Wirtschaft
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Sonntag, 11. März 2018

Paukenschlag in Energiebranche : Eon will Innogy kaufen

Der Deal dürfte hohe Wellen schlagen: Energiekonzern Eon plant eine Übernahme der RWE-Tochter Innogy. Im Gegenzug will RWE das Ökostrom-Geschäft bündeln. Ob auch Regulierungsbehörden und Aktionäre mitspielen, steht in den Sternen.

In der deutschen Energiewirtschaft bahnt sich eine spektakuläre Milliardenübernahme an: Eon will die RWE-Ökostromtochter Innogy kaufen, wie die beiden Branchenriesen mitteilten. Dazu hätten sie eine Grundsatzeinigung erzielt, die einen weitreichenden Tausch von Geschäftsaktivitäten und Beteiligungen sowie eine Barzahlung von RWE an Eon in Höhe von 1,5 Milliarden Euro vorsieht.

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Die Geschäftsmodelle von Eon und Innogy gleichen sich. Beide betreiben Strom- und Gasnetze, Ökostrom sowie das Vertriebsgeschäft von Strom und Gas. Die Geschäfte sollen jetzt aber unter Eon und RWE aufgeteilt werden. Eon konzentriert sich auf Strom- und Gasnetz und den Vertrieb, der Ökostrom wird bei RWE gebündelt. Der Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung benötige noch die Zustimmung der Gremien beider Konzerne, hieß es weiter.

Der Deal dürfte zudem vor erheblichen Hürden bei den Regulierungsbehörden stehen, da sich die Geschäfte zum Teil überschneiden. Aufseiten der Arbeitnehmer dürften Fragen nach der Beschäftigungssicherung im Mittelpunkt stehen. Aus Kreisen der kommunalen RWE-Aktionäre, zu denen Städte wie Essen und Dortmund gehören, heißt es, dass diese einem solchen Deal mit Eon sehr skeptisch gegenüber stehen und die Merheit an Innogy behalten wollen.

Ziel: Innogy soll voll integriert werden

Innogy hat derzeit einen Marktwert von rund 19 Milliarden Euro. Nach der Grundsatzeinigung soll RWE zunächst eine Beteiligung an Eon von 16,67 Prozent erhalten. Die Aktien würden von Eon im Rahmen einer 20-prozentigen Sachkapitalerhöhung ausgegeben. Zudem solle RWE den weitgehenden Teil von Eons Erneuerbare-Energien-Geschäfts erhalten sowie das gesamte Erneuerbare-Energien-Geschäft von Innogy und das Innogy-Gasspeichergeschäft und den Anteil am österreichischen Versorger Kelag.

Auch solle RWE die von der Eon -Tochter PreussenElektra gehaltenen Minderheitsbeteiligungen an den von RWE betriebenen Kernkraftwerken Emsland und Gundremmingen erhalten. Eon wolle den Innogy-Minderheitsaktionären ein freiwilliges Übernahmeangebot in bar von 40 Euro je Aktie vorlegen. Ziel sei eine volle Integration von Innogy in den Eon -Konzern.

Eon und RWE legen in der kommenden Woche ihre Bilanzen vor. Beide Konzerne haben durch die Rückzahlung der zu Unrecht erhobenen Brennelementesteuer Milliarden in der Kasse. Während Eon nach neuen Anlagemöglichkeiten sucht, hat RWE-Chef Rolf Martin Schmitz angekündigt, das als Finanzbeteiligung betrachtete Innogy-Paket reduzieren zu wollen. In den vergangenen Monaten waren auch immer wieder ausländische Energiekonzerne wie der französischen Versorger Engie, der italienische Konkurrent Enel oder Iberdrola aus Spanien als Interessenten für Innogy gehandelt worden.

Quelle: n-tv.de