Wirtschaft

Für sechs Krebsmedikamente EU zwingt Pharmakonzern zu Preissenkung

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Wettbewerbskommissarin Vestager weist darauf hin, dass auch Kinder auf die Krebsmedikamente Aspens angewiesen seien.

(Foto: imago images/photothek)

Seit 2012 erhöht der Pharmakonzern Aspen die Preise für sechs spezielle Krebsmedikamente immer weiter. Bis das Unternehmen durchschnittlich dreimal so viel mit den Arzneimitteln verdient, wie es für sie ausgibt. Darin sieht die EU einen Missbrauch von Aspens Marktmacht und dreht die Preisspirale zurück.

Die EU-Kommission hat den südafrikanischen Pharmakonzern Aspen dazu verdonnert, seine Preise für sechs Krebsmedikamente drastisch zu senken. Das Unternehmen verlange "übermäßig" viel Geld für bestimmte Mittel zur Behandlung von Leukämie und anderer Blutkrebserkrankungen, erklärte die für Wettbewerb zuständige EU-Kommissionsvize Margrethe Vestager. Dabei seien "Patienten, darunter kleine Kinder, auf diese Medikamente angewiesen."

Nach Angaben der EU-Kommission hatte Aspen die Rechte zur Herstellung der patentfreien Medikamente erworben und ab 2012 damit begonnen, die Preise nach und nach zu erhöhen - "oft um mehrere Hundert Prozent". 2017 leitete Brüssel Ermittlungen ein, die ergaben, "dass Aspen nach den Preiserhöhungen durchgehend sehr hohe Gewinne aus dem Verkauf dieser Medikamente in Europa erzielte".

Die Preise überstiegen demnach die relevanten Kosten im Durchschnitt um fast dreihundert Prozent. "Legitime Gründe" für diese Gewinnspanne lägen nicht vor, zumal die Medikamente seit 50 Jahren patentfrei seien. "Aspen konnte diese Preiserhöhungen erreichen, weil Patienten und Ärzte meist keine Alternativen zur Verwendung dieser speziellen Krebsmedikamente hatten", erklärte die Kommission weiter. In einigen Fällen sei das Unternehmen Kritik an seiner Preispolitik sogar mit der Drohung begegnet, sich aus der Versorgung zurückzuziehen.

Bei Verstößen droht hohes Bußgeld

In Verhandlungen mit Brüssel habe Aspen schließlich einer Reihe von Bedingungen zugestimmt. Die Preise der sechs Medikamente werden demnach im Schnitt um 73 Prozent und damit auf das Niveau von 2012 gesenkt. Die neuen Preise gelten rückwirkend ab dem 1. Oktober 2019 für zehn Jahre.

Aspen habe außerdem die Versorgung Europas mit den Medikamenten mindestens für die nächsten fünf Jahre zugesichert, erklärte die Kommission. Sollte sich das Unternehmen dann aus der Versorgung Europas zurückziehen, werde es die entsprechende Genehmigung an ein anderes Unternehmen abtreten.

Bei Verstoß gegen die Abmachung droht Aspen ein Bußgeld in Höhe von bis zu zehn Prozent seines Jahresumsatzes. Nach eigenen Angaben könnte die Kommission diese Strafe direkt und ohne weitere Ermittlungen verhängen.

Quelle: ntv.de, lwe/AFP

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