Wirtschaft

Zinshoffnung treibt Wall StreetDow Jones klettert auf Rekordhoch

06.01.2026, 22:37 Uhr
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Das Jahr ist noch jung, aber die Zinssenkungshoffnungen erblühen schon wieder. (Foto: AP)

Die geopolitischen Risiken lassen die Märkte weiterhin kalt. Die US-Anleger warten gespannt auf den Freitag, wo Arbeitsmarktdaten etwas über den künftigen Zinskurs der Fed verraten sollen. Der Einkaufsmanagerindex schwächelt deutlicher als erwartet.

Mit einer freundlichen Tendenz hat sich die Wall Street am Abend gezeigt. Zinssenkungshoffnungen stützten die Kurse erneut, wie es aus dem Handel hieß. Ansonsten warteten die Anleger auf die wichtigen Arbeitsmarktdaten für Dezember, die am Freitag veröffentlicht werden sollen. Die Entwicklungen um Venezuela belasteten die Stimmung weiterhin nicht. Dow Jones und S&P-500 stiegen auf Rekordhochs. Der Dow-Jones-Index gewann 1,0 Prozent auf 49.462 Punkte. Der S&P-500 kletterte um 0,6 Prozent, und der Nasdaq-Composite erhöhte sich um ebenfalls 0,6 Prozent. Vorläufigen Angaben zufolge wurden an der Nyse 1785 (Montag: 1910) Kursgewinner gezählt und 986 (860) -verlierer, während 54 (74) Titel unverändert schlossen.

Die Agenda der US-Konjunkturdaten war übersichtlich. Es wurde nur der Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Dienstleistungssektor in zweiter Lesung veröffentlicht. Der Index schwächte sich etwas deutlicher ab als erwartet, was Zinssenkungsspekulationen untermauerte.

Im Fokus stand der Technologie-Sektor, nachdem Nvidia früher als erwartet schnellere KI-Chips vorgestellt hatte. Die Nvidia-Aktie sank indessen um 0,5 Prozent. CEO Jensen Huang präsentierte auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas die neuesten KI-Serversysteme, bekannt als "Vera Rubin". Diese kommen im zweiten Halbjahr 2026 in den Verkauf. Normalerweise enthüllt Nvidia Details zu Spezifikationen und Fähigkeiten der neuesten Chips auf der Frühjahrs-Entwicklerkonferenz im Silicon Valley. Dieses Jahr hätten die für KI erforderliche Komplexität der Berechnungen und die immense Nachfrage nach fortschrittlichen Prozessoren zum Trainieren und Betreiben von Modellen die Halbleiterindustrie dazu veranlasst, schneller zu handeln, sagte Huang.

Hersteller von Speichermedien gefragt

Die Papiere von Advanced Micro Devices verloren 3,1 Prozent. Der Chip-Hersteller hatte auf der CES seine neueste Generation von Mobil- und Desktop-Prozessoren vorgestellt. Seine Aktie hatte allerdings im vergangenen Jahr um gut 70 Prozent zugelegt. Microchip Technology kletterten mit einem erhöhten Umsatzausblick um 11,6 Prozent in die Höhe. Steil nach oben ging es mit den Aktien einiger Hersteller von Speicherprodukten. Sandisk und Western Digital sprangen um 27,6 und 16,8 Prozent nach oben. Der Kurs von Seagate machte einen Satz von 14 Prozent. Einen nachrichtlichen Hintergrund hatte der Kursanstieg nicht. Beobachter verwiesen jedoch auf das weltweit knappe Angebot an Speicherchips und die Erwartung, dass sich die Angebotsengpässe verschärfen werden.

Um 6,9 Prozent sackte der Kurs von Staar Surgical ab. Der Augenheilkundespezialist Alcon wird das Unternehmen nun doch nicht übernehmen, nachdem die Staar-Aktionäre die Transaktion abgelehnt haben. Ebenfalls im Pharmasektor gewannen Eli Lilly 2,2 Prozent. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge steht das Unternehmen vor der Übernahme des Biotech-Unternehmens Ventyx Biosciences (+28,5%) für über eine Milliarde Dollar. Ventyx entwickelt Medikamente zur Behandlung entzündlicher Erkrankungen.

Märkte preisen zwei Zinssenkungen ein

Die Renditen am US-Anleihemarkt holten einen Teil ihrer Vortagesverluste wieder auf. Die Rendite zehnjähriger Papiere stieg um 2 Basispunkte auf 4,19 Prozent. Die Anleger sähen über geopolitische Risiken hinweg, hieß es. Gleichwohl habe der unter den Prognosen liegende ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe an die fragilen Aussichten erinnert, gepaart mit Signalen eines sich abkühlenden Arbeitsmarktes. "Eine Fortsetzung schwacher Daten würde wahrscheinlich die Erwartungen einer taubenhafteren Haltung der Fed im Jahr 2026 bestärken, wobei die Märkte derzeit zwei Zinssenkungen bis zum Jahresende einpreisen", so Frank Walbaum von Naga.

Der Dollar legte erneut leicht zu. Die US-Geopolitik könnte eine Abkehr vom Dollar als Weltreservewährung beschleunigen, so Jefferies-Ökonom Mohit Kumar. "Die neue politische Ordnung wird dazu führen, dass die Länder ihre Abhängigkeit vom Dollar als Reservewährung verringern", ergänzte er. Jefferies bevorzuge Gold und Metalle im Allgemeinen als beste Möglichkeit zur Diversifizierung weg vom Dollar, so der Ökonom. Der Goldpreis baute die kräftigen Vortagesgewinne noch aus. Der Preis für die Feinunze stieg um 1,1 Prozent auf 4495 Dollar. Auch Silber legte zu. Der Fokus liege auf den anstehenden US-Daten im weiteren Wochenverlauf, die Hinweise auf den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank liefern könnten, hieß es.

Die Ölpreise gaben ihre Vortagesgewinne ab. Der WTI-Preis fiel um 2,3 Prozent. Die US-Intervention in Venezuela ändert nichts an den Ölpreisprognosen von Morningstar. Venezuela werde Jahre umfangreicher Kapital-Investitionen benötigen, um seine Ölinfrastruktur zu modernisieren, so Analyst Joshua Aguilar. Morningstar hält an seinen mittelfristigen Ölpreisprognosen von 65 US-Dollar pro Barrel für Brent und 60 US-Dollar pro Barrel für WTI fest. Es könnte zwar eine gewisse Aufwärtsbewegung der Preise geben, diese werde aber wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein.

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Quelle: ntv.de, mau/DJ

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