Wirtschaft

E-Autobauer unter Druck Drama um Tesla ist noch nicht vorbei

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Die Nachsicht einiger Anleger könnte schon in der nächsten schwächeren Börsenphase enden und Tesla hart treffen.

(Foto: REUTERS)

Elon Musk möchte mit dem Weltraumprogramm Space X gern hoch in den Himmel hinaus. Sein Flaggschiff Tesla fährt dagegen geradewegs Richtung Hölle. Nur geduldige Investoren retten ihn noch. Doch auch die werden immer weniger.

Ob Unternehmen an der Börse einen Lauf haben und gerade gern gesehen sind, messen Börsianer unter anderem mit dem Indikator der Relativen Stärke. Die Zahl gibt an, wie gut ein Unternehmen im Vergleich zu anderen abschneidet. Ganz egal, ob am Gesamtmarkt ein Aufwärts- oder Abwärtstrend herrscht. Am US-Aktienmarkt kommt Tesla bei der Relativen Stärke ziemlich schwach daher, besser gesagt - desaströs. Denn während Konzerne wie Amazon, Facebook oder Apple seit dem großen Ausverkauf Ende Dezember rund 50 Prozent ihres Unternehmenswerts steigern konnten, geht bei Tesla gar nichts vorwärts.

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Der Firmenwert stagniert bei rund 45 Milliarden Dollar, und er läge wohl noch merklich niedriger, würde an der Wall Street nicht momentan jeder mit Geld um sich werfen und die Indizes zu neuen Rekorden antreiben. Die Flut hebt dort alle Boote und zieht auch Firmen mit, die hohe Verluste liefern. Bei Tesla erwarten Investoren nach Jahren der Versprechungen jedoch endlich Gewinne. Doch genau das wird zum Problem. Denn im vergangenen Quartal verbuchte Tesla einen Verlust von 702 Millionen Dollar. Auch im laufenden Vierteljahr rechnet das Unternehmen mit Verlusten. Schwarze Zahlen soll es erst wieder im dritten Quartal geben.

Konkurrenzdruck nimmt zu

Die Nachsicht einiger Anleger könnte schon in der nächsten schwächeren Börsenphase enden und Tesla hart treffen. Was zuvor nicht gestiegen ist, fällt dann häufig erst recht. Das Drama um die Tesla-Aktie könnte sich also noch steigern, wie auch das große Interesse der Anleger zeigt. Nicht nur in den USA gehört die Aktie zu den am stärksten gehandelten Werten, sondern auch hierzulande, wie die Umsätze an den verschiedenen Börsen beweisen. Bei der Münchener Gettex und auf der Social Tradingplattform Etoro zählt Tesla zu den zehn beliebtesten Titeln. Häufig stehen hierzulande meist deutsche Aktien auf diesen Listen ganz oben.

Gründe für einen regen Handel gibt es genug, vor allem weil die Aktie angeschlagen ist. Ausgerechnet die deutschen Hersteller, die den E-Auto-Trend so lange verschlafen haben, setzen Tesla nun immer stärker zu. So investiert Daimler zehn Milliarden Euro in den Ausbau der Elektro-Flotte der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars und mehr als eine Milliarde Euro in den weltweiten Batterie-Produktionsverbund. Bis 2025 soll der Absatz batterieelektrischer Fahrzeuge auf 15 bis 25 Prozent des Konzernabsatzes steigen.

Der weltweit zweitgrößte Premiumhersteller BMW hat 2018 den Absatz elektrifizierter BMW und Mini Fahrzeuge, also von vollelektrischen und Plug-in-Hybriden-Autos, auf neue Rekorde geschraubt. Vorstandschef Harald Krüger reicht das aber nicht: bis 2021 soll der Konzern fünf vollelektrische Fahrzeuge auf dem Markt haben, bis 2025 soll die Zahl auf mindestens zwölf steigen.

Gefahr einer Übernahme

Der weltgrößte Autohersteller Volkswagen greift noch stärker an und will in den kommenden Jahren mehr als 30 Milliarden Euro in den Ausbau der Elektromobilität investieren. Dabei soll die Zahl der E-Modelle bis 2025 von sechs auf mehr als 50 zulegen. Damit will sich Volkswagen nicht zuletzt ein Stück vom Kuchen in China abschneiden. Frank Schwope, Automobilanalyst der NordLB, kommt deswegen zu dem Schluss: "Sowohl BMW als auch Daimler und Audi werden in den nächsten Jahren beim Elektroauto richtig Gas geben und Tesla mit ausgereiften Produkten unter Druck setzen".

Musks Wettlauf gegen die Zeit und die Konkurrenz im E-Bereich scheint damit verloren, denn auch die chinesische Konkurrenz schläft nicht und hat auf ihrem Heimatmarkt Tesla längst abgehängt. Vielleicht rettet ihn am Ende das, was ihm in den letzten Jahren schon so oft geholfen hat – üppig verfügbares Geld. Denn umso günstiger Tesla wird, desto verlockender ist es, den angeschlagenen Pionier am Ende einfach zu übernehmen. Als Übernahmeopfer zu enden, wäre für den exzentrischen Musk jedoch sicher eine kräftige persönliche Niederlage.

Quelle: n-tv.de

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