Langfristig wird's teurerEon verspricht trotz Iran-Krieg stabile Energiepreise - vorerst

Die Spritpreise gehen infolge des Iran-Kriegs durch die Decke. Werden jetzt auch Strom und Gas teurer? Der größte Energieversorger Deutschlands beruhigt - bis Ende des Jahres sind keine Preiserhöhungen geplant. Danach werden Verbraucher allerdings wohl tiefer in die Tasche greifen müssen.
Deutschlands größter Energieversorger Eon will in diesem Jahr bei Strom und Gas nicht mehr an der Preisschraube drehen. "Wir als Eon werden die Strom- und Gaspreise für unsere Bestandskundinnen und -kunden in diesem Jahr stabil halten", erklärte der Vorstandschef der Eon-Vertriebstochter Eon Energie Deutschland, Filip Thon, in einem Statement.
Man handele vorausschauend. "Das heißt ganz konkret: Wir haben Strom und Gas langfristig eingekauft und so die benötigten Energiemengen für unsere Kundinnen und Kunden in diesem Jahr bereits vollständig gedeckt", so Thon. Dies gelte auch für die grundversorgten Kunden. "Als größter Grundversorger sorgen wir bei Millionen von Menschen bundesweit für die zuverlässige Belieferung mit Strom und Gas - auch in schwierigen Zeiten."
Man habe für die von Eon beeinflussbaren, vertrieblichen Kostenbestandteile vorausschauend agiert, so Thon. Für die Netzentgelte gelte zudem, dass auch sie für das komplette Jahr 2026 bereits feststünden. Möglich seien allerdings Veränderungen des Endkundenpreises durch kurzfristige, regulatorische Eingriffe aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage. "Ähnliches haben wir in der Energiekrise nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs gesehen", so Thon weiter. Hier sei keine seriöse Prognose möglich.
Langfristig rechnet Eon nach Worten Thons mit einem höheren Preisniveau als vor dem Iran-Konflikt. "Wir sprechen uns daher klar für eine Senkung der Stromsteuer aus. Nur so kann die Elektrifizierung für eine bezahlbare Energiewende weiter angekurbelt werden." Eon hat in Deutschland rund 11,3 Millionen Stromkunden und 2,3 Millionen Gaskunden.
Grundversorgungstarife sind sogar günstiger geworden
Nach Angaben des Vergleichsportals Verivox ist der durchschnittliche Haushaltspreis für Strom mit 31,6 Cent je Kilowattstunde (kWh) derzeit genauso hoch wie zum Jahresbeginn. Zwischen den Stromtarifgruppen gebe es aber Unterschiede, erklärte ein Sprecher. So seien die Grundversorgungstarife von durchschnittlich 42,7 Cent/kWh im Januar 2026 auf aktuell 39,9 Cent/kWh gesunken. "Die Preissenkungen von durchschnittlich 6,5 Prozent gehen in erster Linie auf zum Jahreswechsel gesunkene Stromnetzentgelte zurück, die nach und nach weitergegeben werden", sagte er.
Die günstigsten Stromtarife der Grundversorger seien im gleichen Zeitraum leicht von 32,3 Cent/kWh auf 32,7 Cent/kWh angestiegen. "Die günstigsten Stromtarife für Neukunden sind von durchschnittlich 23,4 Cent/kWh auf aktuell 24,8 Cent/kWh gestiegen." Ende März/Anfang April lagen sie laut Verivox zeitweise bei rund 28 Cent/kWh. "Diese Preissteigerungen sind auf höhere Risiken bei den Großhandelspreisen durch die Konflikte im Nahen Osten zurückzuführen."
Bei Erdgas sei der durchschnittliche Haushaltspreis zu Beginn des Jahres von 9,9 Cent/kWh auf 11,1 Cent/kWh angestiegen. Hauptgrund seien höhere Großhandelspreise seit Beginn des Irankrieges Anfang März.
"Im Gegensatz zu den Preissprüngen an den Tankstellen sind die Auswirkungen des Krieges im Iran auf die Strom- und Gaspreise der Haushalte in Deutschland bislang noch gering", erklärte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. Preissteigerungen seien vor allem bei kurzfristig kalkulierten Tarifen für Neukunden zu beobachten. "Mittelfristig erwarten wir jedoch auch Preissteigerungen bei den Bestandskundentarifen."