Wirtschaft

"Nah an einer Einigung" EU entdeckt neue Absatzmärkte

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Neue Handelspartner im Süden: Ein Containerschiff bei der Einfahrt in den Hafen von Santos bei Sao Paulo in Brasilien.

picture alliance / dpa

Im Welthandel entstehen derzeit ganz neue Allianzen: Unter dem Eindruck der "America First"-Politik von US-Präsident Trump bemühen sich die Europäer um engere Handelsbeziehungen mit Südamerika. Die Folgen könnten schon bald sichtbar werden.

Die Europäische Union sieht die Verhandlungen um ein umfassendes Handelsabkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur auf der Zielgeraden. "Wir waren nie so nah an einer Einigung", hieß es aus EU-Kreisen. Es gebe jedoch noch eine ganze Reihe an Problemen. Die EU-Kommission und Vertreter aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay treffen sich ab kommender Woche in Montevideo zu weiteren Gesprächen.

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Eine Art EU des Südens: Die Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur umfasst mit Brasilien und Argentinien die beiden stärksten Staaten Südamerikas.

(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Die Mercosur-Staaten und die EU verhandeln seit Jahren über einen Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen, der Unternehmen Kosteneinsparungen in Milliardenhöhe sowie Jobs und Wirtschaftswachstum bringen soll. Die EU-Kommission handelt dabei im Auftrag der 28 EU-Staaten.

Die EU hofft zum Beispiel beim Export von Autoteilen auf einen besseren Marktzugang in Südamerika. Im Gegenzug fürchten Europas Landwirte etwa einen erleichterten Import südamerikanischen Rindfleischs. Kritiker befürchten, dass ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten den Weg für Massenimporte von günstig produzierten Fleischmengen aus Lateinamerika frei machen könnte.

Ob es zu einem neuen Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten kommt, ist noch unklar: Bis Oktober müssten Lösungen gefunden werden, heißt es aus Brüssel, da die Verhandlungen wegen anstehender Wahlen - etwa der Europawahl im darauffolgenden Frühjahr - vermutlich nicht schnell wieder aufgegriffen werden könnten.

Konkurrenz für Bier, Cognac und Parmesan?

Ein Knackpunkt der Verhandlungen liegt demnach auch im Umgang mit geographisch geschützte Angaben von EU-Agrarprodukten. Bei insgesamt 47 Produkten gebe es noch Probleme, unter anderem bei Münchner Bier, aber auch bei Cognac und Parmesankäse. Die EU will sicherstellen, dass die geographisch geschützten Angaben auch in den Mercosur-Staaten respektiert werden.

Die EU bemüht sich derzeit verstärkt um Freihandelsabkommen mit anderen Staaten und Regionen, unter anderem wegen der protektionistischen Politik des US-Präsidenten Donald Trump. Zuletzt beauftragten die EU-Staaten die EU-Kommission damit, mit Australien und Neuseeland Freihandelsverträge abzuschließen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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