Wirtschaft

Industrie bei Engpass bevorzugen Eon-Aufsichtsrat: Erst Privathaushalten das Gas abdrehen

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Karl-Ludwig Kley ist Aufsichtsratschef bei Eon und Lufthansa, bei BMW ist er stellvertretender Vorsitzender.

(Foto: picture alliance/dpa)

Sollte der befürchtete Engpass bei der Energieversorgung in Deutschland eintreten, sollen "im schlimmsten Fall" die Menschen im Winter zu Hause frieren, während die Industrie ungestört produziert. Diese Umkehr der Prioritäten wünscht sich Eon- und Lufthansa-Aufsichtsrat Karl-Ludwig Kley.

Die Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien hat Russland bereits eingestellt, auch die deutsche Bundesregierung bereitet sich auf ein solches Szenario vor. Wirtschaftsminister Robert Habeck rief bereits Ende März die Frühwarnstufe aus, um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein. Der dazugehörige Notfallplan sieht vor, Privathaushalte bei Versorgungsengpässen zu bevorzugen und stattdessen zunächst Industriebetriebe abzuklemmen. Karl-Ludwig Kley, Aufsichtsratschef von Eon und Lufthansa, fordert nun jedoch eine Änderung der Vorgehensweise.

Kley sagte dem "Manager Magazin", die Politik sei gut beraten, "sehr ernsthaft" darüber nachzudenken, "ob sie die Reihenfolge nicht umdreht und erst bei Privaten abschaltet und dann bei der Industrie". Auf die Nachfrage, ob diese veränderte Priorisierung dazu führen könne, dass die Produktion weiterläuft, während Menschen im Winter in den eigenen vier Wänden frieren müssten, erwidert der 70-Jährige: "Im schlimmsten Fall, ja."

Seine Haltung, die den Plänen der für die Verteilung zuständigen Bundesnetzagentur sowie von Vizekanzler Habeck entgegensteht, begründet der Manager damit, dass die Menschen auf ihre Einkommen angewiesen seien. Die deutsche Volkswirtschaft und damit auch die Löhne und Gehälter seien davon abhängig, "dass die Industrie arbeitsfähig bleibt". Das Interview wurde zeitlich vor dem Lieferstopp für Polen und Bulgarien geführt, der die Bundesregierung mit Blick auf die kurz- und mittelfristige Energieversorgung erneut alarmiert hat.

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Habeck sagte in dieser Woche, es sei inzwischen offensichtlich, dass der vom russischen Präsidenten Wladimir Putin befohlene Angriffskrieg gegen die Ukraine die europäische Ordnung grundlegend verändert habe. "Das ist die Realität, wo Energie als Waffe eingesetzt wird", sagte der Grünen-Politiker. Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, "dass wir nicht wehrlos sind". Ein von zahlreichen Akteuren gefordertes Embargo gegen russische Energielieferungen lehnt Berlin weiterhin ab.

Allerdings gilt es nicht erst seit dem Lieferstopp für Polen und Bulgarien als denkbar, dass Russland ohne großen Vorlauf auch Deutschland den Hahn zudreht. Habeck betonte, eine solche Ausnahmesituation lasse sich nicht vorhersagen, unterstrich aber zugleich zum wiederholten Male, dass bei Engpässen zunächst die Versorgung von Privathaushalten sichergestellt werde.

Quelle: ntv.de, tsi

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