Wirtschaft

Nicht nur US-Geldhäuser leiden EU rächt sich im Bankenkrieg an USA

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Die Rache der EU für Sonderregeln aus Washington wird nicht nur US-Banken treffen.

(Foto: REUTERS)

Als Washington Sonderregeln für EU-Banken erließ, schrien Brüssels Politiker: "Diskriminierung!" Nun üben sie Vergeltung an den US-Banken. Doch nicht nur die werden in dem Finanz-Fight verlieren.

Wie du mir, so ich Dir. Zurzeit scheint die Redensart das Motto der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen zu sein. Die EU-Kommission verdonnert Apple zu Steuernachzahlungen, die US-Regierung bedankt sich mit einer Rekordstrafe für die Deutsche Bank. Schon 2014, als Washington Europas Banken zwang, zusätzliche Kapitalpolster für ihre US-Niederlassungen aufzubauen, war das Geschrei groß.

Die US-Pläne seien "protektionistisch" und würden zu einer "Spaltung des globalen Bankenmarkts führen", warnte der damalige EU-Finanzmarktkommissar Michel Barnier. Am Mittwoch wird sein Nachfolger Valdis Dombrovskis nun die gleichen Regeln für US-Banken in Europa einführen, schreibt die britische "Financial Times" (FT) unter Berufung auf Entwürfe der EU-Kommission. Genau wie europäische Banken in den USA müssen amerikanische Institute in Europa künftig zusätzliches Kapital vorhalten, damit sie in künftigen Crashs Verluste besser tragen und leichter abgewickelt werden können. Wie du mir, so ich dir.

Eigentlich sollten mit den neuen Regeln der EU-Kommission vor allem EU-Banken krisenfester gemacht werden. Laut "FT" sollen die neuen Vorgaben nun aber auch für Ableger globaler systemrelevanter Banken aus dem EU-Ausland gelten - also vor allem für US-Finanzriesen. Die müssten nach der Richtlinie eine zentrale Holdingfirma für ihre EU-Töchter gründen, die den neuen EU-Kapitalanforderungen unterliegt. Genauso hat es die US-Regierung 2014 mit den EU-Banken gemacht.

Der Banken-Battle schaukelt sich hoch

Ob BNP Paribas, Santander oder Deutsche Bank, die Branche dürfte die Pläne der EU-Kommission deshalb bejubeln. Sie beschwert sich schon lange über den Wettbewerbsnachteil in den USA: Die Eigenkapitalquote ist einer der wichtigsten Kostenfaktoren der Finanzbranche. Jeden Kredit, jede Immobilie und jedes Wertpapier müssen Banken mit Eigenkapital unterlegen. Falls die Investments platzen, müssen die Institute so mit ihrem Geld für die Verluste haften.

Hohe Kapitalquoten schmälern den Gewinn: Je mehr Geld Banken für Ausfälle vorhalten müssen, desto weniger können sie in Kredite, Aktien und Anleihen stecken, um selbst Geld zu verdienen. Gleichzeitig werden sie durch große Kapitalpolster aber sicherer. Sie haben mehr Geld auf der hohen Kante, um Verluste wegzustecken und Krisen durchzustehen. So werden Bankpleiten unwahrscheinlicher und der Steuerzahler läuft nicht länger Gefahr, die Verluste wie 2008 in der Finanzkrise schlucken zu müssen.

Großen, systemrelevanten Banken mehr Kapital abzufordern ist grundsätzlich also eine gute Idee. Doch wenn jedes Land dabei sein eigenes Süppchen kocht, führt das zu Doppelbelastungen. Statt einem großen Topf in einem Land müssen globale Banken dann viele Töpfe in verschiedenen Ländern mit mehr Eigenkapital füllen. So schaukelt sich der Banken-Battle hoch.

Will Brüssel Druck auf London machen?

Die Brüsseler Vergeltung für Washingtons Regulierungsattacke könnte zudem bald auf die britischen Banken zurückfallen. Sie wären nach dem Brexit genauso hart gestraft wie ihre US-Rivalen. Wie die amerikanischen Finanzriesen müssten die britischen Institute in ihren europäischen Ablegern separate Kapitalpolster aufbauen, sollte London die EU wirklich verlassen.

Das würde nicht nur Geld kosten, sondern den Finanzstandort London für Banken noch unattraktiver machen. Denn wenn man schon zusätzliches Kapital nach Frankfurt oder Paris pumpen muss, um weiter auf dem Kontinent Geschäfte zu machen - warum dann nicht gleich ganz dorthin umziehen? Brüssels Kapitalpläne sind so auch ein weiteres Druckmittel in den Brexit-Gesprächen mit London.

Und auch einer Bank auf dem Kontinent dürfte der Finanz-Fight schaden: der Deutschen Bank. Sie verhandelt grade mit dem US-Justizministerium über eine Milliardenstrafe wegen dem Verkauf von fragwürdigen Hypothekenpapieren vor der Finanzkrise. Die US-Ermittler fordern 14 Milliarden Dollar - eine Buße, die das Geldhauses in existentielle Schwierigkeiten bringen könnte. Die Deutsche Bank muss den Ablass daher noch deutlich herunterhandeln. Mitten in einem offenen Regulierungskampf mit Washington wird das sicher nicht leichter.

Quelle: ntv.de