Wirtschaft

Mit "Iron Man" aus der Krise? Sony-Kurs steigt auf Zweijahreshoch

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Die "Iron Man"-Saga beschert Sonys Filmsparte immer wieder Kassenschlager - und muss andere Geschäftsbereiche !quersubventionieren".

(Foto: TM & © 2013 Marvel & Subs.)

Ein Hedgefonds-Manager will den Elektronikriesen Sony aufspalten - und die Konzernführung spielt die Idee durch. Eine Zerschlagung würde Sinn machen, denn der Aktienkurs dürfte steigen, so die Argumentation des Hedgefonds-Managers. Es wäre ein Paukenschlag in der japanischen Industriegeschichte.

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Nach massivem Anlegerdruck ist beim japanischen Elektronikriesen einiges in Bewegung. Nach dürren Jahren und Problemen vor allem im Unterhaltungselektronikbereich wird offen über eine Konzernaufspaltung debattiert. Die Unternehmensführung erklärte sich bereit, eine Trennung des profitablen Film- und Musikgeschäfts von der angeschlagenen Unterhaltungselektronik durchzuspielen. Die Prüfung könne sich über einen Monat hinziehen, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Käme es dazu, wäre dies ein Paukenschlag in der konservativen japanischen Firmenlandschaft, in der enge Verbindungen mit anderen Unternehmen und Banken traditionell wichtiger sind als Aktionärsinteressen.

Gefordert wird die Zerschlagung vom US-Hedgefonds-Manager und Milliardär Daniel Loeb, der sich davon eine erhebliche Wertsteigerung seiner Sony-Beteiligung verspricht. "Der Vorschlag betrifft einen Kern des Geschäfts und der Strategie des Managements, deshalb wird der Vorstand das gründlich erörtern, bevor wir Herrn Loeb antworten", sagte Sony-Chef Kazuo Hirai. An der Börse sorgte die Ankündigung für Jubel. Die Sony-Aktien schossen um fast 6 Prozent nach oben auf den höchsten Kurs seit zwei Jahren.

Satte Quersubventionierung

Der kalifornische Milliardär Loeb, dessen Hedgefonds Third Point gut sechs Prozent der Sony-Aktien hält, gilt als aggressiver Investor, der sich in die Firmenpolitik seiner Beteiligungen einmischt. Er hatte beispielsweise bereits den Internet-Konzern Yahoo in die Knie gezwungen.

Loeb hatte vor rund einer Woche in einem Brief an die Sony-Führung einen Strategie-Wechsel gefordert. Unmittelbar nach Loebs Vorstoß vergangene Woche hatte Sony zunächst erklärt, das Unterhaltungsgeschäft sei wichtig für Sonys Wachstum und stehe "nicht zum Verkauf". Allerdings hatte sich Hirai zwischenzeitlich mit dem US-Investor getroffen.

Durch eine Abspaltung und einen Börsengang des Film- und Musikgeschäfts bekäme der Konzern laut Loeb Geld in die Kasse, um das kränkelnde Elektroniksegment auf Vordermann zu bringen, argumentiert er. Das werde auch den Aktienkurs von Sony beflügeln.

Bisher hatte Sony betont, die Unterhaltungsbereiche seien ein wichtiger Wachstumsmotor und stünden nicht zum Verkauf. Das Unternehmen kann derzeit die satten Verluste der Elektronik nur dank der Gewinne der Film- und Musiksparte sowie des dritten Standbeins Versicherungen ausgleichen. Dabei macht der Konzern mit digitalen Kameras, Mobiltelefonen, Computern, Musikanlagen und Spielekonsolen rund zwei Drittel des Umsatzes, mit Filmen und Musik dagegen nur knapp ein Fünftel. Zu Sony Entertainment gehören eines der führenden Hollywood-Filmstudios, das Kassenschlager wie "Spider Man" und "James Bond" produzierte, und eines der größten Musik-Labels der Welt mit Stars wie Beyonce und Adele.

Achillesferse Elektronik

Seinen Status als Vorreiter der Elektronikbranche hat der Erfinder des Walkman schon seit längerem eingebüßt. Jefferies-Analyst Atul Goyal beschreibt das Hauptproblem: "In Bereichen, in denen Sony einen größeren Anteil hat - digitale Videokameras und Fotoapparate -, schrumpft der Markt als ganzes. Und bei den Produkten, die - wie TV und Smartphones - noch Wachstum zeigen, ist Sony ein Randanbieter." Die Segmente Film, Musik und Versicherungen machten den ganzen Wert des Konzerns aus. "Elektronik ist seine Achillesferse. Der Wert liegt unserer Ansicht nach bei null", sagte Goyal.

Sony will dem kriselnden Bereich neues Leben einhauchen. "Auch wenn es ermutigende Anzeichen für einen Wandel gibt, bleibt die Wiederbelebung des Elektronikgeschäfts unsere Aufgabe", machte Konzernchef Hirai deutlich.

In seinem strategischen Ausblick bekräftigte Hirai weiter sein "One Sony"-Konzept: Die verschiedenen Bereiche des Konzerns sollen endlich zusammenspielen. Sony mit seiner Vielfalt aus Wohnzimmer-Elektronik, Spielekonsolen, Handys und Inhalten wurde eine Schlüsselposition in der digitalen Entertainment-Zukunft zugetraut.

Hirai will nun die Wende schaffen. Im gerade abgeschlossenen Geschäftsjahr brachte er Sony schon einmal wie versprochen in die schwarzen Zahlen - allerdings vor allem dank Verkäufen von Immobilien und Beteiligungen sowie dem Yen-Kurs.

Ausblick bleibt verhalten

Doch auf kurze Sicht trüben sich die Perspektiven ein. Für das kommende Geschäftsjahr 2014/15 (bis Ende März) erwartet Sony bei Digitalkameras nur noch einen Umsatz von umgerechnet 9,8 Mrd. (bisherige Prognose: 11,3 Mrd.) Euro. Noch stä rker dampfte das Management das Umsatzziel für Smartphones und Tablet-Computer ein, das nun nur noch bei 11,3 Mrd. nach 13,6 Mrd. Euro liegt.

Im boomenden Smartphone-Geschäft kämpft Sony mit den chinesischen Konzernen Huawei und ZTE sowie LG Electronics aus Südkorea um den Platz des weltweiten Branchendritten hinter den Platzhirschen Samsung und Apple. Im laufenden Geschäftsjahr will das japanische Unternehmen seine Verkäufe um ein Viertel steigern.

PS 4 sehnsüchtig erwartet

Ein Hoffnungsträger bleibt die neue Playstation: Sony hatte sie im Februar angekündigt. Die Playstation 4 soll Ende des Jahres in den Handel kommen. Am Dienstag stellte Rivale Microsoft ausführlich seine neue Xbox One vor, die ebenfalls zum Weihnachtsgeschäft erwartet wird. Mit ihrem Fokus auf Unterhaltungs-Angebote und einer verbesserten Kinect-Bewegungssteuerung wird sie sofort als harter Konkurrent für die neue Playstation 3 gesehen. Im vergangenen Geschäftsjahr war der Sony-Umsatz im Spielegeschäft um über zwölf Prozent auf 707 Mrd. Yen gesunken. Der operative Gewinn schmolz auf 1,7 Mrd. Yen (13 Mio. Euro) zusammen.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ/dpa