Wirtschaft

Abgasmanipulation verschwiegen? Ein Porsche-Vorstand gerät unter Verdacht

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Vorstandsmitglied Michael Steiner (r.) bei der Vorstellung des Porsche Cayenne Turbo im Jahr 2017.

(Foto: imago/Sven Simon)

Die zahlreichen Razzien bei VW-Tochter Porsche konzentrieren sich offenbar auch auf ein Vorstandsmitglied des Autobauers. Entwicklungschef Steiner soll Abgasberichte für US-Behörden gekürzt haben - im Beisein von Audi-Vorstandschef Stadler.

Die Abgasaffäre um Volkswagen weitet sich auf das Tochterunternehmen Porsche aus. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart verdächtigt neben einem Ex-Angestellten des Konzerns und einem führenden Manager auch Porsche-Entwicklungschef Michael Steiner. Die Behörden ermitteln wegen Verdacht auf Betrug und strafbare Werbung. Fast 200 Staatsanwälte und Kriminalbeamte durchsuchten dazu Standorte von Porsche.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung", des NDR und WDR wird Steiner durch Aussagen eines früheren Audi-Ingenieurs schwer belastet. Steiner habe im Herbst 2015 zusammen mit Audi-Vorstandschef Rupert Stadler dafür gesorgt haben, dass den US-Behörden Abgasmanipulationen bei Dieselfahrzeugen teilweise vorenthalten worden seien, so die Anschuldigungen.

Audi-Chef Stadler betonte dagegen immer wieder, nichts von den Manipulationen gewusst zu haben. Gegen ihn laufen derzeit keine Ermittlungen. Die Behörden gehen allerdings davon aus, dass die Manipulationen beider Autobauer zusammenhängen. Grund für den Verdacht sind die Aussagen des ehemaligen Audi-Ingenieurs Giovanni P., der monatelang in den USA in Untersuchungshaft saß und umfangreich aussagte.

P. beschuldigte Stadler und Steiner, sie hätten dafür gesorgt, dass eine mehrseitige Präsentation zu Abgaswerten für US-Behörden verkürzt worden sei. Auf diese Weise sei verschwiegen worden, dass Audi bei bestimmten Dieselmodellen ein Gemisch aus Harnstoff und Wasser (AdBlue) eingesetzt habe, um den Stickoxid-Ausstoß zu senken. Der damalige Audi-Ingenieur habe gegen die Kürzung der Präsentation protestiert, Steiner habe diese jedoch durchgesetzt.

Droht Porsche eine Krise?

Begonnen hatte die Diesel-Affäre im September 2015 bei Volkswagen. Der Autokonzern hatte damals eingeräumt, dass Millionen von Fahrzeugen mit Software ausgestattet worden waren, die die volle Abgasreinigung nur im Testbetrieb ermöglichte. Auf der Straße stießen die Wagen dagegen deutlich mehr Schadstoffe aus. Dies stürzte Volkswagen in eine schwere Krise. Den größten Autokonzern der Welt kostete die Diesel-Affäre vor allem aufgrund von Vergleichen und Schadenersatz in der USA bisher schon mehr als 25 Milliarden Euro.

Der Großteil der strafrechtlichen Untersuchungen gegen VW liegt bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Dort werden auch Vorwürfe der Marktmanipulation gegen hohe Manager untersucht. Die Stuttgarter Ermittler haben zudem die VW-Dachgesellschaft Porsche SE im Visier sowie den Autobauer Daimler und den Zulieferer Bosch. Wann die ganzen Verfahren abgeschlossen sein werden, ist unklar. Dieses Jahr, hatte die Staatsanwaltschaft kürzlich noch erklärt, rechne sie eher nicht damit.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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