicht preisgebundene Wohnungen.

Zahn fordert Berliner Wohngipfel

Zahn forderte Bürgermeister Müller auf, alle Beteiligten am Wohnungsmarkt zu einem Wohngipfel einzuladen und dort die Vorschläge von Vermietern, Mietervereinigungen und Politik neu zu diskutieren.

Angesichts drohender Einnahmeverluste und juristischer Unklarheiten beim Mietendeckel sagte der Deutsche-Wohnen-Chef dem "Tagesspiegel" weiter: "Ich glaube, jedem wird langsam bewusst, wo die wirklichen Schäden liegen werden." Zahn betonte, dass auch er steigende Immobilienpreise und Mieten kritisch sehe: "Es gibt in Berlin zu wenige Wohnungen und es gibt Spekulationen, die zu teilweise unanständigen Preisen führen." Das könne "niemand bestreiten, auch ich nicht".

Zu seinem Vorschlag einer einkommensabhängigen Mietsteigerung sagte Zahn, es gebe viele Menschen, "die genug verdienen, um sich Mietsteigerungen im Rahmen des Mietspiegels oder nach einer Modernisierung leisten zu können". Wenn Besserverdienende von staatlichen Maßnahmen wie dem Mietendeckel des Senats profitierten, dann sei das aus seiner Sicht wenig sozial, sagte Zahn.

Die Vorschläge der Deutschen Wohnen sehen laut "Tagesspiegel am Sonntag" analog zu der eigenen Selbstverpflichtung vor, bei Mieterhöhungen, Modernisierungsumlagen und Neuvermietung die individuelle Lebens- und Einkommenssituation der Mieter zu berücksichtigen. "Niemand soll mehr als 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Miete ausgeben müssen", sagte Zahn der Zeitung. Der Gesetzgeber solle dazu festlegen, innerhalb welcher Einkommensgrenzen Vermieter eine Mieterhöhung umsetzen dürfen."

Quelle: n-tv.de, mbo/AFP/dpa

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