Wirtschaft

Konzern kämpft an vielen Fronten Die Baustellen der Deutschen Bahn

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Dunkle Wolken über Stuttgart 21.

(Foto: imago/7aktuell)

Güterverkehr, Stuttgart 21, Unpünktlichkeit: Die Deutsche Bahn schlägt sich mit zahlreichen Problemen herum. Im Mittelpunkt der Kritik steht Konzernchef Grube. Der seit 2009 amtierende 64-Jährige bekommt das Staatsunternehmen nicht flott.

Die Deutsche Bahn steckt nicht erst seit dem Milliardenverlust im vergangenen Jahr in der Krise. Seit Jahren kämpft das Unternehmen mit Problemen - im Güterverkehr, beim Großprojekt Stuttgart 21 und immer wieder bei der Pünktlichkeit. Bahn-Chef Rüdiger Grube, der seinen bis Ende 2017 laufenden Vertrag noch in diesem Jahr verlängert wissen will, ist in Bedrängnis.

Riesenkosten für Stuttgart 21

Die Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter die Erde ist seit Jahren umstritten. Das Milliardenprojekt von Deutscher Bahn, Bund und dem Land Baden-Württemberg sorgt seit Baubeginn im Februar 2010 regelmäßig für Schlagzeilen - mit ungeahnten Massenprotesten, politischem Streit und Finanzierungsfragen.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn hatte den Finanzierungsrahmen im März 2013 um zwei Milliarden auf 6,5 Milliarden Euro aufgestockt. Dieser Betrag ist offenbar bereits jetzt verplant, bis zur geplanten Inbetriebnahme Ende 2021 drohen also womöglich weitere Kostensteigerungen. Der Aufsichtsrat prüfte einen aktualisierten Kosten- und Zeitplan - darin zusätzliche Kosten für Brandschutz, Artenschutz und Tunnelbau.

Umstrittene Streichpläne im Güterverkehr

Die Güterverkehrssparte ist seit Jahren das Sorgenkind der Deutschen Bahn. Sonderabschreibungen auf Güterwagen und Loks der Sparte trieben den Konzern im vergangenen Jahr in die roten Zahlen. DB Cargo machte selbst auch ein Minus von 183 Millionen Euro, nachdem 2014 noch ein kleiner Gewinn in den Büchern gestanden hatte.

Die Sparte mit rund 31.000 Mitarbeitern in 15 europäischen Ländern befindet sich deshalb mitten in einem Umbau. In Deutschland will die Deutsche Bahn 215 ihrer 1500 Güterverladestellen nicht mehr anfahren, solange dort nicht die Nachfrage anzieht. 2100 Stellen könnten wegfallen. Die Sparpläne stoßen jedoch bei den im Aufsichtsrat sitzenden Arbeitnehmervertretern auf Widerstand.

Ärgernisse der Reisenden

Verspätungen, Zugausfälle, defekte Toiletten, Türen und Klimaanlagen - jeder Reisende hat damit schon seine eigenen Erfahrungen gemacht. Um die Ärgernisse abzustellen, hat die Deutsche Bahn in den vergangenen Monaten alle 250 ICE einer Art Frühjahrsputz unterzogen, sie gründlich gereinigt und von vorne bis hinten durchrepariert. Ab September ist die IC-Flotte dran.

Der Konzern will, dass langfristig 85 Prozent der Fernzüge pünktlich sind. Im April war dies allerdings nur bei 78,5 Prozent der Fernzüge der Fall - sie trafen am Ankunftsort weniger als sechs Minuten zu spät ein. Im zweiten Halbjahr sinkt die Pünktlichkeitsquote wegen der zunehmenden Zahl an Baustellen für gewöhnlich noch.

Umstrittener Rückzug aus dem Nachtzuggeschäft

Wegen nachlassender Nachfrage hat die Deutsche Bahn in der Vergangenheit zahlreiche Nachtzugverbindungen gestrichen. Mit dem Nischengeschäft schreibt der Konzern "tiefrote Zahlen", wie Grube kürzlich noch einmal betonte. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen ein Konzept vorlegen, wie der Nachtzugverkehr in Deutschland künftig aussehen soll.

Möglich ist, dass die Österreichischen Bundesbahnen einen Teil des Angebots übernehmen. Deren Aufsichtsrat gab im Mai grünes Licht für mehr Nachtzugverbindungen - welche neuen Strecken dazu kommen, ist aber unklar.

Fernbus-Konkurrenz

Seit einigen Jahren leidet der Fernverkehr auf der Schiene unter der Konkurrenz auf der Straße: Die Fernbusse habe der Deutschen Bahn mit ihren Billigpreise viele Kunden abgejagt. Der Konzern lockt deshalb Reisende verstärkt mit Sonderangeboten in die Züge - und ist auch selbst ins Fernbusgeschäft eingestiegen. Allerdings trüben die Billigtickets den Umsatz.

Quelle: ntv.de, Ulrike Tschirner, AFP

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