Wall Street im MinusDiffuse Iran-Nachrichten verunsichern US-Anleger

Trumps gestrige Bemerkungen über Gespräche mit dem Iran lösen an der Wall Street nur ein Strohfeuer aus. Einen Tag später geht es mit den US-Indizes schon wieder abwärts. Bei den Tech-Werten drücken neue KI-Entwicklungen auf die Kurse.
Mit Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende im Nahen Osten hatte der US-Präsident gestern eine kurze Rally an der Wall Street entfacht. Einen Tag später ist davon nichts mehr zu spüren. Der Dow-Jones-Index gab um 0,2 Prozent nach 46.124 Punkte, der breite S&P-500 kam um 0,4 Prozent zurück, die technologielastigen Nasdaq-Indizes gaben um bis zu 0,8 Prozent nach, belastet von sehr schwach im Markt liegenden Softwareaktien.
Donald Trump hatte gesagt, es gebe Gespräche mit dem Iran, worauf aber aus Teheran ein Dementi folgte. An dieser diffusen Nachrichtenlage änderte sich am Dienstag wenig. Der Nachrichtensender CNN berichtete, dass es tatsächlich eine "Kontaktaufnahme" zwischen den USA und Iran gegeben habe, die von Washington initiiert worden sei. Das Niveau vollständiger Verhandlungen sei aber laut einer hochrangigen iranischen Quelle nicht erreicht worden.
Bremsend wirkten die Ölpreise, die vor dem Hintergrund fortgesetzter gegenseitiger Angriffe Israels und des Iran wieder anzogen. Brent-Öl kostete zuletzt im US-Handel über 3 Prozent mehr als am Vortag, rund 103,50 Dollar. Selbst wenn der Konflikt morgen enden würde, würden die Ölpreise in absehbarer Zeit nicht auf 60 oder 50 Dollar zurückfallen, sagte Ölexperte John Kilduff von Again Capital. "Ich sehe das nicht einmal in diesem Jahr, wegen des entstandenen Schadens, der ausgefallenen Produktion und der Zeit, die es dauern wird, alles wieder in Ordnung zu bringen."
Die Renditen der US-Staatsanleihen machten den Rückgang vom Vortag wieder wett. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen legte um 6 Basispunkte auf 4,40 Prozent zu, weil die höheren Ölpreise und Störungen in den Lieferketten die Inflationserwartungen wieder anheizten, was tendenziell für steigende Zinsen durch die Notenbanken spricht.
Der Dollar stieg mit den US-Renditen und dem schwindenden Optimismus über eine Entspannung des Nahostkonflikts. Der Greenback sei wieder stärker als Fluchthafen angesteuert worden, hieß es. Der Euro fiel auf 1,1586 Dollar zurück.
Druck nach Anthropic-Ankündigungen
Am Aktienmarkt standen Softwareaktien stärker unter Verkaufsdruck. Seit geraumer Zeit gibt es Bedenken, dass Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz für Disruptionen der Geschäfte von Softwareunternehmen sorgen könnte. Nun kündigte das KI-Unternehmen Anthropic neue Anwendungen an, auch Amazon soll an neuen KI-Werkzeugen arbeiten. Salesforce, Datadog, Servicenow, Intuit oder Workday büßten darauf bis zu 6,7 Prozent ein. Die Aktie des technologieorientierten Beratungsunternehmen Gartner sackte um 6,9 Prozent ab. Amazon schlossen 1,4 Prozent im Minus.
Jefferies Financial Group verbesserten sich um 2,5 Prozent. Die japanische Bank Sumitomo Mitsui Financial Group arbeitet an einer möglichen Übernahme der Investment Bank, wie die "Financial Times" berichtet.
Estee Lauder standen erneut stark unter Druck mit einem Minus von 9,8 Prozent. Berichte über Fusionsgespräche des Kosmetikkonzerns mit der spanischen Puig hatten die Aktie am Vortag bereits stark gedrückt. Home Depot schlossen unverändert mit der Nachricht des Zukaufs eines Großhändlers für Geräte, Ersatzteile und Zubehör aus den Bereichen Heizung, Lüftung und Klimatechnik. Gilead Sciences tendierten gut behauptet mit der Nachricht über die Übernahme des Biotechnologieunternehmens Ouro Medicines.
United Airlines will seine Kapazitäten vor allem im Premiumsegment erhöhen und der Flotte in den kommenden zwei Jahren 250 Flugzeuge hinzuzufügen. Der Kurs gab leicht nach.
Tesla gewannen nach dem Vortagesplus weitere 0,6 Prozent. Der Elektroautobauer konnte erstmals seit über einem Jahr im Februar den Absatz in Europa auf Monatssicht wieder steigern.