Wirtschaft

Unklare Aussichten bei der Bahn EVG will vorerst nicht streiken

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Der Warnstreik ist beendet, die Streikfolgen dauern an: Noch bis zum Abend müssen Bahnreisende mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen.

(Foto: dpa)

Im Tarifstreit bei der Bahn hofft die Gewerkschaft EVG auf neue Verhandlungen: Mit den Auswirkungen ihres massiven Warnstreiks im Rücken warten die Arbeitnehmervertreter auf ein neues Angebot der Bahn. Neue Streikaktionen, heißt es, seien nicht geplant.

Bahnreisende müssen vorerst nicht mit weiteren Streikaktionen im deutschen Schienenverkehr rechnen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erklärte sich nach Abschluss ihres Warnstreiks dazu bereit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Ob es dabei zu einer zügigen Einigung kommt, ist allerdings noch vollkommen unklar. Die Deutsche Bahn sei im Anschluss an die Arbeitsniederlegung auf die Gewerkschaft zugekommen, sagte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. Man prüfe, ob man einen Termin am Dienstag wahrnehmen könne. "Wir sind bereit, ab morgen am frühen Nachmittag zu verhandeln", sagte sie. Weitere Warnstreiks seien vorerst nicht geplant, betonte sie. Ob die Bahn ein neues Angebot vorgelegt habe, wollte Rusch-Ziemba nicht sagen.

Die mit kurzem Vorlauf angekündigte Streikaktion der EVG hatte die Deutschen Bahn sehr viel härter getroffen als erwartet. Zu Wochenbeginn fielen deutschlandweit Zugverbindungen aus. Es kam zu massiven Behinderungen. Im Fernverkehr musste die Bahn den Betrieb vorübergehend komplett einstellen. Auch im Regionalverkehr kam es zu großflächigen Zugausfällen und Verspätungen. In Großstädten wie München, Berlin oder Frankfurt am Main standen auch die S-Bahn-Züge still.

EVG wertet Warnstreik als Erfolg

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Schätzungen zufolge waren Zehntausende Schüler, Studenten, Berufspendler und Fernreisende von den Auswirkungen unmittelbar betroffen. Der Warnstreik führte auch zu erheblichen Behinderungen im Güterverkehr, an dessen reibungslosen Betrieb viele Industriebetriebe hängen. Darüber hinaus bestreikte die EVG auch Bereiche der Fahrgastinformation.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte die massiven Bahnstreiks als unverhältnismäßig. "Es ist völlig richtig, dass eine Gewerkschaft streiken darf. Das gehört in einer Demokratie dazu", sagte Verbandschef Karl-Peter Naumann. "Diese massive Form der Streiks halte ich jedoch für überzogen, weil es keine rechtzeitige Ankündigung gab."

Die EVG  dagegen wertete den vierstündigen Warnstreik am Morgen als vollen Erfolg. Mehrere Tausend Mitglieder hätten sich beteiligt, sagte EVG-Bundesgeschäftsführer Torsten Westphal. "Es gab eine große Bereitschaft, weil es auch einen großen Unmut gab." Kritik am Ausmaß des Arbeitskampfes wies er zurück. "Wir halten den Warnstreik für verhältnismäßig." Die Aktionen seien zum großen Teil von den Mitgliedern selbst gesteuert worden.

Top-Gewerkschafter im EVG-Streik gestrandet

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Die Folgen des EVG-Streiks bekam zu Wochenbeginn auch Deutschlands oberster Gewerkschafter Reiner Hoffmann zu spüren. "Ich hatte heute morgen selbst die Situation, dass ich am S-Bahnhof stand und die Reaktion vieler Menschen mitbekommen habe", sagte der DGB-Vorsitzende. Bei anderen Betroffenen habe er vor allem Verständnis für die Eisenbahngewerkschaft wahrgenommen, sagte Hoffmann.

In der Hauptstadt war überraschend auch die S-Bahn im Berufsverkehr bestreikt worden. Die S-Bahn ist Teil der DB Regio AG. Hoffmann sagte: "Natürlich ist es dann erstmal ärgerlich, wenn ich dann nicht pünktlich zur Arbeit komme. Aber der Ärger richtete sich weniger gegen meine Gewerkschaft, die EVG, sondern vor allen Dingen gegen den Bahnvorstand, dass hier kein anständiges Angebot auf den Tisch gelegt wurde, bei dem die Menschen am Verhandlungstisch sagen: Darauf können wir uns verständigen, hier können wir uns einigen."

Die EVG ist eine von acht Mitgliedsgewerkschaften des DGB. "Das ist das, was die Bevölkerung auch erwartet, dass die Bahnbeschäftigten einen ordentlichen Lohn bekommen und ordentliche Arbeitszeiten", sagte Hoffmann. "Dafür ist das Verständnis heute sehr groß gewesen." Im deutschen Schienennetz rollt der Regelbetrieb unterdessen nur langsam wieder an. Unter Hochdruck versucht die Bahn, die Züge wieder nach Fahrplan einzusetzen. Im Fern- und Regionalverkehr müssen die Reisenden allerdings den ganzen Tag noch mit Einschränkungen rechnen.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts