Wirtschaft

Neue Ära in der Eurozone EZB öffnet Geldschleusen

Die Europäische Zentralbank startet mit ihrem Ankaufprogramm von Staatsanleihen. Jeden Monat will sie so 60 Milliarden Euro in die Märkte pumpen. Das Ziel ist klar, die kritischen Stimmen laut.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr über eine Billion Euro schweren Anleihen-Kaufprogramms gestartet und damit geldpolitisches Neuland betreten. "Wir sind seit dem Vormittag am Markt aktiv", sagte ein Bundesbank-Sprecher. Auch die EZB bestätigte den Beginn der Käufe.

Ein Händler sagte, deutsche, französische und belgische Bonds seien an die entsprechenden nationalen Notenbanken verkauft worden. Das Programm sieht bis voraussichtlich September 2016 Anleihen-Käufe im Volumen von rund 60 Milliarden Euro pro Monat vor. EZB-Präsident Mario Draghi will mit der Geldflut der Konjunktur in der Euro-Zone auf die Sprünge helfen und die zuletzt gefährlich niedrige Inflation wieder in Richtung der Zielmarke von knapp zwei Prozent hieven.

Der Start des von Fachleuten als "Quantitative Easing" (QE) bezeichneten Programms ließ die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen zeitweise auf 0,336 Prozent sinken nach 0,402 Prozent am Freitag. Die Rendite der zehnjährigen italienischen Titel fiel auf 1,274 (Freitag: 1,323) Prozent, die der spanischen Pendants auf 1,197 (Freitag: 1,242) Prozent.

Die EZB will am Markt Papiere mit Laufzeiten von zwei bis 30 Jahren erwerben, deren Rendite nicht niedriger als der Einlagenzinssatz ist. Der Einlagenzins liegt aktuell bei minus 0,2 Prozent.

Sinn: EZB will eigentlich Eurokurs drücken

Kritiker, wie der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, bemängeln, dass die Sorgen der EZB vor einer Deflation unbegründet seien. Die Begründung sei "nur vorgeschoben", erklärte Sinn. Es gebe "keine Deflation im Euroland, sondern einen konjunkturell hochwillkommenen Absturz der Ölpreise". Eigentlich wolle die EZB damit den Eurokurs drücken, was sie offiziell nicht sagen dürfe, da eine Wechselkurspolitik nicht in ihrem Auftrag liege. Das Programm erleichtere zudem Staaten die Verschuldung "mit der Druckerpresse", kritisierte Sinn.

Auch in EZB-Kreisen ist QE in der jetzigen Situation umstritten. So sprach sich Bundesbank-Präsident Jens Weidmann immer wieder dagegen aus.

Quelle: ntv.de, wne/rts/dpa