Wirtschaft
In Bursa, der Hochburg der türkischen Autoindustrie, stellt unter anderem Karsan Modelle verschiedener Marken her.
In Bursa, der Hochburg der türkischen Autoindustrie, stellt unter anderem Karsan Modelle verschiedener Marken her.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 02. November 2017

Ende von nationaler "Schande" : Erdogan verkündet Bau von türkischem Auto

Die Autobranche ist einer der wichtigsten Industriezweige der Türkei. Den Staatschef wurmt allerdings, dass die Unternehmen nur Wagen ausländischer Marken produzieren. In seinem Palast versammelt Erdogan nun fünf heimische Hersteller, um das zu ändern.

Die Türkei will nach Angaben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan im Jahr 2021 ein im Land von einheimischen Firmen entwickeltes und produziertes Auto auf den Markt bringen. Für die Produktion sei ein Zusammenschluss von fünf Firmen verantwortlich, sagte Erdogan bei einer Veranstaltung im Präsidentenpalast in Ankara. Dabei handele es sich um die Anadolu-Gruppe, das türkisch-katarische Unternehmen BMC, die Kiraca Holding, die Turkcell-Gruppe und die Zorlu Holding. 

Erdogan sagte, er glaube, dass die Türken das Auto bevorzugen, sobald es auf dem Markt sei. Er selbst wolle den ersten Wagen kaufen, zitierte die Nachrichtenagentur Anadolou Erdogan. "Niemand sollte zögern. Wir werden das beste Auto der Türkei produzieren mit dem besten Design und der besten Technologie, für unser Land und die Welt." Details zum Modell wurden zunächst keine bekannt. Laut den teilnehmenden Firmen soll das Joint-Venture in den nächsten Monaten gegründet und dann mit der Entwicklung begonnen werden.

In den 60er Jahren hatte die Türkei das Automodell "Anadol" auf den Markt gebracht, dessen Produktion jedoch in den 90er Jahren eingestellt wurde. Dass die türkische Industrie derzeit kein eigenes Auto produziere, nannte Erdogan eine Schande. "Heute machen wir einen historischen Schritt, um diese Schande loszuwerden."

Aktienkurse brechen ein

Mit Werken unter anderem der Autokonzerne Renault, Ford, Fiat und Toyota ist die Türkei bereits ein wichtiger Standort der Branche. Unter anderem ist das Land der größte Produzent von leichten Nutzfahrzeugen in Europa. Daneben betreiben zahlreiche nationale und internationale Zulieferer Werke in der Türkei. Ein Großteil der Produktion geht in den Export. Der Autoabsatz in der Türkei selbst ging dagegen zuletzt deutlich zurück.

Bei den Aktionäre der beteiligten Unternehmen stößt Erdogans Projekt allerdings auf eine tiefe Skepsis. Nach anfänglichen Gewinnen brachen die Kurse der beteiligten Unternehmen zum Teil drastisch ein. So fielen die Papiere von Anadolu Isuzu, dem Autofabrikanten der Anadolu Holding, um acht Prozent. Die Aktien von Türkcell büßten 4,6 Prozent ein. Vestel-Titel gaben elf Prozent nach.

Quelle: n-tv.de

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