Prognose halbiertEU-Kommission traut Deutschland nur noch Mini-Wachstum zu

Die Europäische Kommission erwartet in diesem Jahr für Deutschland nur noch einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,6 Prozent. Im Herbst hatten sie noch ein Wachstum von 1,2 Prozent prognostiziert. Im kommenden Jahr könnte es etwas besser werden - unter einer Bedingung.
Wegen der hohen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs hat die Europäische Kommission ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland im Jahr 2026 halbiert. Die Konjunkturexperten erwarten lediglich einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,6 Prozent. Im Herbst hatten sie noch mit einem Wachstum von 1,2 Prozent gerechnet.
Auch in der Europäischen Union insgesamt dürfte die Entwicklung schwächer verlaufen als gedacht. Hier senkte die EU-Kommission die Wachstumsprognose von 1,4 Prozent auf 1,1 Prozent. Für die 21 Staaten der Eurozone wurde sie auf 0,9 Prozent reduziert.
Bis zum Kriegsbeginn Ende Februar sei man von einem moderaten Wachstum und einem Rückgang der Inflation ausgegangen, heißt es in der Mitteilung der Kommission. Wegen des starken Anstiegs der Energiepreise verliere die Wirtschaftstätigkeit an Schwung, die Inflation steige.
"Als Nettoenergieimporteur ist die Wirtschaft der EU besonders anfällig für den durch den Konflikt im Nahen Osten verursachten Energieschock", heißt es in der Mitteilung. Seit Beginn des Iran-Kriegs kam es zu Preissprüngen etwa bei Öl und Gas. Grund ist die faktische Blockade der für die weltweite Energieversorgung wichtigen Straße von Hormus.
Die Bundesregierung hatte ihre Erwartungen Ende April halbiert und rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Mini-Wachstum von 0,5 Prozent. Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) senkte seine Prognose und erwartet nun noch ein Wachstum von 0,4 Prozent der deutschen Wirtschaft.
Eine leichte Verbesserung der Lage erwartet die EU-Kommission im Jahr 2027, sofern sich die Lage auf den Energiemärkten entspanne. Entscheidend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sei die Dauer des Konflikts im Nahen Osten. Ohnehin ist der Iran-Krieg nicht die einzige Belastung für die Konjunktur: Vor allem die USA mit ihrer Zollpolitik sorgen immer wieder für Verunsicherung.
Stand jetzt seien die Folgen nicht mit dem Energiepreis-Schock von 2022 vergleichbar, nachdem Russland die Ukraine angegriffen hatte. "Wichtig ist, dass die EU-Wirtschaft in den letzten Jahren einen erheblichen Strukturwandel durchlaufen hat", so die Kommission. Die Abhängigkeit von Öl und Gas sei geringer als vor vier Jahren, erneuerbare Energien dafür wichtiger geworden. "Sollten die Versorgungsengpässe jedoch länger andauern als derzeit von den Märkten erwartet, könnten sich die Aussichten als deutlich ungünstiger erweisen."
Die Kommission plädierte für gezielte Hilfen für bedürftige Haushalte und stark betroffene Unternehmen. Hilfen mit der Gießkanne seien auf lange Sicht extrem teuer. In Deutschland wurde für Mai und Juni ein Tankrabatt eingeführt, der von Ökonomen als nicht zielgenau kritisiert wurde.