Wirtschaft

Acht Milliarden für wertlose Firma? Dutzende Bieter buhlen um Tech-Dino Yahoo

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Die Fantasie der Anleger regt Yahoo schon lange nicht mehr an. Die Gelegenheit, einmal in die Bücher des ehemaligen Pioniers zu schauen, lässt sich aber selbst Google nicht entgehen.

(Foto: REUTERS)

Facebook, Google & Co. haben den einstigen Vorreiter im Internet längst abgehängt: Yahoo schreibt tiefrote Zahlen. Dennoch gibt es viele Interessenten, die bereit sind, Milliarden für den totgesagten Konzern zu zahlen. Wieso?

Eine derzeit weitverbreitete Rechnung zur Bewertung von Yahoo geht so: Gut 30 Millliarden Dollar ist der angeschlagene Konzern aktuell an der Börse wert. Fast denselben Wert haben allein die Anteile, die Yahoo am chinesischen Alibaba-Konzern hält. Dazu kommen die börsennotierte Tochter Yahoo Japan, die mit acht Milliarden Dollar bewertet wird, und mehrere Milliarden Dollar Barreserven. Das eigentliche Kerngeschäft ist demzufolge nicht nur wertlos, sondern eine finanzielle Belastung für den Yahoo-Konzern.

Keine Frage: Der ehemals hochgelobte Internet-Pionier Yahoo ist ins Hintertreffen geraten. Facebook und Google haben nicht nur mehr Nutzer, sondern auch funktionierende Modelle, um Daten in Werbeerlöse umzumünzen. Und Yahoo? Machte im vergangenen Quartal 4,1 Milliarden Dollar Verlust. Eine Strategie für eine Wende ist nicht erkennbar. Dennoch ist das Kerngeschäft – bestehend unter anderem aus E-Mail-Service, Suchmaschine, verschiedenen Internetmedien und Werbedienstleistern – in den Augen einiger Interessenten offenbar mehrere Milliarden Dollar wert.

Investoren fordern bereits seit Langem eine Aufspaltung des Konzerns. Der Plan, die wertvollen Beteiligungen in Asien zu verkaufen und den Erlös an die Aktionäre auszuschütten, scheiterte jedoch. Hohe Steuern hätten den Verkaufsgewinn aufgefressen. Stattdessen soll nun das defizitäre Kerngeschäft verkauft werden und eine Holding für die gewinnträchtigen Konzernteile zurückbleiben.

Dafür, dass das Verkaufsobjekt derzeit mit einem negativen Betrag bewertet wird, ist die Resonanz potenzieller Käufer erstaunlich: Inzwischen sollen sich rund 40 Interessenten gemeldet haben, berichten US-amerikanische Medien. Dabei sind unter anderem Google, der Telekommunikationskonzern Verizon, der "Time"-Verlag und zuletzt auch die britische Boulevard-Zeitung "Daily Mail". Einigen Analysten zufolge könnte der Verkauf sogar bis zu acht Milliarden Dollar einbringen.

Eine der wenigen globalen Plattformen

Dass alle, die nun ihr Interesse angemeldet haben, am Ende tatsächlich ein Gebot für das Yahoo-Kerngeschäft abgeben werden, glaubt Rocco Strauss allerdings nicht. Der auf die Internet- und Werbebranche spezialisierte Analyst bei Arete Research in London rechnet damit, dass die meisten von ihnen die Gelegenheit nutzen und ihm Rahmen des Bieterprozesses einmal in die Bücher von Yahoo schauen wollen. "Yahoo ist immer noch eine der wenigen wirklich globalen Plattformen im Internet, mit immerhin mehr als einer Milliarde Nutzer. Wenn man die Chance hat, da mal reinzuschauen, wird sich das auf Google nicht entgehen lassen." Am Ende werde es wohl zwei bis drei ernsthafte Gebote geben, sagt Strauss n-tv.de.

Die in manchen Analysen genannten Summen von bis zu acht Milliarden Dollar, die Yahoo mit dem Verkauf erlösen könnte, hält Strauss für übertrieben. "Da wird mir leicht schwindelig. Vier, vielleicht fünf Milliarden Dollar erscheinen mir ein realistischer Wert."

Zwar ist der Börsenkurs von Yahoo in den vergangenen Wochen im Zuge des beginnenden Verkaufsprozess deutlich gestiegen. Doch der Konzern ist immer noch viel weniger wert als seine Einzelteile. Laut Analyst Strauss ist das durchaus folgerichtig. Denn man könne nicht einfach den Wert der verschiedenen Unternehmensteile zusammenrechnen. Bei einer Aufspaltung des Konzerns würden bis zu neun Milliarden Dollar Steuern fällig. Dabei sei – anders als von Yahoo erhofft - nicht entscheidend, ob formell die wertvollen Anteile an Alibaba und Yahoo-Japan verkauft werden und der Rest zurückbleibt oder umgekehrt.

Quelle: ntv.de, mbo