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Zinswende nach Draghis Abschied? EZB deutet Nullzinsen bis Herbst 2019 an

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Nullzins bis "mindestens über den Sommer 2019" hinaus: EZB-Chef Mario Draghi.

dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) wagt sich weiter nicht an ihren Leitzins heran: Vorsichtig suchen die Währungshüter andere Wege zurück in die geldpolitische Normalität. Sparer müssen noch bis weit ins kommende Jahr auf steigende Zinsen warten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bekräftigt ihren Zeitplan: Zum Jahresende sollen die umstrittenen Anleihenkäufe enden, wie die Währungshüter zum Abschluss ihrer regulären Zinssitzung im Oktober mitteilten. Einen formalen Beschluss zum Auslaufen des milliardenschweren Programms zum Erwerb von Staats- und Unternehmenspapieren traf der EZB-Rat in Frankfurt am Main allerdings nicht. EZB-Präsident Mario Draghi wies auf zahlreiche Unsicherheiten für den Euroraum hin - unter anderem den Brexit und Handelskonflikte, die insbesondere von den USA angeheizt werden.

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Der Leitzins bleibt vorerst unverändert auf dem Rekordtief von 0,00 Prozent, teilte die EZB mit. Das für alle Kreditgeschäfte im Euroraum maßgebliche Zinsniveau liegt seit März 2016 bei null Prozent. Geschäftsbanken bekommen Zentralbankgeld weiterhin zum Nulltarif. Die Wende hin zu höheren Zinsen will der geldpolitische Rat - das für die Leitzinsen zuständige Entscheidungsgremium der EZB -  frühestens im Herbst 2019 einläuten. Die EZB bekräftigte ihre Einschätzung, dass die Zinsen bis "mindestens über den Sommer 2019" auf dem aktuellen Niveau bleiben werden.

Die lang erwartete Zinswende dürfte damit möglicherweise erst der Nachfolger von EZB-Präsident Draghi einläuten. Die achtjährige Amtszeit des Italieners läuft Ende Oktober 2019 aus. Volkswirte rechnen damit, dass die EZB in einem ersten Schritt zunächst die Strafzinsen für Kreditinstitute verringern wird. Derzeit sind für geparktes Geld bei der EZB 0,4 Prozent Strafzinsen fällig.

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Kleinsparer müssen sich damit noch weit ins kommende Jahr gedulden, ehe es wieder Aussichten auf höhere Zinsen gibt. Weil zugleich die Inflation tendenziell wieder anzieht - im Euroraum lagen die Verbraucherpreise im September um 2,1 Prozent über dem Vorjahresniveau - verlieren Sparer auf mickrig verzinsten Tages- oder Festgeldkonten bares Geld. Andererseits profitieren beispielsweise Hausbauer von vergleichsweise günstigen Kreditkonditionen.

Deutschland kritisiert Programm

Am Anleihenmarkt wird die EZB noch lange ein großer Spieler bleiben, denn Gelder aus auslaufenden Papieren werden wieder investiert. Seit Beginn des Kaufprogramms im März 2015 bis Ende September 2018 hat die EZB Wertpapiere im Gesamtwert von mehr als 2,5 Billionen Euro gekauft - und damit Kritikern zufolge ihre eigene Bilanz bis in unverantwortliche Bereiche aufgebläht. Ziel der umstrittenen Anleihenkäufe ist es, der Konjunktur in den 19 Euroländern auf die Sprünge zu helfen und zugleich die zwischenzeitlich bedenklich niedrige Teuerung anzuheizen.

Mittelfristig strebt die EZB Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das könnte die Konjunktur bremsen.

Einen formalen Beschluss zum Auslaufen des milliardenschweren Programms zum Erwerb von Staats- und Unternehmenspapieren gab es nach der Sitzung des EZB-Rates in Frankfurt zunächst aber nicht, wie Fachleute betonten. Das Volumen der monatlichen Anleihenkäufe hatte die Notenbank zuletzt von Oktober an auf 15 Milliarden Euro halbiert. Vor allem aus Deutschland gibt es viel Kritik an dem Programm.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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