Wirtschaft

Kaum Probleme mit Zahlungsmoral Deutsche machen noch gute Geschäfte

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Nach dem Nein beim Referendum versucht sich Athen an einem normalen Arbeitstag.

(Foto: imago/Florian Schuh)

Deutschen Unternehmen in Griechenland geht es noch vergleichsweise gut. Derzeit gibt es kaum Probleme mit der griechischen Zahlungsmoral. Einzelhändler profitieren sogar vom Kaufboom. Ganz anders sieht es indes bei Transportunternehmen aus.

Die Kapitalverkehrskontrollen führen in Griechenland zunehmend zum Zusammenbruch des Transportwesens. Die Transportunternehmen können ihre Lastwagen nicht betanken, weil die Besitzer täglich nur 60 Euro aus ihren Konten abheben können. Hunderte griechische Lastwagenfahrer im In- und Ausland haben keine Möglichkeit die Treibstoffe zu bezahlen.

"Ein Lastwagenfahrer braucht 4000 Euro, um aus Deutschland nach Griechenland zu kommen", sagte Petros Skoulikidis, Präsident der Transportunternehmen Griechenlands (PSXEM) im griechischen Fernsehen. Die griechischen Kreditkarten werden im Ausland nicht mehr akzeptiert. Auch im Inland gebe es große Probleme. Lieferungen auf die Inseln sind nur gegen Barzahlung möglich. Auf den Inseln könne es bald zu Versorgungsengpässen kommen, sagten übereinstimmend Bürgermeister im griechischen Fernsehen.

Auch die deutschen Geschäftspartner der Griechen geraten zunehmend in Bedrängnis. So arbeiten beispielsweise mehr als 300 Menschen an zwei Standorten in Verwaltung und Produktion für das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim in Griechenland. Die Produkte gehen auch in den Export und das hilft aktuell, denn die Kapitalkontrollen gelten nicht für Zahlungen aus dem Ausland nach Griechenland. Um die Mitarbeiter zu unterstützen, zahlt die griechische Tochter Ellas ihnen derzeit einen Teil des Gehalts in bar aus. Zugleich liefert Boehringer Ingelheim wie andere deutsche Pharmaunternehmen auch weiterhin Medikamente in das Euro-Land.

Der Motorsägenhersteller Stihl berichtet von einer weiterhin hervorragenden Zahlungsmoral der Händler in Griechenland. "Wahrscheinlich aus Angst, dass ihre Guthaben bei der Bank im Falle einer weiteren Eskalation der Krise eingefroren werden", sagt eine Stihl-Sprecherin. Aktuell stockten die Händler ihre Bestände eher auf, auch Landwirte kauften Maschinen, solange es noch den Euro gebe. Die Geschäfte laufen über eine Vertriebstochter vor Ort. Allerdings werde in Griechenland immer noch viel mit Schecks bezahlt. Solange die Banken geschlossen sind, könnten diese nicht eingelöst werden.

Lidl profitiert von Hamsterkäufen

Der Discounter Lidl, der in Griechenland mehr als 4000 Menschen in mehr als 220 Filialen beschäftigt, berichtet von einer höheren Kundenfrequenz in den Geschäften in den vergangenen Tagen. Die Läden seien wie gewohnt geöffnet. "Selbstverständlich akzeptieren wir weiterhin Kreditkartenzahlung." Auf seiner Website wirbt Lidl Hellas genau damit. "Unser ausdrückliches Ziel ist es, in Griechenland zu bleiben und somit weiterhin unseren Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes zu leisten", betont das Unternehmen.

Die Deutsche Telekom ist mit 40 Prozent an dem griechischen Telekom-Konzern OTE beteiligt. Abgesehen von der Dividendenzahlung gebe es keinen regelmäßigen Kapitalfluss zwischen den Unternehmen, sagt ein Telekom-Sprecher. Die Finanzen von OTE seien grundsolide. Die finanzielle Lage des Unternehmens sei nicht mit derjenigen des griechischen Staates vergleichbar. Zu möglichen Auswirkungen einer Staatspleite oder eines Austritts des Landes aus der Euro-Währungsunion wollte er sich nicht äußern.

Quelle: ntv.de, Friederike Marx und Annika Graf, dpa