Wirtschaft

Lieferengpässe in Spiele-Branche Die Weihnachtsbescherung ist in Gefahr

Spielwaren stehen ganz oben auf der Wunschliste der Kinder. Doch dieses Jahr könnten Christkind und Weihnachtsmann in Erklärungsnot kommen. Die Spielwarenindustrie befürchtet, dass manche Lieferungen für das Weihnachtsgeschäft erst nach dem Fest bei den Händlern eintreffen.

Es sind Lego, Playmobil und Co., die Kinderaugen zu Weihnachten strahlen lassen. Doch liegt das falsche Spielzeug unterm Baum, kullern auch schnell die Tränen. Und diesem Jahr ist die Gefahr einer Enttäuschung bei der Bescherung besonders groß: "Es wird ganz sicher so sein, dass gerade die großen Weihnachtsartikel, die ja auch im TV und auf anderen Kanälen beworben werden, sehr frühzeitig vergriffen sein werden", sagt Ulrich Brobeil ntv.de. Der Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie geht davon aus, dass vor allem Waren betroffen sind, die in Fernost gefertigt werden.

Die Pandemie hat die Produktion in Asien immer wieder lahmgelegt, Fabriken wurden wegen Corona-Ausbrüchen für mehrere Wochen geschlossen. Dazu kommt ein Versorgungsengpass bei den Rohstoffen, besonders beim Kunststoffgranulat, der die Fertigung ausbremst: "Wir haben in der Spielwarenbranche nun einmal einen hohen Anteil an Kunststoffspielwaren oder Spielwaren, bei denen Kunststoffe mit verbaut werden", sagt Brobeil. Die Knappheit dieses Grundstoffes treffe die Branche "wirklich hart".

Vom Legostein, über die Barbie, das Tiptoi Set bis zum Puppenhaus: Ohne Kunststoffe, aber auch Kautschuk, Holz und Mikrochips für Licht- und Soundmodule kommt die Spielzeug-Industrie nicht aus. Doch bei all diesen Rohstoffen herrscht zurzeit Knappheit. Und selbst Batterien, die es gewöhnlich in Hülle und Fülle in jedem Bau- und Drogeriemarkt gibt, geht schon in der Herstellung der Saft aus. "Auch seltene Erden, die vor allem bei Batterien zum Einsatz kommen, sind unheimlich gefragt", sagt Brobeil. "Dies ist vor allem auf den Boom bei Elektro-Autos zurückzuführen. Und das wird sicherlich das eine oder andere batteriebetriebene Spielzeug zur Mangelware machen."

"Kämpfen um jeden Container"

Selbst wenn das Spielzeug fertig zum Verschiffen in Asien im Lager liegt, ist das noch keine Garantie dafür, dass es rechtzeitig zum Weihnachtsshopping in den deutschen Regalen liegt. Denn auch Frachtplätze sind Mangelware: "Industrieverlader, Groß- und Außenhändler und Speditionshäuser kämpfen geradezu um jeden Container", sagt Frank Huster ntv.de. In China, aber auch Vietnam, wurden wichtige Umschlaghäfen bei Corona-Ausbrüchen immer wieder geschlossen. Das hat die Situation seit Beginn der Pandemie laut dem Hauptgeschäftsführer des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik verschärft und wirkt sich bis heute aus. "Die Staus vor den Häfen in China, Europa und Amerika werden nur mühsam abgebaut".

Hohe Nachfrage, wenig Angebot: Die Reedereien lassen sich die wenigen freien Container teuer bezahlen: "Frachtpreise haben sich teilweise versechsfacht", rechnet Brobeil vor. Die gestiegenen Kosten spüren letztlich die Kunden von Spielzeug genauso wie von anderen Produkten. Dazu kommt, dass auch die Verteilung auf dem Landweg nicht reibungslos läuft. "Allein in Deutschland fehlen bis zu 60.000 Fahrer", schätzt Huster. Eine gestiegene Konsumnachfrage in Kombination mit der längst angelaufenen Weihnachtsfracht dürfte die Situation sowohl auf dem Schiff- als auch Landweg nicht gerade entspannen.

"Nachschub erst nach den Feiertagen"

In der Spielwaren-Industrie kommt zusätzlich zur coronageschuldeten Knappheit noch eine Besonderheit hinzu: Höherpreisige Spielwaren werden prinzipiell in niedrigerer Auflage produziert, um die Gefahr zu minimieren, dass "die Weihnachtsartikel dann noch an Ostern in den Regalen liegen", wie Verbandsgeschäftsführer Brobeil erklärt. "Ein Spielzeug mit einem hohen Verkaufspreis ist für den Händler, der es nicht schnell abverkaufen kann, Geld, mit dem er nicht arbeiten kann. Und wenn Weihnachten vorbei ist, muss er den Artikel reduzieren. Darauf warten im Übrigen viele Verbraucher. Das ist ein Teufelskreis." Außerdem gebe es in der Spielwarenindustrie immer schnellere Neuheiten-Zyklen, um die Kunden zu überraschen.

Damit die Bescherung unter dem Christbaum nicht zu einer bösen Überraschung wird, sollten die Weihnachtsgeschenke dieses Jahr rechtzeitig geshoppt werden. Laut einer Umfrage von EY kaufen mehr als die Hälfte der Erwachsenen die Geschenke bereits im Oktober und November. Das heißt, der Startschuss fällt jetzt.

"Es könnte sein, dass der Nachschub uns erst weit nach den Feiertagen erreicht", sagt Brobeil. Wenn man der Logik des Abverkaufes folgt, könnte dann zwar das ein oder andere Schnäppchen mit dabei sein, doch für strahlende Kinderaugen an Heiligabend dürfte das rechtzeitige Geschenkeshopping vielen Eltern Gold wert sein.

Quelle: ntv.de

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