Wirtschaft

Konjunktur wächst wieder kräftig Drittes Quartal lief deutlich besser als gedacht

Nach dem historischen Einbruch im Frühjahr hat sich die deutsche Wirtschaft im Sommerquartal deutlich erholt. Trotz des Teil-Lockdowns im November wird für das vierte Quartal ein leichtes Wachstum erwartet.

Nach dem historischen Einbruch in der Corona-Krise ist die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal wieder kräftig gewachsen. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts legte das Bruttoinlandsprodukt um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu.

Getragen wurde das Wachstum "sowohl von höheren privaten Konsumausgaben, mehr Investitionen in Ausrüstungen als auch von stark gestiegenen Exporten", so die Statistiker.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte, diese Zahlen lägen "weit oberhalb der Erwartungen", die Wirtschaftsforschungsinstitute und auch die Bundesregierung in früheren Annahmen hatten. Für ihre ebenfalls heute vorgelegte Herbstprojektion war die Regierung von einem Plus im dritten Quartal von lediglich 6,6 Prozent ausgegangen. Ökonomen hatten ein Plus von 7,3 Prozent erwartet.

Altmaier und Scholz optimistisch

"Wir stehen vor einer nationalen Kraftanstrengung", sagte Altmaier über den anstehenden Lockdown. Das überraschend starke Konjunkturplus im dritten Quartal zeige, dass die deutsche Wirtschaft auch in Pandemie-Zeiten Wachstumskräfte freisetzen könne. "Das ist eine gute Nachricht", so der CDU-Politiker. "Wir stehen an einem Scheideweg." Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz von der SPD zeigte sich optimistisch. "Trotz vieler schlechter Nachrichten gibt es auch Grund für Zuversicht", sagte der SPD-Politiker. "Wir stehen in diesem Jahr deutlich besser da als im Frühjahr befürchtet."

Für das Gesamtjahr 2020 sagt die Herbstprojektion einen BIP-Einbruch um 5,5 Prozent voraus. Zuvor hatte die Bundesregierung mit einem Minus von 5,8 Prozent gerechnet. Ein Einbruch um 5,5 Prozent wäre eine der schwersten Rezessionen der Nachkriegszeit, aber nicht ganz so schlimm wie 2009 in der globalen Finanzkrise.

Für 2021 wird ein Anstieg der Wirtschaftsleistung um 4,4 Prozent erwartet; für 2022 ein Plus von 2,5 Prozent.

Im zweiten Quartal war die Wirtschaft wegen Eindämmungsmaßnahmen in der Virus-Pandemie noch mit 9,8 Prozent eingebrochen und damit so stark wie nie zuvor. Der wegen der steigenden Corona-Neuinfektionen für November angekündigte Teil-Lockdown dürfte die Erholung der Wirtschaft im laufenden Quartal erneut bremsen. Einige Experten befürchten sogar wieder ein Schrumpfen der Wirtschaft zum Jahresende 2020.

Dagegen sagte Altmaier, bei der Herbstprognose seien die jüngsten Beschlüsse von Bund und Ländern bereits berücksichtigt. Für das vierte Quartal war demnach zunächst ein Wachstum von 1,1 Prozent angesetzt worden, das nun auf 0,4 Prozent gesenkt wurde.

Quelle: ntv.de, vpe/hvo/AFP/rts