Wirtschaft

"Digitale Basis der Industrie"Rechenzentren pochen auf vergünstigten Strompreis

02.03.2026, 14:22 Uhr
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Die Deutsche Telekom trommelt seit Längerem für günstigere Strompreise für Rechenzentren. (Foto: picture alliance/dpa)

In den USA sind Rechenzentren verantwortlich für explodierende Strompreise. Zugleich sind sie das digitale Rückgrat vieler Unternehmen. In einem Gutachten im Auftrag von Bitkom kommen Juristen daher wie Telekom-Chef Höttgen zum Schluss: Rechenzentren haben einen vergünstigten Strompreis verdient.

Rechenzentren haben Juristen zufolge Anspruch auf einen vergünstigten Strompreis. Die Entlastung sei nicht nur europarechtlich zulässig, sondern notwendig, ergab ein Gutachten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. "Wenn die EU industrielle Verlagerungen verhindern will, muss sie auch die digitale Basis dieser Industrie absichern", sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. Ohne leistungsfähige Rechenzentren funktioniere eine moderne Produktion nicht.

Die Europäische Union wolle energieintensive Unternehmen mit niedrigeren Strompreisen halten, heißt es in dem Gutachten. Rechenzentren seien in der entsprechenden Liste der betroffenen Branchen zwar nicht aufgeführt, gehörten jedoch zu einer Basisinfrastruktur: Der Verzicht auf eine Strompreisentlastung für Cloud-Anbieter könne den Wettbewerb verzerren.

Die Juristen warnen vor einem Dominoeffekt: Entstehen Rechenzentren primär im außereuropäischen Ausland, geraten demzufolge heimische Unternehmen in Abhängigkeit. Im Rahmen einer sogenannten Adhäsionsmigration könnten sie ihren Rechenzentren folgen, um höhere Datenrisiken oder geopolitische Unsicherheiten zu verringern, heißt es. "Wenn wir nicht handeln und Rechenzentren bei den Strompreisentlastungen berücksichtigen, droht der schrittweise Verlust zentraler Teile unserer digitalen Infrastruktur", sagt Bitkom-Chef Wintergerst.

30 Milliarden Kilowattstunden

Den Angaben des Verbands zufolge entfällt die Hälfte der Betriebskosten eines Rechenzentrums auf die Energieversorgung. Aktuell verbrauchen Server in Deutschland etwa 21 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr. Bis 2030 werde dieser Wert auf rund 30 Milliarden steigen. Dies entspricht in etwa dem Fünffachen des aktuellen Energiebedarfs der Stadt Frankfurt.

Tim Höttges, Chef der Deutschen Telekom, trommelt seit Längerem für günstigere Strompreise für Rechenzentren. Er beziffert den Kostennachteil gegenüber anderen Staaten auf 20 Prozent und mehr. Ohne eine Lösung dafür werde sich der Betrieb einer KI-Gigafactory kaum rechnen. Die EU will den Bau mehrerer dieser besonders leistungsfähigen und energieintensiven Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) fördern. Eines davon soll den Plänen der Bundesregierung zufolge in Deutschland entstehen. Die Telekom hatte zu Jahresbeginn eine industrielle KI-Cloud in Betrieb genommen. Das Unternehmen betrachtet sie als Referenzprojekt für eine mögliche Gigafactory.

Steigende Strompreise in den USA

Der Strombedarf von Rechenzentren - insbesondere für Anwendungen Künstlicher Intelligenz - ist enorm. Je stärker KI in Wirtschaft und Alltag Einzug hält, desto größer werden die benötigten Rechenkapazitäten und damit auch der Energieverbrauch. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IAE) verbraucht ein mittelgroßes Rechenzentrum so viel Strom wie rund 100.000 Haushalte. Schätzungen zufolge benötigt eine einzelne ChatGPT-Anfrage sechs- bis zehnmal so viel Energie wie eine klassische Suchmaschinenanfrage.

In den USA sind Rechenzentren bereits Hauptursache für stark steigende Strompreise und Wahlkampfthema: US-Präsident Donald Trump möchte die großen Tech-Unternehmen dazu verpflichten, ihren Strombedarf künftig selbst zu decken, um Privathaushalte zu entlasten, sprich: Die Firmen sollen eigene Kraftwerke für ihre Rechenzentren direkt an den jeweiligen Standorten errichten.

Quelle: ntv.de, chr/rts

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