Wirtschaft

Um Absturz der Lira zu stoppen Erdogan bittet Türken um Euro und Dollar

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Erdogan hatte oft vehement gegen Zinserhöhungen zur Stabilisierung der Lira gewettert, nun hofft er auf die Euro und Dollar "unter den Kopfkissen" seiner Landsleute.

REUTERS

Die Politik und die widersprüchlichen Äußerungen des Präsidenten haben die türkische Lira in den vergangenen Monaten dramatisch geschwächt. In einem Akt der Verzweifelung ruft Erdogan nun seine Landsleute auf, mit ihren Ersparnissen die Währung zu stützen.

Nach den dramatischen Wertverlusten der türkischen Lira hat Staatschef Recep Tayyip Erdogan seine Landsleute in einem ungewöhnlichen Schritt öffentlich zur Stützung der Währung aufgerufen. In der osttürkischen Stadt Erzurum appellierte er an die Türken, Bargeldbestände in Euro und US-Dollar in türkische Lira zu tauschen und dadurch den Wechselkurs an den Finanzmärkten mit zu stabilisieren.

"Meine Brüder, können diejenigen von euch, die Euro und Dollar unter ihren Kopfkissen haben, dieses Geld bitte in Lira investieren?", sagte Erdogan bei einer Wahlkampfveranstaltung für die auf den 24. Juni vorgezogenen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen.

Innerhalb eines Monats verlor die Lira zuletzt 16 Prozent ihres Wertes gegenüber dem US-Dollar. Nach einem neuerlichen Abrutschen des Wechselkurses am Mittwoch griff die türkische Nationalbank mit einer Leitzinserhöhung ein. Die Schwäche der Währung ist für den Staatschef ein Problem im Wahlkampf, weil viele Wähler sie als Zeichen für die Schwäche der türkischen Wirtschaft interpretieren.

Verstärkt worden war der jüngste Wertverlust unter anderem durch Äußerungen Erdogans, nach einer möglichen Wiederwahl die Kontrolle über die Geldpolitik zu verstärken. Gleichzeitig erklärte Erdogan wiederholt, dass er den Wertverlust der Lira und die Inflation durch Zinssenkungen stoppen wolle. Sinkende Zinsen bewirken allerdings gewöhnlich genau das Gegenteil. Die Äußerungen steigerten die Sorgen von Anlegern und Ökonomen vor einer unberechenbareren Finanzpolitik.

Quelle: n-tv.de, mbo/AFP

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