Wirtschaft

"Sparer haben's selbst in der Hand" Die fünf Profiteure der Nullzinsen

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Durch die Nullzinspolitik von EZB-Chef Mario Draghi verlieren Sparer Milliarden. Aber sie profitieren auch.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Nullzinsen von EZB-Chef Draghi enteignen deutsche Sparer. Der oberste Währungshüter rät: "Sie müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen." n-tv.de zeigt, welche Vorteile die Mini-Zinsen bringen.

Europas Zentralbankchef Mario Draghi ist für viele Deutsche der personifizierte Geldvernichter. Dank seiner Nullzinspolitik verlieren Sparer ihr Bares. Ihre Bankguthaben, Sparbücher und Lebensversicherungen werfen kaum noch etwas ab. Die DZ Bank kommt auf Einbußen von mehr als 260 Milliarden Euro in den vergangenen sechs Jahren. Laut Postbank haben Sparer in den vergangenen fünf Jahren mehr als 100 Milliarden Euro Zinsen verloren.

In der Bild-Zeitung verteidigt Draghi seine Politik: "Die Sparer haben es mit ihren Anlageentscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Sie müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten". n-tv.de zeigt, dass die Nullzinspolitik den Sparern auch Vorteile bringt. Das sind die fünf größten Krisengewinnler:

Der Staat

Als erster muss sich Wolfgang Schäuble bedanken: Ohne Hilfe von Mario Draghi hätte er die schwarze Null nicht geschafft. Dank der Niedrigzinsen konnte der Finanzminister den ersten ausgeglichenen Haushalt seit 45 Jahren vorlegen. Inzwischen stehen Banken nicht nur Schlange für deutsche Staatsanleihen. Sie bezahlen sogar noch dafür, ihr Bares beim deutschen Staat parken zu dürfen.

Der Staat spart deshalb massiv Zinsen: Seit 2009 mehr als 100 Milliarden Euro, hat das Institut für Weltwirtschaft in Kiel ausgerechnet. Die Gesamtersparnis liegt sogar noch höher, weil Kommunen und Länder den größeren Teil der Schulden tragen - auch sie können sich viel billiger Geld leihen.

Der Steuerzahler

Die Steuerzahler dürfen sich deshalb ebenfalls über die Niedrigzinsen freuen. Den neuen finanziellen Spielraum nutzt die Regierung auch, um neue Wohltaten wie die Mütterrente und die Rente mit 63 an die Wähler zu verteilen. Die deutsche Staatsschuldenquote ist laut Eurostat seit 2010 von 81 auf rund 71 Prozent gefallen. Der Bund kann sich nicht nur so billig verschulden wie nie zuvor, was den Bürgern höhere Steuern in der Zukunft erspart.

Die Angestellten

Zudem sind alle Bürger nicht nur Sparer, sondern auch Arbeitnehmer. Ohne die Nullzinspolitik hätten viel weniger Menschen einen Job. Mit den Jahren ist in Vergessenheit geraten: Draghi hat die Zinsen überhaupt erst auf Null gesenkt, um den Euro zu retten und die Wirtschaft im Euroraum anzukurbeln.

In Deutschland mag dieses Argument nicht viel gelten: Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenquote liegt auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. In Krisenländern wie Italien, Spanien oder Griechenland sieht es anders aus. Dort hat jeder zehnte, fünfte oder vierte Arbeitnehmer keinen Job. Ohne die Nullzinsen wären es noch viel weniger.

Die Immobilienbesitzer

Nicht nur abstrakt, auch ganz konkret profitieren viele deutsche Sparer. Dank den Nullzinsen können sich so viele Menschen wie nie zuvor die eigenen vier Wände leisten: die Zinsen für Kredite sind so niedrig wie nie. Die Postbank beziffert die Entlastung bei den Zinskosten für Immobilienkredite seit 2011 auf rund 85 Milliarden Euro. Auch wenn sich Anleger mit einer Investition in Betongold natürlich über Jahrzehnte binden müssen, mit einem Sparbuch nicht.

Selbst Altbesitzer profitieren: Die Preise für selbst genutztes Wohneigentum sind laut Verband der Pfandbriefbanken seit 2010 um 20 Prozent gestiegen. Die Bundesbank hat in den 127 größten Städten gar einen Zuwachs von über 35 Prozent errechnet. Das Vermögen von Millionen Menschen hat sich so aus dem Nichts sprunghaft vermehrt.

Die Aktienkäufer

Die Niedrigzinsen heizen nicht nur den Immobilienmarkt an, sondern auch die Börsen. Der Dax hat seit 2010 um mehr als 60 Prozent zugelegt. Allerdings profitieren davon bisher mehrheitlich Großbanken, Fonds und Profi-Investoren. Die meisten Kleinanleger machen immer noch einen Bogen um Aktien.

Nur rund 15 Prozent des gesamten deutschen Geldvermögens steckt laut Bundesbank in Aktien und Investmentfonds. Obwohl sich Geldanlegen in Versicherungen, Sparbüchern und Festgeld kaum mehr lohnt. Das liegt sicher daran, dass Aktien nicht nur komplizierter, sondern viel riskanter sind als Tagesgeld. Aber Mario Draghis Schuld ist es ganz sicher nicht.

Quelle: ntv.de