Wirtschaft

Bilanz im dritten Quartal Diese Aktien waren Gift im Depot

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Thyssenkrupp steht vor einer ungewissen Zukunft. Wie rentabel wird künftig die Stahlproduktion?

(Foto: imago images/Jochen Eckel)

Im dritten Quartal geht es für den Dax um fast 400 Punkte in die Höhe. Doch einige Papiere können auf den Zug nicht aufspringen. Im Gegenteil: Ihre Karriere im Leitindex ist beendet. In manchen Fällen steht die Existenz auf wackeligen Füßen, ist sogar ganz vorbei. Für Aktionäre in jedem Fall ein Desaster.

Nach dem Absturz der Kurse im Frühjahr und der kräftigen Erholung im zweiten Quartal ist im dritten Quartal am deutschen Aktienmarkt nicht viel passiert - zumindest auf den ersten Blick. Der Leitindex Dax lag am 1. Juli bei 12.391 Punkten und notiert zum Quartalsultimo mit 12.761 Punkten. Die Volatilität ist weiter extrem hoch, was vor allem den Unwägbarkeiten mit Blick auf die Corona-Pandemie, der US-Präsidentschaftswahl und dem bevorstehenden Brexit geschuldet ist. Dazu schwelen etwas im Hintergrund die Handelsspannungen zwischen den USA und China weiter.

Prominentester Verlierer im nun abgelaufenen dritten Quartal war im Dax die skandalumwitterte Wirecard-Aktie. Der Bilanzbetrug des Bezahldienstleisters ging durch alle Medien und hat die Aktie mittlerweile aus sämtlichen Indizes geworfen. Für einen Kursrutsch, von dem sich die Aktie bislang nicht erholte, sorgten im September dann massive Vorwürfe gegen den Leasinganbieter Grenke. Mit Thyssenkrupp und Lufthansa gehören zwei ehemalige Dax-Unternehmen ebenfalls zu den großen Verlierern.

Wirecard hat (fast) alle hinters Licht geführt

Wirecard war ein Albtraum - für die Deutsche Börse selbst, für die Bafin, für die Wirtschaftsprüfer und vor allem die Anleger. Vorwürfe über Ungereimtheiten in der Bilanz des Zahlungsdienstleisters gab es zwar schon länger, sie sorgten aber jeweils nur vorübergehend für stärkere Kursbelastungen. Bereits 2008 stand er Vorwurf der Bilanztrickserei im Raum. Es brauchte dann allerdings noch zwölf Jahre und weitere Short-Attacken auf das Unternehmen, bis das Kartenhaus von Konzernchef Markus Braun und seinen Mitwissern Mitte Juni zusammenbrach.

Per August flog die Aktie aus Dax und TecDax. Noch immer wird nach dem ehemaligen Vorstand Jan Marsalek gefahndet. In der Zwischenzeit verkauft der Insolvenzverwalter die Tochtergesellschaften in aller Welt. Nach dem kompletten Kursdesaster in der zweiten Juni-Hälfte ging es für Wirecard auf sehr niedrigem Niveau im dritten Quartal nochmals um über 86 Prozent in den Keller auf zuletzt noch 78 Cent.

Grenke wird zum Ziel eines berüchtigten Short-Sellers

An der Börse gibt es zwei Arten von Investoren: Die, die auf steigende Kurse wetten, und die, die an fallenden Kursen verdienen wollen. In der deutschen Aktienkultur werden in Analysten-Research Empfehlungen für Aktien ausgesprochen, dabei allerdings eher seltener zum Verkauf. Bei Kommentaren von auf fallende Kurse setzenden Short-Sellern wird unterdessen häufig despektierlich von Attacken auf Unternehmen und deren Aktien gesprochen.

Fraser Perring mit seinem Analysehaus Viceroy ist einer dieser Investoren, der auf fallende Kurse setzt. Er bezichtigte den Leasinganbieter unverhohlen des Betrugs und bezeichnete die Aktie als uninvestierbar, unter anderem wegen Dutzenden Transaktionen mit nicht angegebenen verbundenen Gesellschaften.

Grenke
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Nun liegt es an Grenke, die Vorwürfe zu entkräften. Doch dass Grenke genau den Wirtschaftsprüfer mit einer Sonderprüfung beauftragen wollte, der bereits in der Vergangenheit die Bücher prüfte, traf bei Investoren zunächst eher auf Unverständnis. Auch die Vorlage der Kontoauszüge half nicht viel, ebensowenig die Zusage, umfassend mit der Finanzaufsicht Bafin kooperieren zu wollen. Zu sehr ist den Anlegern noch der Wirecard-Skandal in Erinnerung. In der Drittquartalsbilanz steht für Grenke nun ein Minus von 54 Prozent.

Thyssenkrupp - Stahl Made in Germany

Thyssenkrupp hatte einen Plan. Die Essener wollten das verlustbringende Stahlgeschäft abspalten und die Aufzugssparte behalten. Inzwischen aber ist das profitable Aufzugsgeschäft verkauft und die Stahlsparte weiter Teil des Konzerns. Damit hat sich zwar die Liquiditätslage kurzfristig verbessert, doch das defizitäre Stahlgeschäft bleibt.

Thyssenkrupp
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Allein für das vierte Quartal erwarten die Analysten der DZ Bank erneut einen operativen Verlust im mittleren bis hohen dreistelligen Millionenbereich. Mittelfristig dürften die verbleibenden Geschäftsbereiche aber wieder positive Cashflows generieren, andernfalls wäre der Aufzug-Geldsegen aber auch schnell aufgebraucht und Thyssenkrupp bräuchte wieder Geld.

Erste Begehrlichkeiten in diese Richtung gibt es schon. Der Chef von Thyssenkrupp-Stahl, Bernhard Osburg, ließ wissen, dass kein Stahlhersteller den Aufbau einer klimaneutralen Produktion aus eigener Kraft schaffen könne. Ein Staatseinstieg aber würde zu einer massiven Verwässerung der Altaktionäre führen. In Deutschland Stahl auf nachhaltig wirtschaftlicher Basis zu produzieren, scheint weiter ein schwieriges Unterfangen. Während die Aktie von Thyssenkrupp vor drei Jahren noch über 25 Euro kostete, verlor sie im dritten Quartal 31,7 Prozent an Wert auf nur noch 4,31 Euro.

Lufthansa - wenn das Geschäftsmodell kollabiert

Die Luftfahrtbranche gehört weltweit zu den großen Verlierern der Corona-Pandemie. Es wird kaum noch gereist, Kunden und Geschäftspartner besuchen sich weiterhin häufig nur virtuell. Die Deutsche Lufthansa fliegt allenfalls auf Sicht, ständig werden die Kapazitäten der tendenziell fallenden Nachfrage angepasst. Die Kranichlinie wird ihre Flotte noch stärker als bisher geplant verkleinern und hat jüngst ein drittes Restrukturierungsprogramm beschlossen.

Der Einstieg des deutschen Staates mit 20 Prozent und die neun Milliarden Euro schwere Finanzspritze haben das Unternehmen auf der einen Seite zwar gerettet, auf der anderen Seite steht die Fluggesellschaft nun vor einer langen Phase der Entschuldung. Die stille Staatsbeteiligung wird nach zunächst vier Prozent ab 2021 immer teurer. Die Verkleinerung der Flotte und der Verkauf von Nicht-Kernbereichen erscheint Expertem unumgänglich. Ebenso unumgänglich sind nach Ansicht von HSBC sinkende Personalkosten und eine stärkere Flexibilisierung.

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Anfang des Jahres kostete die Lufthansa-Aktie noch 16,50 Euro, aktuell wird sie noch mit 7,36 Euro gehandelt. Im dritten Quartal allein büßte der Kurs damit 17,7 Prozent ein.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ

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