Wirtschaft

Ex-Finanzminister folgt Erdogan feuert erneut Zentralbank-Chef

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Die Türkei leidet unter ihrer schwachen Währung.

(Foto: imago/photothek)

Die türkische Währung fällt auf ein neues Rekordtief zum Dollar. Zudem stagniert die Inflation weit über dem Ziel der Zentralbank. Nun wechselt der Präsident den Chef der Notenbank. Allerdings sorgt Erdogans Politik für einen Großteil der Währungsprobleme.

Inmitten der Talfahrt der türkischen Lira hat Staatschef Recep Tayyip Erdogan den Chef der Zentralbank entlassen. Laut einem nun veröffentlichten Präsidialdekret wird Murat Uysal durch den ehemaligen Finanzminister Naci Agbal ersetzt. Erdogan hatte Uysal erst im Juli 2019 vom Vize-Chef an die Spitze der Notenbank befördert, nachdem er dessen Vorgänger Murat Cetinkaya im Streit über aus seiner Sicht zu hohe Zinsen gefeuert hatte. Uysal hatte anschließend mit Zinssenkungen begonnen. Im September hatte die Notenbank aber im Kampf gegen die Liraschwäche überraschend die Zinszügel wieder angezogen.

US-Dollar / Türkische Lira
US-Dollar / Türkische Lira 7,48

In den vergangenen Monaten fiel die türkische Lira im Verhältnis zum US-Dollar auf einen historischen Tiefstand. Am Freitagabend wurden 8,52 türkische Lira für einen Dollar gehandelt - neuer Rekord. Seit Beginn des Jahres hat die türkische Währung damit fast 30 Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren.

Treiber des freien Falls der Lira ist die hohe Inflation. Im September und im Oktober lag sie jeweils nur knapp unter zwölf Prozent auf Jahressicht. Das Ziel der türkischen Notenbank liegt hingegen bei fünf Prozent. Auch die stark geschmolzenen Währungsreserven des Landes haben die Talfahrt beschleunigt. Zudem lasten Spannungen im Verhältnis zur EU und den USA sowie die Sorge über mögliche Sanktionen auf der Währung des Schwellenlandes.

Erdogan ist ein erklärter Zinsgegner und hatte sich von den von ihm maßgeblich mit angestoßenen Senkungen mehr Anschubhilfe für die Wirtschaft erhofft. Erst vergangenes Wochenende erklärte er, die Türkei kämpfe gegen ein "Teufelsdreieck von Zinsen, Wechselkursen und Inflation".

Quelle: ntv.de, jwu/rts/AFP